Wenn es auf dem Arbeitsweg kracht

Wenn es auf dem Arbeitsweg kracht

Steuerminderung beim Verkehrsunfall


Die Kosten für den täglichen Arbeitsweg mindern die Steuer: Für jeden Entfernungskilometer kann man 30 Cent als Werbungskosten geltend machen. Dies ist soweit bekannt.

Keine Unfallkosten laut Gesetz

Immer wieder fraglich hingegen ist, was mit nicht alltäglichen Aufwendungen ist, die auf dem Weg zur Arbeit entstehen. Dazu zählen auch die Kosten, die aufgrund eines Unfalls entstehen. Das Einkommensteuergesetz ist hier so zu verstehen, als dass mit der Entfernungspauschale sämtliche Aufwendungen für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte abgegolten sind. Aber kann das richtig sein?

Parlamentarische Anfrage

Zweifel daran hegte auch ein Bundestagsabgeordneter. Er erkundigte sich mit einer schriftlichen Anfrage bei der Bundesregierung. Konkret wollte der Parlamentarier wissen, ob aufgrund des eindeutigen Wortlauts im Gesetz tatsächlich sämtliche Aufwendungen für den Arbeitsweg abgegolten sind oder ob Unfallkosten zusätzlich als Werbungskosten berücksichtigt werden können.

Daher ist klärungsbedürftig, ob die Regelung zur Entfernungspauschale zwischen gewöhnlichen Ausgaben für den Arbeitsweg, wie eben den eigentlichen Fahrtkosten, und außergewöhnlichen Kosten, wie Unfallkosten, zu differenzieren ist.

Die Antwort des Bundesfinanzministeriums

In der Bundestagsdrucksache 18/8523 erläutert das Finanzministerium dazu: Mit der Entfernungspauschale sind grundsätzlich sämtliche Aufwendungen des Arbeitnehmers für seine Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte abgegolten. Insoweit ist eine Differenzierung zwischen gewöhnlichen und außergewöhnlichen Aufwendungen nicht vorgesehen.

Unfallkosten im Billigkeitsweg

Aber: Aus Billigkeitsgründen wird es von den Finanzämtern ausnahmsweise jedoch nicht beanstandet, wenn Aufwendungen für die Beseitigung eines Unfallschadens neben der Entfernungspauschale als Werbungskosten geltend gemacht werden.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Verkehrsunfall sich auf einer Fahrt zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, auf dem Umweg zum Betanken des Fahrzeugs oder zur Abholung der Mitfahrer einer Fahrgemeinschaft ereignet hat und nicht unter Alkoholeinfluss geschehen ist.

Was Sie nun tun sollten

Sind Ihnen Kosten aufgrund eines Unfalls auf dem Arbeitsweg entstanden? Machen Sie diese in Ihrer Einkommensteuererklärung als Werbungskosten geltend. Sollten diese vom zuständigen Bearbeiter gestrichen werden, weisen Sie das Finanzamt auf die Antwort des Bundesfinanzministeriums hin. Einen rechtlichen Anspruch auf den Kostenansatz haben Sie bisher leider nicht.

2 Comments

eigener Kommentar
  1. 2
    Sandra Müller

    Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Der Tipp das Finanzamt auf die Antwort des Bundesfinanzministeriums hinzuweisen ist sehr gut. Schade nur dass es hier keine einheitliche Regelung gibt. Dass würde bestimmt auch den Steuerberater freuen.

+ Kommentar hinterlassen