Lexikon

Bookbuilding-Verfahren

Das Bookbuilding-Verfahren ist eine Methode zur Bestimmung des Emissionspreises von Aktien. Beim Bookbuilding-Verfahren wird von den Banken, die die Börseneinführung der Aktie organisieren, eine Preisspanne vorgegeben, innerhalb derer die interessierten Anleger ihre Kaufangebote abgeben können.

Der endgültige Preis der betreffenden Aktie wird dann auf der Basis der abgegebenen Angebote ermittelt. Dabei wird versucht, den maximalen Umsatz zu erzielen. Diese Vorgehensweise soll einen möglichst marktgerechten Emissionspreis gewährleisten.

Die Bookbuilding-Methode ist ein bei der Emission von Aktien verwendetes Verfahren zur erstmaligen Preisfeststellung. Normalerweise wird der Preis einer Aktie täglich an der Börse aufgrund von Angebot und Nachfrage ermittelt. Da aber vor der Emission von Aktien noch kein Handel mit diesem Papier an der Börse stattgefunden hat, muss der erste Kurs außerhalb der Börse festgelegt werden. Diesen Kurs bezeichnet man als den Emissionskurs einer Aktie.

Zur Feststellung des Emissionskurses gibt es unterschiedliche Verfahren und Möglichkeiten. In der Vergangenheit wurde bei der Auflegung zur öffentlichen Zeichnung der Emissionskurs der Aktien von vornherein fest von dem Emissionskonsortium vorgegeben. Die interessierten Anleger konnten dann nur noch angeben, wie viele Aktien sie zeichnen wollten. Der Nachteil dieses Verfahrens liegt in der Gefahr, dass es bei Festlegung des Emissionskurses zu einer Fehleinschätzung des Marktes durch die Banken kommt und dadurch ein zu hoher oder zu niedriger Kurs gewählt wird. Liegt der Kurs nach Meinung der Anleger zu hoch, so werden diese von einer Zeichnung absehen. Dadurch kann es sein, dass die Banken und damit das Unternehmen, das an die Börse gehen möchte, Schwierigkeiten hat, die Aktien am Markt unterzubringen. Liegt der Emissionspreis dagegen zu niedrig, so werden zwar alle Aktien problemlos bei den Anlegern untergebracht, das Unternehmen, dass seine Aktien an die Börse bringt, erhält aber weniger Eigenkapital durch die Emission als es eigentlich bekommen könnte.

Beim Bookbuilding-Verfahren dagegen gibt das Emissionskonsortium keinen festen Preis sondern lediglich eine Preisspanne für die betreffenden Aktien an. Die Anleger können dann innerhalb einer bestimmten Frist, beispielsweise einer Woche, ihre Gebote abgeben. Die Gebote müssen sich innerhalb der vorgegebenen Spanne bewegen, um bei der Preisfindung und Zuteilung berücksichtigt zu werden. Die Anleger können innerhalb dieser Spanne selbst bestimmen, wie viele Aktien sie zeichnen wollen und welchen Preis sie dafür zu zahlen bereit sind. Das Bankenkonsortium ermittelt dann den endgültigen Preis für die Aktien am Ende der Frist aufgrund der abgegebenen Gebote. Der Preis wird in der Regel so gewählt, dass der maximale Umsatz zustande kommt. Die Gefahr, den Markt falsch einzuschätzen reduziert sich bei diesem Verfahren darauf, dass die Preisspanne falsch gewählt wird. Sie ist damit deutlich geringer, als bei Festlegung eines bestimmten Preises, der keinen Spielraum nach oben oder unten hat. Innerhalb der vorgegebenen Kursspanne entscheiden dann Angebot und Nachfrage über den tatsächlichen Verkaufspreis der Aktie.

Die Zuteilung der Aktien auf die interessierten Anleger erfolgt im Anschluss an die Kursfeststellung so, dass die Banken alle Anleger bedienen, deren Gebote mindestens dem Preis entspricht, der endgültig festgelegt worden ist. Alle Anleger, die einen Preis geboten haben, der unterhalb des Emissionskurses lag, werden nicht berücksichtigt. Wer darüber lag, erhält die Wertpapiere zu einem geringeren Preis, als von ihm angeboten. Liegt zu dem bestimmten Kurs die Nachfrage nach den Aktien über dem Angebot, so müssen die Banken die Zuteilung repartieren.

Das Bookbuilding-Verfahren wird in den USA schon seit vielen Jahren angewandt, um einen möglichst marktgerechten Emissionskurs festzulegen. In Deutschland wird dieses Verfahren erst seit relativ kurzer Zeit verwendet, erfreut sich aber seither zunehmender Beliebtheit.