16. Februar 2021

Die digitale Kaffeefahrt

Falsche Verkaufsversprechen beim Onlineshoppen

Schon in analogen Zeiten ein Renner und sie hat sich bis heute gehalten: die Kaffeefahrt. Besonders Senioren wurden angelockt, hatten sie doch Zeit und waren in der Regel arglos. Die Verkäufer mussten Auge in Auge die Vorzüge ihrer Produkte preisen und die Leute regelrecht über den Tisch ziehen. Das geht heute einfacher – ohne Busfahrt, ohne Versprechen auf ein unvergessliches Erlebnis.

Heute ist es unkompliziert – für beide Seiten. Das Internet ist das weltgrößte Kaufhaus, bietet alles, liefert schnell und man kann fast alles kostenlos zurückschicken. Ohne diese wundervolle und für nicht wenige unentbehrliche Möglichkeit wäre die Corona-Pandemie zu einem Fiasko in der Versorgung geworden. Man bleibt schön zu Hause und kann trotzdem shoppen. Wie der Bestsellerautor Carl Tillessen richtig erkannt hat, man schaut auf irgendeine Online-Plattform und die sagt uns schon, was wir kaufen sollten. Und damit der richtige Kick entsteht, wird uns das eine oder andere als DIE Supergelegenheit angepriesen. „Das ist neu! Nur heute! Superbillig! Was Sie unbedingt haben sollten! Da staunt Ihr Nachbar!“ Also alles Sprüche, die man schon aus der Radiowerbung kennt, nur ohne die schrillen und aufdringlichen Stimmen. Da wird schnell zugelangt, drei, vier Klicks reichen, Kaufbutton gedrückt und bezahlen.

Kurzes Zögern. Der Verkäufer bietet nur Vorkasse an, gibt sich aber seriös, hunderte positive Bewertungen schmücken sein Portal. Noch ein Klick – das Geld ist weg! Ja, tatsächlich haben sich in den Wochen des Lockdowns die sogenannten Fakeshops verstärkt breitgemacht. Professionell gestaltete Internetseiten, attraktive Angebote und wenig Infos über den Verkäufer selbst. Da fallen Zehntausende rein, bestellen, fiebern der Lieferung entgegen. Nach einigen Tagen erste Befürchtungen, keine Lieferbestätigung und keine Nachricht, wo sich das Bestellte gerade befindet – ein Service, den die Großen und Serösen der Branche bieten.

Was ist zu tun? Geld zurückbuchen? Geht nicht, war ja eine Überweisung. Die Kontonummer ist das Einzige, was man über den Verkäufer erfährt. Adressat des Geldes ist fast immer eine Bank im Ausland, Litauen, Rumänien aber auch Empfängerländer außerhalb Europas sind beliebt. Und wer sich dann intensiv mit der Plattform beschäftigt, findet nicht eine Spur, die zum Verkäufer führen könnte. Impressum – Fehlanzeige, Telefonnummer, Anschriften, Name der Firma – alles ist ausgeblendet. Und nicht selten ist die Plattform beim Nachschauen sogar schon verschwunden. Und genau daran erkennt man diese zwielichtigen Shops. Wer VOR dem Bestellen genau hinschaut, hat gute Chancen, solche Hinweise auf Fakeshops zu finden.

 

Jürgen Fischer

Dr. Jürgen Fischer

Seit August 2004 ist er geschäftsführender Vorstand der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Rostock. Schwerpunkte des Juristen sind Mietrecht und Energie, speziell das Thema Heizkosten.