9. Oktober 2016

Was bringen Gold, Immobilien oder Bundesanleihen?

© SFIO CRACHO/Shutterstock.com
Manchen Anlegern ist es wichtig, dass sie mit ihrem Investment kein großes Risiko eingehen. Sie suchen dann beispielsweise nach Anlageformen, bei denen sie keinen Totalverlust erleiden können und greifen zu Klassikern wie Gold, Bundesanleihen oder Immobilien. Doch mit welchen Nachteilen müssen Anleger dabei rechnen?  Drei klassische Geldanlagen unter der Lupe. 

Besser den Spatz in der Hand als dieTaube auf dem Dach: Das alte Sprichwort lässt sich wunderbar auf das Thema Geldanlagen übertragen. Denn wer kein Risiko eingehen will, darf bei seinem Investment auch keine überdurchschnittliche Rendite erwarten. So weit, so gut, doch derzeit sind die Zinsen für viele sichere Geldanlagen so niedrig, dass die Rendite besonders klein ausfällt. Ein Grund dafür ist die Geldpolitik der Europäische Zentralbank (EZB), die den Leitzins im Euroraum auf einem Rekordtief von null Prozent hält.

Wer in solchen Zeiten auf Altbewährtes – also eine konservative, abwartende Anlagestrategie – setzt, macht unter Umständen sogar Verlust. Nach Berechnungen im Allianz Global Wealth Report haben die deutschen Haushalte in den vergangenen vier Jahren rund 200 Milliarden Euro verschenkt. Denn die Deutschen haben nach Meinung der Experten auf das falsche Pferd gesetzt, indem sie 40 Prozent ihres Geldvermögens in Bankeinlagen investiert haben – durchschnittlich lag deren Rendite bei minus 0,4 Prozent. Mit einer anderen Strategie wäre die Vermögensrendite laut der Experten für denselben Zeitraum um einen Prozentpunkt höher ausgefallen. Dafür hätten die Deutschen jedoch 10 Prozent ihres Geldvermögens jeweils zur Hälfte in Aktien und Investmentfonds anlegen müssen.

Aber die Deutschen ticken anders: Aktien sind vielen suspekt. Dagegen sind Immobilien, Gold und Bundesanleihen bei Anlegern beliebte Investments. Sie gelten landläufig als sicherer Hafen. Alle drei Anlageformen bringen jedoch Risiken mit sich. Anleger sollten diese kennen, bevor sie sich für oder gegen diese Anlagemöglichkeiten entscheiden.


Worin Deutsche ihr Vermögen stecken

Das Vermögen der privaten Haushalte in Deutschland beträgt nach Angaben des Bankenverbandes rund 13 Billionen Euro. Etwa 7 Billionen Euro davon entfallen auf Immobilien und Grundstücke, mehr als 5 Billionen Euro stecken im Geldvermögen – also beispielsweise Bankeinlagen und Bargeld (knapp 40 Prozent) sowie in Ansprüchen an betrieblicher Altersvorsoge und Lebensversicherungen (fast 40 Prozent) oder in Aktien (etwa 6 Prozent). Ungefähr 1 Billion Euro haben die Deutschen in Gebrauchsvermögen investiert wie Autos, elektrische Geräte, Einrichtungsgegenstände oder Schmuck.


 Immobilien: Investment in Stein gemeißelt

Das aktuelle Zinsniveau wirkt sich auch auf den Immobilienmarkt aus. Die Zinsen für Hypothekendarlehen sind derzeit besonders niedrig. Im August sanken sie nach Angaben der Stiftung Warentest auf ein Rekordtief – bei einer zehnjährigen Zinsbindung lag der Effektivzins unter 1 Prozent. Vorausgesetzt, der Käufer kann mindestens 10 bis 20 Prozent des Objektpreises sowie die Nebenkosten aus eigenen Mitteln bezahlen.

So ist es nicht erstaunlich, dass viele darüber nachdenken, sich eine Immobilie zu kaufen. Allerdings lohnt sich dies nach Berechnungen der Warentester längst nicht überall. Denn die Kaufpreise sind mittlerweile in vielen Städten und Regionen um ein Vielfaches gestiegen. Die Experten warnen vor Minusgeschäften, wenn Käufer teure Objekte erwerben, die Preise jedoch dann nicht weiter steigen. Anleger sollten sich ausrechnen, ob der Erwerb einer Immobilie wirklich günstiger als mieten ist. Für die Finanzierung ist wichtig, dass Anleger genügend Eigenkapital mitbringen. Nach Angaben der Warentester wirkt sich dies enorm auf den Zinssatz aus: Brauchen Käufer etwa einen Kredit in Höhe von 90 Prozent des Kaufpreises, zahlen sie einen um gut 0,3 Prozentpunkte höheren Zinssatz als Kreditnehmer, die mit dem Darlehen nur 60 Prozent finanzieren müssen. Ein Käufer sollte also genügend Eigenkapital mitbringen, denn je größer die Kreditsumme ist, umso höher fallen die Darlehenszinsen aus.


verbrauchertipp: Wer aktuell einen Kredit aufnimmt, sollte sich des Risikos bewusst sein, dass die derzeit günstigen Hypothekenzinsen in den kommenden Jahren steigen können. Also rechnen Sie genügend Puffer und unerwartete finanzielle Engpässe ein. Sonst kann eine solche Entwicklung das Darlehen oder eine spätere Anschlussfinanzierung nach Ablauf der Kreditlaufzeit gefährden.


