8. April 2020

Kostbares Trinkwasser

Am liebsten Wasser aus dem Hahn

Bei jedem Einkauf sehe ich sie. Menschen, die schwere Wasserkästen ins Auto hieven oder Wasser-Six-Packs auf das Kassenband wuchten. Dabei ließen sich das Geld und die Energie gut sparen. Trinkwasser aus der Leitung eignet sich nicht nur für die Zubereitung von Kaffee und Tee, sondern auch als idealer, kalorienfreier Durstlöscher. Hartes Wasser ist im Haushalt zwar nicht immer schön, für den Körper aber sogar gesünder als weiches, da es mehr Kalzium und Magnesium liefert. Mancherorts trägt es damit besser zur Versorgung bei als das ein oder andere Mineralwasser.

In den allermeisten Haushalten kommt ein qualitativ hochwertiges Getränk aus dem Hahn. Nur kurz warten, bis es kalt und frisch aus der Leitung fließt, und schon kann es abgefüllt werden. Lediglich in Häusern, die vor 1973 gebaut wurden, können vereinzelt noch Bleileitungen verlegt sein. Dieses Wasser ist vor allem für Schwangere oder Säuglinge nicht geeignet. Die Vorteile von Leitungswasser liegen für mich klar auf der Hand. Wasser aus dem Hahn ist immer verfügbar. Ich muss meine Vorräte nicht im Blick behalten und keine Kästen schleppen. Leitungswasser kostet mich etwa hundertmal weniger als Mineralwasser in Flaschen. Ich spare die Herstellung und den Transport der Flaschen und entlaste so Umwelt und Klima. Denn die Klimabelastung durch Mineralwasser ist in Deutschland durchschnittlich 600-mal höher als durch Leitungswasser.

Klar, mein Wasser sprudelt nicht. Es ist still. Mich stört das nicht. Für Sprudelfans gibt es Wassersprudler. Und wer pures Wasser nicht mag, kann mit Kräutern, Ingwer, Zitrusfrüchten oder Gurkenscheiben nachhelfen. Oder Tee kochen und abgekühlt abfüllen. Es gibt auch fertige Sirupe. Diese bestehen häufig jedoch vor allem aus Zucker oder Süßungsmitteln, Aromen, Farb- und Konservierungsstoffen und machen aus einem guten Durstlöscher eine süße Limonade.

Wasser ist Leben und ich bin dankbar, mit meinem Wasserhahn eine Quelle direkt in der Wohnung zu haben. Umso wichtiger ist der Schutz unserer Wasserreservoire. Denn unser Grundwasser ist bedroht. Zu viel Gülle aus der Tierhaltung landet auf den Feldern und belastet das Grundwasser mit Nitrat. Auch Pflanzenschutzmittel oder Arzneimittelrückstände gelangen zu oft ins Grundwasser. Hier sind Politik, Landwirtschaft und wir als Verbraucher gefragt. Wir alle können die ökologische Landwirtschaft unterstützen, indem wir häufiger zu Bio-Produkten greifen. Wir können Wurst und Fleisch bewusster genießen, um die intensive Tierhaltung einzudämmen. Die Toilette ist kein Müllschlucker – weder Chemikalien noch Medikamente gehören hinein. Sonst wird die Aufbereitung unseres Wassers immer aufwendiger und teurer – und unser Grundwasser-Schatz droht zu versiegen.

Luise Hoffmann - verbraucherblickLuise Hoffmann

ist stellvertretende Referats- und Projektleiterin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Thüringen. In dieser Funktion liegen ihr besonders die Verbraucheraufklärung und -information in den Bereichen Lebensmittelkennzeichnung, nachhaltige Ernährung und Tierwohl am Herzen.

Mehr lesen Sie in verbraucherblick 04/2020.

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