Lexikon

Common Interface (CI)/Common Interface Plus (CI+)

Common Interface (engl. allgemeine Schnittstelle) ist die Bezeichnung für einen von der Initiative Digital Video Broadcasting (DVB) vorgegebenen Standard, mit dem Empfangsgeräte mit einem Zusatzmodul für verschiedene Aufgaben nachgerüstet werden können.

Empfang von digitalem Fernsehen

Um digitales Fernsehen empfangen zu können, muss häufig der Datenstrom entschlüsselt werden, entweder bei Bezahlfernsehen oder auch in der Grundverschlüsselung der digital per Kabel ausgestrahlten Programme der kommerziellen Anbieter. Die CI-Schnittstelle ermöglicht es vielen Empfangsgeräten (Receivern und Fernsehern), die dafür notwendigen Module und Smartcards aufzunehmen. Am Empfangsgerät besteht die Hardware aus einem Einschub (Slot), in den ein Modul eingeschoben wird. Die Form entspricht einem PCMCIA-Steckplatz, wie er häufig bei Notebooks zu finden ist.

Bezahlfernsehen

Die am weitesten verbreitete Modulgruppe sind die Conditional Access Modules (CAM), die verschlüsselt gesendete Signale dekodieren. Den Schlüssel zum Freischalten der verschlüsselten Programme enthält entweder das CAM oder er wird per zusätzlicher Smartcard, einer schmalen Plastikkarte mit aufgebrachtem Chip, vom Anbieter der Programme geliefert. Erst durch das CI und die entsprechenden Module zum Entschlüsseln von Fernsehsignalen wird Bezahlfernsehen möglich. Anbieter von Kabelfernsehen können darüberhinaus ihren Kundenstamm kontrollieren und Nichtzahlern den Zugriff verwehren, da nur sie die Smartcards mit dem Decodierschlüssel vertreiben.

Das CI-Modul entschlüsselt auch den elektronischen Programmführer und weitergehende, vom Satelliten- oder Kabelbetreiber gelieferte Informationen. Eine andere Anwendung von CI-Modulen ist das Nachrüsten von Receivern für den Empfang von Programmen, die in einem moderneren Verfahren als dem zum Zeitpunkt der Festlegung üblichen MPEG-2 übertragen werden.

Nachfolge nicht in Sicht

Das DVB-Konsortium, in dem rund 270 Gerätehersteller, aber auch Sender, Kabelnetz- und Satellitenbetreiber sowie Regierungsorganisationen sitzen, arbeitet daran, die in die Jahre gekommene Schnittstelle zu modernisieren. Ziel ist es vor allem, den Bedürfnissen der Sender und TV-Lizenzbesitzer entgegenzukommen, allerdings ist ein Nachfolger nicht in Sicht.

CI+: Einschränkungen in der Nutzung

Ohne Segen der DVB haben einzelne Anbieter wie Panasonic, Sony, Philips und Samsung zusammen mit CAM-Produzenten den Quasi-Standard CI+ (Common Interface Plus) eingeführt. Das besondere an diesem Standard ist die Möglichkeit für die TV-Sender, über programmbegleitende Signale die Nutzung durch den Receiver und weitere Endgeräte einzuschränken. Diese Usage Rules Information (URI) legen etwa fest, ob Endgeräte das Fernsehprogramm aufzeichnen dürfen oder ob deren Speicherung nur für einen beschränkten Zeitraum möglich ist. Unterbunden oder eingeschränkt werden kann zeitversetztes Fernsehen oder die Möglichkeit, das Programm „vorzuspulen“, etwa um Werbeblöcke zu überspringen.

Ebenfalls per CI+ kann gesteuert werden, ob das TV-Signal auch an analogen Ausgängen, wie dem SCART-Ausgang verfügbar, ist. Möglich ist auch, die Qualität des Signals zu verschlechtern, sodass HD-Filme etwa nur in geringerer Auflösung wiedergegeben werden können.

Für den Kunden bringt CI+ vor allem Einschränkungen in der Nutzung der Inhalte. Zu den Nachteilen gehört auch, dass bei CI+ nur ein Sender decodiert werden kann. Gleichzeitig einen Sender zu sehen und einen zweiten Aufzuzeichnen, ist nach diesem Standard nicht möglich. Und während es beim normalen CI auch CA-Module gibt, die gleichzeitig zwei Smartcards – etwa von zwei Pay-TV-Anbietern – verarbeiten können, ist bei CI+ die CAM auf eine Smartcard begrenzt.