Behandlungskosten beim Zahnarzt

Behandlungskosten beim Zahnarzt

Zahlen Sie doch einfach im Voraus!


Jeder zehnte Deutsche hat panische Angst vorm Zahnarzt. Auch vor den Kosten darf man durchaus Respekt haben. Mit etwas Planung hilft aber das Finanzamt.

Wie mindern die Kosten die Steuer?

Die Ausgaben für die Zahnbehandlung wirken sich steuerlich als außergewöhnliche Belastungen aus. Jedoch erst nach Abzug der zumutbaren Eigenbelastung. Dies ist Ihr Selbstbehalt, den Sie von den Ausgaben übernehmen müssen, bevor die Allgemeinheit der Steuerzahler Ihnen hilft. Durch diese Regelung fällt die effektive Steuerermäßigung oftmals nur sehr gering aus.

Von daher stellt sich folgende Frage: Ist es aus steuerlichen Gründen sinnvoll, die Kosten für eine Heilbehandlung, die sich über den Jahreswechsel hinzieht, vorauszuzahlen, um den Steuerabzug zu erhöhen?

Steuerlicher Abzug der Vorauszahlung möglich

Die Antwort hat das Finanzgericht München mit seinem Urteil (Aktenzeichen 7 K 3486/11) gegeben. Danach ist der Abzug einer Vorauszahlung möglich, wenn ein wirtschaftlicher vernünftiger Grund vorliegt.

In den Urteilsgründen heißt es: „Eine Festkostenvereinbarung könnte als wirtschaftlich vernünftiger Grund für eine Vorauszahlung der gesamten Behandlungskosten anzuerkennen sein, wenn sich das genaue Ausmaß der Behandlung noch nicht mit hinreichender Sicherheit absehen lässt und dem Steuerpflichtigen dadurch das Risiko genommen wird, dass die Behandlungskosten aufgrund unvorhersehbarer Maßnahmen höher werden als geplant.“

Der entschiedene Fall: 45.000 Euro Kosten im Voraus gezahlt

Im Urteilsfall selbst mangelte es allerdings an einem solchen Grund. In der Einkommensteuererklärung 2009 machte der Kläger insgesamt 45.000 Euro für eine Zahnarztrechnung geltend. Die in Rechnung gestellte Summe entfiel auf Abschlagszahlungen für chirurgische und Zahnersatzleistungen.

Als Grund für die Vorauszahlung der Zahnbehandlungskosten nannte der Kläger eine mit dem Zahnarzt abgeschlossene Festpreisvereinbarung in Höhe von 45.000 Euro, um Sicherheit darüber zu erhalten, in welcher Höhe sich die zu erbringenden Eigenleistungen belaufen würden. Tatsächlich stand der angebliche Festpreis aber unter dem Vorbehalt, dass sich der Befund, auf dessen Grundlage das Honorar berechnet wurde, nicht ändert.

Damit war er nichts anderes als ein „verkappter“ Kostenvoranschlag. Hinzu kam, dass der Steuerpflichtige im Jahre 2009 aufgrund des Erhalts einer hohen Abfindung ausnahmsweise der Spitzenprogression unterlag und so den Argwohn von Finanzamt und Finanzgericht hervorgerufen hatte.

Was Sie jetzt tun sollten

Ist abzusehen, dass sich eine Zahnbehandlung über einen längeren Zeitraum hinzieht? Dann ist es ratsam, die Kosten in einer Summe zu zahlen. So kann zumindest in einem Jahr die zumutbare Eigenbelastung überschritten werden – und Sie können die Kosten auch tatsächlich steuermindernd geltend machen. Bei der Zahlung über zwei Jahre bzw. über den Jahreswechsel hinweg wirken sich die Kosten dagegen oftmals nicht aus.

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