Lexikon

Beitragsbemessungsgrenzen

Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), zur Rentenversicherung, zur Pflegeversicherung und zur Arbeitslosenversicherung werden nur bis zu einer bestimmten Einkommensobergrenze erhoben. Diese unterscheidet sich aber nach Versicherungsart im jeweiligen Sozialversicherungszweig. Diese Einkommensobergrenze nennt man Beitragsbemessungsgrenze. Sie wird jährlich an die allgemeine Lohn- und Gehaltsentwicklung aller Versicherten angepasst. Das darüber liegende Einkommen wird nicht in die Beitragsberechnung einbezogen.

Für alle Versicherungszweige innerhalb der Sozialversicherung gilt als Bemessungsgrundlage der Bruttolohn des Arbeitnehmers. Der Arbeitgeber beteiligt sich dann in gleicher Höhe. Ist der Bruttolohn höher als die Beitragsbemessungsgrenze in der Sozialversicherung, wird zur Beitragsberechnung nur die Lohnsumme bis zu eben dieser Grenze herangezogen. Der Teil des Bruttolohns, der die Beitragsbemessungsgrenze übersteigt, wird nicht berücksichtigt. Die Beitragsbemessungsgrenzen werden jährlich von der Bundesregierung festgelegt. Die Anpassung erfolgt in dem Verhältnis, in dem die Bruttolohn- und Gehaltssumme für den durchschnittlich beschäftigten Arbeitnehmer im Verhältnis zum vergangenen Kalenderjahr gestiegen ist.

In der Geschichte hat das deutsche Sozialversicherungssystem mit seinen Beitragsbemessungsgrenzen eine deutliche Veränderung erfahren. Während nach Gründung der Bundesrepublik ein eindeutiges Verhältnis zwischen eingezahlten Beträgen und ausgezahlten Leistungen bestand, so hat sich das mittlerweile verschoben. Heute erhalten alle die gleichen Leistungen, auch wenn sie von dem Teil ihres Gehaltes, der über der Beitragsbemessungsgrenze liegt, als Besserverdienende nichts einzahlen, also von ihrem Gesamtgehalt prozentual weniger Beiträge zahlen. Während man früher davon ausging, dass diese Besserverdienenden sich zusätzlich absichern, so wird heute kritisiert, dass diese Bevorzugung ungerecht sei. Allerdings waren die Beiträge zu den deutschen Sozialversicherungen nie als eine finanzielle Umverteilung von reich zu arm gedacht.

Beitragsbemessungsgrenze in der Gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung

In der gesetzlichen Krankenversicherung GKV war die Höhe der Beitragsbemessungsgrenze lange Jahre identisch mit der Versicherungspflichtgrenze, auch Jahresarbeitsentgeltgrenze genannt. An die GKV ist auch die gesetzliche Pflegeversicherung gekoppelt. Mit der Jahresentgeltgrenze ist das maximale Arbeitsentgelt festgelegt, bis zu dem ein Arbeitnehmer verpflichtet ist, sich gesetzlich zu versichern. Wer darüber hinaus verdient, durfte sich in der privaten Krankenversicherung (PKV) versichern. Von der Einführung der Sozialversicherungssysteme an bis ins Jahr 2003 hinein gab es immer nur eine Beitragsbemessungsgrenze in der GKV. Sie regelte immer zweierlei: den Höchstsatz des Gehaltes, bis zu dem prozentuale Beiträge für diesen Sozialversicherungszweig gezahlt werden müssen, und zweitens die Gehaltsgrenze, oberhalb der ein Bürger die Möglichkeit hat, sich privat krankenzuversichern. Die Finanzierungsprobleme der GKV machten allerdings ein politisches Umdenken erforderlich: Es war plötzlich von fast allen Parteien erwünscht, dass es für Besserverdienende schwerer werden sollte, der GKV den Rücken zu kehren. Dahinter standen zwei statistische Tatsachen. Zum einen trägt ein Gutverdiener prozentual mehr in das solidarische System ein, zum anderen aber ist auch nachzuweisen, dass gerade dieser besserverdienende Personenkreis durchschnittlich weniger Krankenkosten verursacht. Wenn man also durch eine Heraufsetzung der Grenze, ab der er die GKV verlassen darf, erreicht, dass mehr gesunde Besserverdienende in der GKV bleiben, so schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. So wurde eine Versicherungspflichtgrenze eingeführt, die deutlich höher liegt als die weitergeführte Beitragsbemessungsgrenze.

Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung

Auch für die gesetzliche Rentenversicherung gibt es eine Beitragsbemessungsgrenze. Der Teil des Bruttolohns, der die Beitragsbemessungsgrenze übersteigt, wird für die Zahlungen in die Rentenkasse nicht berücksichtigt. Das führt dazu, dass Arbeitnehmer, die deutlich über der Beitragsbemessungsgrenze liegen und nicht zusätzlich für das Alter finanziell vorsorgen, eine deutlich höhere Rentenlücke haben als Niedrigverdiener im Verhältnis zu ihrem Gehalt.

Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung

Die Beitragsbemessungsgrenze in diesem Zweig der Sozialversicherung entspricht in ihrer Ausgestaltung und Höhe der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung.

  • Überblick über die verschiedenen Beitragsbemessungsgrenzen.