Wenn Handwerker die Wohnfläche erweitern

Wenn Handwerker die Wohnfläche erweitern

Von der Steuer absetzbar


Kosten für Handwerkerleistungen in der selbst genutzten Wohnung sind mit 20 Prozent, höchstens 1.200 Euro im Jahr, direkt von der Steuerschuld abziehbar. Berücksichtigt werden dabei nicht nur regelmäßige Renovierungsarbeiten, sondern auch einmalige Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen – und dies nicht nur in der Wohnung, sondern auch auf dem Grundstück.

Neubaumaßnahmen nicht begünstigt

Nicht begünstigt sind handwerkliche Tätigkeiten im Rahmen einer Neubaumaßnahme. Bis 2014 galten als Neubaumaßnahmen „alle Maßnahmen, die im Zusammenhang mit einer Nutz- oder Wohnflächenschaffung bzw. -erweiterung anfallen“

Dies betraf auch Arbeiten für einen Neubau, Anbau, Ausbau oder eine Aufstockung, weil damit stets eine Erweiterung oder Schaffung von Nutz- oder Wohnfläche verbunden ist.

Der Begriff der „Neubaumaßnahme“ wurde zur Freude aller Bauherren zum 01.01.2014 neu definiert: Seitdem gehören zu einer Neubaumaßnahme „alle Arbeiten im Zusammenhang mit der Errichtung eines Haushalts bis zu dessen Fertigstellung“ (Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 10.01.2014, Teilziffer 21).

Was heißt „Fertigstellung“?

Fertig gestellt ist ein Gebäude, wenn die wesentlichen Bauarbeiten abgeschlossen sind und der Bau so weit errichtet ist, dass der Bezug der Wohnungen zumutbar ist.

Oder das Gebäude ist für den Betrieb in all seinen wesentlichen Bereichen nutzbar. Alle Arbeiten danach sind begünstigt.  Also profitieren davon auch Bauherren, die in ihren Neubau zuerst einziehen und danach noch Arbeiten ausführen lassen.

Kommt der Handwerker nach dem Einzug sparen Sie

Begünstigt sind nun alle Arbeiten in einem vorhandenen Haushalt, sprich: Spätestens nach dem Einzug. Wenn dadurch neue Wohn- oder Nutzflächen geschaffen werden, spielt dies keine Rolle mehr. Falls durch die Baumaßnahmen der Gebrauchs¬wert der Immobilie nachhaltig verbessert wird, so ist auch dies unschädlich für die Steuervergünstigung. Die neue Definition der „Neubaumaßnahme“ gilt in allen noch offenen Steuerfällen rückwirkend bis 2006 (Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 10.01.2014, Teilziffer 57).

Auch „Herstellungsaufwand“ begünstigt?

Bei der Beurteilung der begünstigten Arbeiten spielt es keine Rolle, ob es sich dabei steuerlich um Erhaltungsaufwand oder um Herstellungsaufwand handelt. Letzteres ist der Fall, wenn etwas Neues, bisher Nichtvorhandenes geschaffen wird.

Begünstigt ist daher beispielsweise auch der Arbeitslohn für den nachträglichen Einbau eines Kachelofens und Kamins, das Anbringen einer Sonnenmarkise, die erstmalige Anlage eines Gartens, das Pflanzen einer Hecke oder der Bau einer Grundstücksmauer.

Anders als bis 2013 sind seit 2014 auch Baumaßnahmen begünstigt, mit denen die Wohn- oder Nutzfläche erweitert wird – vorausgesetzt ein Haushalt ist vorhanden.

Welche Arbeiten sind steuerlich begünstigt?

  • Anbau eines Wintergartens: Vor 2014 abgelehnt, weil der Wintergarten unbeheitzt zu 50 Prozent und beheizt zu 100 Prozent in die Berechnung der Wohnfläche einbezogen wird (Urteil des Finanzgericht Rheinland-Pfalz, Aktenzeichen 4 K 1933/12).
  • Einbau einer Dachgaube:  Vor 2014 abgelehnt, weil sich dadurch die lichte Höhe auf über zwei Meter erhöht und somit die entsprechende Grundfläche um 50 Prozent vergrößert. Schädlich war eine Wohnflächenerweiterung von gerade mal 2,40 qm (Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg, Aktenzeichen 4 K 4361/08).
  • Sowie Ausbau des Dachgeschosses oder des Kellers, Anbringen einer Terrassenüberdachung, Aufstellen einer Fertiggarage.