Außerdem sollte Anlegern klar sein: Wenn sie eine Immobilie erwerben, binden sie sich in der Regel an einen Ort. Das gilt sogar dann, wenn sie nicht selbst in dem Haus oder der Wohnung leben und eine Verwaltung beauftragen. Denn zwischendurch sollte der Inhaber gelegentlich nach dem Rechten sehen.


Sondertilgung

Neben realistischen Raten sollten Immobilienkäufer eine lange Laufzeit für das Darlehen und die Option auf Sondertilgungen pro Jahr vereinbaren. So können sie lange von den günstigen Zinsen profitieren und wenn es die finanzielle Situation erlaubt, die vereinbarten Raten schneller zurückzahlen.


Zusätzlich zum Eigenkapital brauchen Immobilienkäufer genügend Rücklagen, um künftig anstehende Instandhaltungen, Reparaturen oder Modernisierungen zu finanzieren. Das gilt insbesondere, wenn sie sich in eine Eigentümergemeinschaft einkaufen. Denn dann müssen Entscheidungen der Gemeinschaft mitgetragen und mitfinanzieren werden wie beispielsweise die Erneuerung des Daches, der Fenster oder den Einbau eines Fahrstuhls. Solche Baumaßnahmen können sich schnell zu einem hohen Betrag summieren. Kaufinteressenten sollten also darauf achten, dass die Instandsetzungsrücklage der Gemeinschaft hoch ist.

Fließt der Großteil des Geldes in die Immobilie, gehen Käufer ein sogenanntes Klumpenrisiko ein. Denn das ganze Geld ist in einem Objekt gebunden. Sollte sich die Immobilie als Reinfall herausstellen – etwa weil unerwartet Mängel am Gebäude auftreten oder sich die Fertigstellung des Baus verzögert – kann der Käufer unter Umständen einen Großteil seines Vermögens verlieren, weil er alles auf eine Karte gesetzt hat. Fliegt ihm dann die Finanzierung um die Ohren, fehlen alternative Geldanlagen, die die Verluste unter Umständen durch eine positive Wertentwicklung ausgleichen können. Käufer sollten nicht davon ausgehen, dass sie die Immobilie jederzeit gewinnbringend weiterverkaufen können. Zudem wird die darlehensgebende Bank eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung – eine Art Strafzins für entgangenen Zinsen – vom Käufer fordern.

Wenn es nicht um den Einzug ins Eigenheim gehen soll, können Anleger einen Teil ihres Geldes auch indirekt beispielsweise in Immobilienfonds investieren. So können Anleger vom Boom der Baubranche sowie der Entwicklung am Immobilienmarkt profitieren. Es bleibt ihnen jedoch ungebundenes Kapital, um weitere Investments zu betreiben und so Risiken zu streuen.


Die 3 goldenen Börsen-Regeln

Erstens: Hin und her macht Taschen leer. Bei jedem An- und Verkauf von Wertpapieren fallen Kosten an. Diese sollten Sie im Blick behalten und wenn möglich vermeiden. Also erst eine Strategie überlegen – die eigenen Sparziele ermitteln und planen, bis wann das Geld spätestens wieder verfügbar sein muss. Und erst dann investieren.

Zweitens: Nie alles auf eine Karte setzen. Verlustrisiken lassen sich am besten vermeiden, indem Sie in unterschiedliche Branchen, Märkte und Produkte investieren. Wenn Sie ihr Geld breit streuen, können Sie Wertschwankungen einzelner Titel leichter ausgleichen. Vorsicht vor Investments in gehypte Produkte, vor einseitigen Trends oder der ultimativen Anlageform.

Drittens: Verluste eingestehen und handeln. Die Psyche des Menschen ist raffiniert, denn sie lässt uns Gewinne feiern und Niederlagen verdrängen. Bei der Geldanlage sollten Sie besser rational vorgehen – also die Wertentwicklung sowie bei Unternehmen die Geschäftszahlen verfolgen und überprüfen, ob sich die Investition noch lohnt. Dafür können Sie sich fragen: Würde ich wieder investieren? Lautet die Antwort nein, fliegen die Produkte aus dem Depot raus.


Gold: ein sicherer Hafen?

Häufig führen unsichere Zeiten sowie schwankende Kurse an der Börse dazu, dass Anleger vermehrt in Gold investieren – sie steuern den scheinbar sicheren Hafen an. Doch der Kursverlauf der vergangenen zehn Jahre zeigt, dass Gold nicht immer Sicherheit bedeutet. Denn auch der Goldpreis unterliegt starken Schwankungen und kann plötzlich fallen – wenn etwa politische Krisen sich stabilisieren, die Anleger wieder wagemutiger werden und ihr Goldinvestment wieder aufgeben. Wie sich der Preis entwickelt, hängt von verschiedenen Komponenten ab: Neben Angebot und Nachfrage bestimmen ihn insbesondere der Dollarkurs und das Zinsniveau. Gold wird in der Regel in Dollar gehandelt. Es ist also sinnvoll, wenn sich Anleger gegen mögliche Wechselkursschwankungen absichern. Denn es handelt sich dabei durchaus um eine spekulative Geldanlage.

