Zweisprachiger Kindergarten

Zweisprachiger Kindergarten

Ist absetzbar


Wer sein Kind in einem zweisprachig geführten Kindergarten betreuen lässt, kann diese Kosten in seiner Steuererklärung geltend machen. Dies hat der Bundesfinanzhof entschieden.

Kosten für die Kinderbetreuung können absetzbar sein

Berufstätige Eltern können die Kosten um ihr Kind betreuen zu lassen, steuerlich geltend machen. Doch um diesen Vorteil nutzen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Ihr Kind darf nicht älter als 14 Jahre sein oder ist aufgrund einer vor dem 25. Lebensjahr eingetretenen Behinderung außerstande, sich selbst zu unterhalten,
  • Sie sind alleinerziehend erwerbstätig oder Sie und der andere Elternteil sind beide berufstätig.

Der Kostenabzug ist zusätzlich zum Arbeitnehmer- Pauschbetrag zulässig.

Zweisprachiger Kindergarten

Diese Voraussetzungen hat ein Elternpaar erfüllt. Sie sind beide berufstätig und lassen in dieser Zeit ihr Kind betreuen. Allerdings in keinem gewöhnlichen Kindergarten.

In dem betreffenden Kindergarten wurden neben deutschen Erzieherinnen auch französische „Sprachassistentinnen“ eingesetzt. Die Erzieherinnen sprachen mit den Kindern ausschließlich Deutsch, die Sprachassistentinnen ausschließlich Französisch. Hierfür lag kein Lehrplan vor.

Betreuungskosten oder Unterrichtskosten?

Doch das Finanzamt wollte die Kosten für den zweisprachigen Kindergarten nicht anerkennen und ordnete sie nicht den abziehbaren Kinderbetreuungskosten zu, sondern den nicht abziehbaren Unterrichtskosten.

Sowohl das Finanzgericht, als auch die nächste Instanz, der Bundesfinanzhof, stimmten der Entscheidung des zuständigen Finanzamtes nicht zu. Die Richter wiesen darauf hin, dass der Begriff der Kinderbetreuung weit zu verstehen sei.

Er umfasse nicht nur die behütende und beaufsichtigende Betreuung von Kindern, sondern auch Elemente der Pflege und Erziehung, also die Sorge für das körperliche, seelische und geistige Wohl des Kindes. Gerade die Fürsorge um das geistige Wohl schließe auch die pädagogisch sinnvolle Gestaltung in Kindergärten verbrachte Zeit ein.

Nicht abziehbare Unterrichtskosten oder die Vermittlung von besonderen Fertigkeiten hätten nur dann vorgelegen, wenn die Dienstleistungen in einem regelmäßig organisatorisch, zeitlich und räumlich verselbstständigten Rahmen stattgefunden hätten und die von der Lehrperson während der Unterrichtszeit ausgeübte Aufsicht über das Kind nicht im Vordergrund stehen würde. So argumentierten die Richter.

Tipp:Frau Müller hat einen vierjährigen Sohn. Damit er es später mal leichter hat, soll er an einem zum freiwilligen Besuch im Kindergarten angebotenen Englischkurs teilnehmen. Die Kosten für diesen zusätzlichen Kurs kann Frau Müller nicht steuerlich geltend machen.

BFH, Pressemitteilung Nr. 70 vom 10. Oktober 2012 zum Urteil III R 29/11

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