Lexikon

Bad Bank

Eine Bad Bank, wörtlich übersetzt eine „schlechte Bank“, ist eine Gesellschaft, in die Banken faule Wertpapiere, sehr risikoreiche Kredite und ganze Geschäftszweige auslagern können. Rechtlich gesehen ist sie keine Bank, sondern eine Zweckgesellschaft, die das Ziel verfolgt, die eingebrachten Positionen abzuwickeln.

Grundsätzlich kann jede Bank eine Bad Bank gründen, um einen Teil des Geschäfts auszulagern. Die Bad Bank bleibt aber im Unternehmen und taucht auch weiter in den Büchern und Bilanzen der Bank auf. Die Bank muss also den schwankenden Wert und die Bewertung der eingebrachten Papiere berücksichtigen und dementsprechend Eigenkapital vorhalten.

Aktuell hat die Commerzbank in London eine solche Bad Bank, in die sie eigene risikoreiche Papiere ausgelagert hat. Auch ein Teil der Genossenschaftsbanken lässt problematische Kredite über die Bankaktiengesellschaft regulieren – ein eigenes Institut, dass auf Problemfälle spezialisiert ist und die Banken beraten oder die Geschäfte abwickeln kann. Auch bei der Bankaktiengesellschaft in Hamm wird oft von einer Bad Bank gesprochen.

Im Zuge der Finanzkrise belasteten komplizierte strukturierte Papiere die Bilanzen der Banken so sehr, dass sie ihrerseits entweder vor dem Kollaps standen oder aber zumindest das Kreditgeschäft stark zurückfahren mussten. Um das Überleben der Banken zu sichern, hat der Bund für Banken die Möglichkeit geschaffen, toxische Papiere, Kredite und ganze Geschäftsbereiche in Bad Banks auszulagern.

Abwicklungsanstalten

Banken können seit dem unter dem Dach der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) Abwicklungsanstalten errichten und in diese verschiedene Risiken auslagern. Die FMSA in Frankfurt ist eine bundesunmittelbare, rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts und gehört zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Finanzen. Sie verwaltet unter anderem den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin).

Bei einer Auslagerung soll die Bank grundsätzlich für Verluste aus der Abwicklungsanstalt haften. Der Vorteil dabei: Die Bank muss normalerweise für die problematischen Wertpapiere und Kredite Risikorückstellungen vornehmen und Eigenkapital vorhalten. Wie viel Geld dafür benötigt wird, hängt von der Bewertung der entsprechenden Kredite bzw. Papiere ab. Je schlechter die Bewertung, desto mehr Eigenkapital muss die Bank dafür bereithalten. Sobald die toxischen Papiere und die maroden Geschäftsteile auf die Bad Bank übertragen sind, müssen sie nicht mehr bei der Bank bilanziert werden, sodass die Bank dafür kein Eigenkapital mehr vorhalten muss. Das soll der Bank die Gelegenheit geben, das Geschäft zu konsolidieren und wieder erfolgreich zu wirtschaften. Die wirtschaftlichen Verluste aus der Abwicklungsanstalt soll die Bank dennoch tragen. Ihr wird lediglich Zeit gegeben, diese Verpflichtungen zu erfüllen.

Absicherung durch Eigenkapital
Die Banken müssen ihre Investments mit einem Teil ihres Eigenkapitals unterlegen. Je nachdem, wie risikoreich das Investment ist, muss mehr oder weniger Eigenkapital vorgehalten werden (Basel II). Rating-Agenturen bewerten die Finanzprodukte und Papiere. Bei einem AAA-Rating (sehr sicher) muss das Investment mit deutlich weniger Eigenkapital abgesichert werden als bei einem BB-Rating (unsicheres Investment). Da die toxischen Papiere in ihrer Sicherheit immer wieder herabgestuft werden, müssen die Banken für diese Papiere ständig mehr Eigenkapital bereitstellen.

Die Finanzholdinggesellschaft Hypo Real Estate (HRE) hat im Juli 2010 die Abwicklungsanstalt „FMS – Wertemanagement“ gegründet. In die Gesellschaft werden nichtstrategienotwendige Vermögenswerte und Risikopositionen von bis zu insgesamt 210 Milliarden Euro übertragen.

Das Stammkapital für die Abwicklungsanstalt kommt vom SoFFin. Er stellt laut Statut der Abwicklungsanstalt auch sicher, dass diese ihre Verpflichtungen jederzeit erfüllen kann. Er haftet also für die Verpflichtungen der Abwicklungsanstalt. Geplant ist es, die entstehenden Kosten der Anstalt aus Ihren Einnahmen zu decken. Sollte dies nicht möglich sein, haftet die HRE für die Verluste.

Auch die West LB hat im Dezember 2009 eine Bad Bank unter dem Dach der FMSA gegründet. Die Erste Abwicklungsanstalt soll ein Portfolio an miesen Krediten, strukturierten Wertpapieren und überflüssigen Geschäftsbereichen von insgesamt bis zu 85 Milliarden Euro abwickeln. Das Stammkapital kommt allerdings nicht vom SoFFin, sondern zu je 25 Prozent vom Sparkassenverband Westfalen-Lippe und vom Rheinischen Sparkassen- und Giroverband. Das Land Nordrhein-Westfalen ist mit 48,2 Prozent beteiligt, weitere 1,8 Prozent teilen sich der Landschaftsverband Westfalen Lippe und der Landschaftsverband Rheinland.