Während Anleger kurzfristig mit Verlusten rechnen müssen, ist Gold über Jahrzehnte betrachtet aufgrund seiner Kaufkraft jedoch relativ wertstabil. Anleger sollten genügend Geduld mitbringen, wenn sie in das Edelmetall investieren wollen. Als Beimischung im Depot lohnt sich Gold, aus Sicht von Verbraucherschützern. Dabei sollte man jedoch wissen: Anders als bei anderen Geldanlagen gibt es bei Gold keine laufenden Erträge wie beispielsweise Zinsen.

Beim Kauf müssen Anleger in der Regel mit Provisionen und Verwaltungskosten rechnen. Und wer Gold als Münzen oder Barren erwirbt, muss die Wertanlage sicher lagern. Wichtig dabei: Das Bankschließfach sollte über eine entsprechende Versicherung verfügen. Weniger Aufwand haben Anleger, wenn sie über börsengehandelte Wertpapiere in Gold investieren – beispielsweise in so genannten Exchange Trade Commodities (kurz ETC). Bei ETCs sind die Nebenkosten meist niedriger als beim Kauf von Münzen. Außerdem können Anleger dann unter Umständen steuerlich profitieren.


Steuern sparen beim Goldinvestment

Sie wollen keine Steuern für ihr Goldinvestment zahlen? Dann sollten Sie physisch hinterlegte Goldinvestments erwerben – etwa in ETC Xetra-Gold der Deutschen Börse investieren. Denn sie werden steuerlich seit dem vergangenen Jahr genauso behandelt wie physisches Gold. Vorausgesetzt, der Inhaber hat ein Recht auf die Auslieferung des verbrieften Goldes. Dann sind die Gewinne aus Verkäufen oder der Einlösung von Xetra-Gold Inhaberschuldverschreibungen nach einer Haltefrist von zwölf Monaten steuerfrei, entschied der Bundesfinanzhof in zwei Urteilen (AZ VIII R 4/15 und VIII R 35/14). Andernfalls gilt: Für veräußerte Gewinne von Wertpapieren müssen Sie in der Regel 25 Prozent Abgeltungssteuer an den Fiskus zahlen – plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Das gilt jedenfalls, wenn Sie ihren Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro pro Jahr voll ausgeschöpft haben. Ausnahme: Es handelt sich um eine Geldanlage, die Sie vor dem Jahr 2009 erworben haben. Dann sind Gewinne aus Verkäufen der Altbestände ebenfalls steuerfrei.


Bundesanleihen: der Preis für die Sicherheit?

Deutsche Bundesanleihen sind Schuldverschreibungen der Bundesrepublik Deutschland. Der Staat haftet mit seinen Vermögenswerten und Steuereinnahmen. Das Emittentenrisiko ist daher sehr gering – also die Gefahr, dass der Herausgeber der Papiere nicht mehr in der Lage ist, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Deutsche Staatsanleihen gelten als absolut sicher. Leider hat das seinen Preis. Für den Zeitraum von zehn Jahren von September 2006 bis September 2016 gab es für zehnjährige Bundesanleihen laut FMH-Finanzberatung durchschnittlich 2,26 Prozent Zinsen – Höchststand in diesem Zeitraum waren 4,64 Prozent Zinsen. Doch mittlerweile hat sich die sichere Anlage zu einem Verlustgeschäft für Neueinsteiger entwickelt.

Am 14. Juni 2016 fielt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe erstmals in ihrer Geschichte unter Null – auf minus 0,4 Prozent. Schuld an dem historischen Tief waren zum einen die EZB-Politik, die den Banken Strafzinsen aufbrummt, zum anderen die steigende Nachfrage nach deutschen Bundesanleihen wenige Tage vor der Brexit-Abstimmung in Großbritannien. Doch auch zuletzt im September 2016 lag die Rendite laut FMH-Finanzberatung bei minus 0,14 Prozent. Es sieht also derzeit nicht gut aus für sicherheitsorientierte Anleger. Verbraucherschützer raten aktuell von einem Neukauf ab. Sie empfehlen als Alternative ein Tagesgeldkonto oder ein Sparbuch, denn da bekämen Anleger wenigstens keine Minuszinsen.

Wer hingegen alte, gut verzinste Bundesanleihen besitzt, sollte diese bis zum Ende der Laufzeit behalten. Heißt die Lösung also: Stillhalten, Tee trinken und auf bessere Zeiten warten? Nicht ganz. Doch wer keinerlei Risiko eingehen will, sollte derzeit genau hinsehen, ob er sein Geld in sichere Geldanlagen steckt oder vielleicht doch ein höheres Risiko eingeht  – trotz der Gefahr eines Verlustgeschäftes.

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