Lexikon

Bonitätsrisiko

Das wesentliche Risiko beim Kauf einer Anleihe liegt darin, ob der Emittent seinen Zins- und Tilgungsverpflichtungen nachkommt: Das Bonitätsrisiko einer Anleihe. Die Einschätzung der Zahlungsfähigkeit des Schuldners ist für den Anleihegläubiger oft kaum möglich. Er muss sich daher auf Bewertungen einer Bank oder einer Ratingagentur verlassen.

Grundsätzlich gilt, dass der Zinssatz, den der Emittent einer Anleihe zahlen muss, mit zunehmendem Bonitätsrisiko steigt. Das zusätzliche Risiko des Anlegers wird also mit höheren Erträgen bezahlt.

Bei der Auswahl einer geeigneten Anleihe muss der Anleger verschiedene Aspekte bei seiner Entscheidung berücksichtigen. Hierzu zählt neben dem Vergleich der Renditen, der Auswahl einer geeigneten Laufzeit und der Bewertung des Wiederanlagerisikos vor allem die Einschätzung der Bonität des Emittenten. Hierunter versteht man die Fähigkeit des Anleiheschuldners, den Kapitaldienst – die vereinbarten Zins- und Tilgungszahlungen – auch tatsächlich zu leisten. Das Bonitätsrisiko beschreibt also die Gefahr, dass der Anleger das von ihm investierte Kapital nicht oder nur unvollständig zurückerhält bzw. die ihm zustehenden Zinsen nicht gezahlt werden.

Die Einschätzung des Bonitätsrisikos ist von Anleihe zu Anleihe unterschiedlich anspruchsvoll. So gelten Staatsanleihen im Allgemeinen als sehr sicher, während Industrieanleihen mit einem vergleichsweise höheren Risiko bewertet werden. Diese Aussage gilt aber schon dann nicht mehr uneingeschränkt, wenn man neben Bundesanleihen, Bundesschatzbriefen und Bundesobligationen auch Anleihen anderer Länder betrachtet. Während die Anleihen der meisten Staaten der Europäischen Union oder der USA kaum ein Bonitätsrisiko beinhalten, ist ein Investment in Anleihen bestimmter osteuropäischer, südamerikanischer oder afrikanischer Staate oft mit einem vergleichsweise hohen Risiko verbunden. Auf der anderen Seite werden die meisten Anleger Anleihen, die von Unternehmen emittiert wurden, deren Aktien man als Blue Chips bezeichnet, als wesentlich weniger riskant ansehen als die Anlage in festverzinsliche Wertpapiere, die von einem Land der dritten Welt aufgelegt wurden.

Bei vielen Anleihen ist es für den Kleinanleger kaum möglich selbst eine verlässliche Aussage hinsichtlich der Bonität des Emittenten zu treffen. Er muss sich auf die Einschätzung seiner Bank oder aber das Rating einer professionellen Ratingagentur wie beispielsweise Moody’s oder Standard & Poors verlassen.

Als besonders verlässlich gelten die Einschätzungen der beiden oben genannten Ratingagenturen, die auf Wunsch und auf Kosten des Emittenten das Bonitätsrisiko der jeweiligen Anleihe einschätzen. Ergebnis dieses relativ komplizierten Prüfungsverfahrens ist das so genannte Rating. Es wird mit Hilfe einer Kennzahl bzw. Buchstabenkombination ausgedrückt, die Aufschluss über das Bonitätsrisiko der Anleihe gibt. In die Prüfung der jeweiligen Anleihe fließen verschiedene Aspekte ein. Dazu gehören beispielsweise:

  • die politische und wirtschaftliche Situation des Staates in der der Emittent seinen Sitz hat,
  • die Konkurrenzsituation und die Zukunftsperspektive der Branche in der der Emittent tätig ist,
  • unternehmensspezifische Faktoren wie beispielsweise die Gewinnsituation, der Grad der Verschuldung, die Struktur der Verschuldung, die Qualität des Managements, etwaige kostspielige laufende rechtliche Auseinandersetzungen sowie der zukünftige Kapitalbedarf.

Von dem Rating der jeweiligen Agentur ist auch die Höhe der Rendite abhängig. So muss ein Unternehmen, das ein sehr gutes Rating erreicht, einen geringeren Zins zahlen als ein Unternehmen, dessen Rating auf ein höheres Bonitätsrisiko schließen lässt. Die Differenz wird als Risikozuschlag bezeichnet. Im Allgemeinen kann der Anleger das Risiko verschiedener Anleihen schon dadurch näherungsweise vergleichen, dass er die jeweils im Börsenteil einer Tageszeitung angegebenen Renditen der einzelnen Papiere vergleicht. So ist eine Anleihe, die bei annähernd gleicher Laufzeit eine Rendite von neun Prozent aufweist sicherlich mit einem deutlich höheren Bonitätsrisiko behaftet als eine Anleihe, die eine Rendite von vier Prozent erwirtschaftet. Auch bei Anleihen gilt: Je höher der versprochene Ertrag ist, umso höher ist auch das Risiko, einen wesentlichen Teil des eingesetzten Kapitals zu verlieren.