Stillstand: Wenn der Firmenwagen rumsteht

Stillstand: Wenn der Firmenwagen rumsteht

Keine Steuer bei Fahruntüchtigkeit


Haben Sie einen Firmenwagen, den Sie auch privat fahren dürfen? Dann müssen Sie diese private Nutzung als geldwerten Vorteil versteuern – mit der Pauschalmethode: Monatlich ein Prozent des Listenpreises. Doch muss dieser Ein-Prozent-Wert auch dann versteuert werden, wenn die private Nutzung nicht möglich ist?

Natürlich! Zumindest, wenn es nach der Finanzverwaltung geht. So heißt es offiziell in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF-Schreiben vom 28.05.1996, Teilziffer I.3), dass der Ein-Prozent-Monatswert auch dann zu versteuern ist, wenn

  • das Fahrzeug dem Arbeitnehmer im Kalendermonat nur zeitweise zur Verfügung steht,
  • der Arbeitnehmer das Fahrzeug nur gelegentlich zu Privatfahrten nutzt oder
  • er von seinem Zugriffsrecht auf ein Fahrzeug aus einem Fahrzeugpool nur gelegentlich Gebrauch macht.
Aber es gibt eine Ausnahme: Die Versteuerung entfällt, wenn das Auto dem Mitarbeiter für den vollen Kalendermonat überhaupt nicht zur Verfügung stand. Zum Beispiel wegen Krankheit, Abordnung ins Ausland, Urlaub oder einer Reparatur wegen Unfalls.

Keine zeitanteilige Aufteilung

möglich Eine zeitanteilige Aufteilung des Monatswertes ist nicht zulässig, etwa weil die Nutzungsmöglichkeit erst im Laufe eines Monats beginnt oder endet. Die Versteuerung eines geringeren, taggenau ermittelten Bruchteils von einem Prozent des Bruttolistenpreises kommt nicht in Betracht (Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg, Aktenzeichen 6 K 2540/14).

Monate der Nichtnutzung entfallen

Nun hat das Finanzgericht Düsseldorf wiederum positiv im Sinne der Steuerzahler entschieden: Ist ein Mitarbeiter zur privaten Nutzung nicht befugt und kann das Fahrzeug tatsächlich nicht nutzen, so muss er keinen Nutzungswert für volle Kalendermonate versteuern.

Dies trifft beispielsweise bei einem Fahrverbot zu, das von Ärzten wegen einer Erkrankung ausgesprochen wird. Ist also der Mitarbeiter fahruntüchtig, könne und dürfe er den Firmenwagen nicht nutzen. Es müsse natürlich ausgeschlossen sein, dass  Angehörige das Fahrzeug nutzen (Aktenzeichen 10 K 1932/16).

Der entschiedene Fall: Fünf Monate Stillstand

Ein Arbeitnehmer wollte den steuerpflichtigen privaten Nutzungswert kürzen, da er den Firmenwagen für fünf Monate nicht habe nutzen können und dürfen. Im Februar habe er einen Hirnschlag erlitten, woraufhin ihm ein Fahrverbot durch den behandelnden Arzt erteilt worden sei. Das Fahrverbot sei erst Ende Juli durch eine Fahrschule aufgehoben worden.

Für die Zeit des Fahrverbotes dürfe jedoch keine Besteuerung erfolgen, da überhaupt kein Vorteil entstanden sei und mithin kein fiktiver Arbeitslohn vorliege. Das Fahrzeug sei nicht von Angehörigen genutzt worden. Das Finanzgericht stimmte einer Kürzung für die vollen Monate März bis Juni 2014 zu. Allerdings sei für die Monate Februar und Juli ein Nutzungsvorteil zu erfassen, weil eine zeitanteilige Aufteilung innerhalb eines Monats nicht in Betracht komme.

Das sollten Sie beachten

Der Ein-Prozent-Monatswert müssen Sie nur dann nicht versteuern, wenn Ihnen der Firmenwagen für einen vollen Kalendermonat nicht zur Verfügung steht.
Dies kann zum Beispiel folgende Gründe haben:

  • Krankheit
  • Abordnung ins Ausland
  • Urlaub
  • Unfall

Steht Ihnen der Firmenwagen nur gelegentlich für höchstens fünf Tage aus einem besonderen Anlass oder zu einem besonderen Zweck zur Verfügung, brauchen Sie nicht den Ein-Prozent-Monatswert zu versteuern, sondern nur 0,001 Prozent des Listenpreises für jeden Fahrtkilometer (BMF-Schreiben vom 28.5.1996, Teilziffer I.3)

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