16. Juni 2018

Fernwärme ist zu teuer

Fernwärme soll günstig, einfach und umweltschonend sein – so versprechen es die Versorgungsunternehmen. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Steigende Preise und Grundkosten, hohe Mindestabnahme sowie Anbieter-Monopole machen Fernwärme teuer für Verbraucher.

Die Fernwärmepreise in deutschen Netzen weichen stark voneinander ab. In einigen Regionen gibt es Unterschiede von mehr als 100 Prozent. Ein Nachteil für Fernwärme-Kunden ist der fehlende Wettbewerb: Jedes Fernwärmenetz ist ein Monopol, ein Wechsel zu anderen Versorger ist nicht möglich. Aber Fernwärmekunden haben die Möglichkeit, ihre Heizkosten mit Veränderungen bei ihrer Technik und ihren Gewohnheiten zu senken.

Neubau: Gesamtkosten vergleichen
Häufig bieten Energieversorger eine höhere Anschlussleistung für Fernwärme an, als für das neue Haus benötigt wird. Wer beispielsweise ein Energiesparhaus baut, zahlt dann für unnötige Leistungen. Für einen fairen Preisvergleich müssen die gesamten Kosten betrachtet werden. Für Fernwärme sind weder ein Schornstein noch ein Lagerraum nötig. Dies verringert die Baukosten. Auch die Installations- und Wartungskosten sind bei Fernwärme niedriger. Die Energie kostet jedoch in der Regel deutlich mehr. Wer sich einmal für Fernwärme entschieden hat, kann dies später kaum rückgängig machen.

Altbau: Vor dem Anschluss den Energieverbrauch senken
Auch Besitzer eines Altbaus sollten einen Wechsel zu Fernwärme sorgfältig abwägen. Nach dem Auszug der Kinder oder nach Modernisierungsmaßnahmen sinkt der Energieverbrauch. Doch mit dem Abschluss eines Fernwärmevertrags hat der Kunde kein Recht auf eine Senkung der Anschlussleistung. Er ist vom Willen des Anbieters abhängig. Wer auf Fernwärme umsteigen will, sollte seinen Energieverbrauch vor Vertragsabschluss verringern.

Fernwärmekunden: Mit Heiz-Check Kosten senken
Hausbesitzer profitieren, wenn sie vor dem Umstieg auf Fernwärme einen hydraulischen Abgleich der Heizung machen lassen. Dabei stellt der Fachmann das Heizsystem so ein, dass alle Räume gleichmäßig erwärmt werden und Verbrauch und Kosten sinken.

Die Verbraucherzentrale bietet Heiz-Checks. Ein unabhängiger Energieberater prüft das System vor Ort: Sind die Komponenten sinnvoll dimensioniert? Arbeiten sie reibungslos zusammen? Der Kunde erhält Empfehlungen, wie die Effizienz des Heizsystems verbessert werden kann. Der Heiz-Check kostet 40 Euro, für einkommensschwache Haushalte mit Nachweis ist er kostenlos. Das Angebot richtet sich an alle privaten Verbraucher mit Gas- oder Ölheizkessel, Fernwärmestation und Wärmepumpe. Weitere Informationen finden Sie bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Margrit Hintz ist stellvertretende Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit dem Thema Energieversorgung für Verbraucher. Mit Interessenvertretung, Information und Beratung unterstützt die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein das Klimaschutzziel einer sicheren, ökologischen und nachhaltigen Versorgung mit Energie, die für private Haushalte bezahlbar bleibt.

 

 

 

 

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