3. April 2019

Fit durch Pillen und Pulver?

Athleten versuchen ihre Leistung mit speziellen Substanzen oder Diäten zu steigern. Längst haben Anbieter von Eiweißpulvern, Vitaminen oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln auch Freizeitsportler im Visier. Ihre Produkte sollen die Leistungsfähigkeit verbessern, Verletzungen vorbeugen oder die Regeneration beschleunigen. Braucht jemand, der regelmäßig trainiert, joggt oder radelt, tatsächlich Pillen oder Pulver? Weit gefehlt: Sportlich Aktive benötigen zwar mehr Nährstoffe als Couch-Potatoes. Dieser Mehrbedarf ist meist problemlos durch mehrere Portionen abwechslungsreicher Mahlzeiten zu decken.

Muskeln aus der Dose – dank Proteine?

Eiweiße beziehungsweise Proteine sind wichtige Bausteine für den Körper. Erwachsene sollten mit einer ausgewogenen Mischkost tägliche 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen. Das gilt auch für Freizeitsportler. Im Durchschnitt nehmen wir wesentlich mehr davon auf. Beispielsweise enthalten Rindfleisch, Geflügel, Eier, Fisch, Milchprodukte, Nüsse, Getreide, und Hülsenfrüchte die wichtigen Eiweißbausteine. Durch geschicktes Kombinieren von pflanzlichen und tierischen Produkten kann die Wertigkeit der einzelnen Eiweißquellen noch erhöht werden, zum Beispiel Kartoffeln mit Quark oder Erbseneintopf mit Brot.

Mehr Ausdauer durch „Wundermittel“?

Hersteller versprechen mit Wirkstoffen wie Kreatin oder Carnitin Vorteile für sportliche Leistungen. Gibt es wissenschaftliche Studien, die das belegen? Fehlanzeige. Außerdem bildet der Körper etliche dieser Inhaltsstoffe selbst oder sie sind in vielen Lebensmitteln enthalten.

Freie Radikale mit Extra-Vitaminen bekämpfen?

Vitaminpräparate für Sportler enthalten häufig die antioxidativen Vitamine C, A und E. Sie sollen freie Radikale abfangen, die im normalen Stoffwechsel – also auch beim Sport -entstehen. Zu viele dieser Vitamine können jedoch eher schaden als nützen. Das zeigen beispielsweise Ergebnisse einer Studie mit Ausdauersportlern. Die Einnahme von isolierten Vitaminen C und E machten Trainingseffekte zunichte. Gemüse und Obst liefern reichlich antioxidativ wirkende Vitamine.

Fit sein um jeden Preis?

Die meisten speziellen Sportler-Nahrungsergänzungen sind teuer und nutzlos, manche riskant. Sind Produkte hoch dosiert, kann es zu einer gesundheitlich bedenklichen Überversorgung kommen. Auch Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich. Finger weg von Produkten aus unsicheren Internet-Quellen. Die Überwachungsbehörden finden immer wieder Verunreinigungen mit gesundheitsschädigenden Substanzen oder Dopingmitteln.

Übrigens wirken Nahrungsergänzungsmittel nur dann leistungssteigernd, wenn ein echtes Versorgungsdefizit vorliegt. Ansonsten ist kein gesundheitlicher Mehrwert belegt. Ob ein Nährstoffmangel vorliegt, sollte ein Arzt feststellen.
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Susanne UmbachSusanne Umbach ist als Oecotrophologin/Ernährungswissenschaftlerin im Fachbereich Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz tätig. Sie ist zuständig für die Öffentlichkeitarbeit des Fachbereichs und arbeitet als Mitglied im Expertenteam des Portals „Klartext Nahrungsergänzung“ der Verbraucherzentralen.

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