Lexikon

Corporate Governance

Mit dem Begriff Corporate Governance (CG) wird ein Bündel von Kriterien umschrieben, mit deren Hilfe sich kontrollieren lässt, ob das Management eines Unternehmens wertorientiert und damit im Sinne der Aktionäre arbeitet. Die Prüfung ist umfassender als beim Shareholder-Value-Konzept. In den USA investieren die großen Pensionsfonds nur in Unternehmen, die sich am CG orientieren. Gleichbehandlung aller Aktionäre, umfassende Transparenz und wirksame Kontrollmechanismen sind die wesentlichsten Punkte bei CG.

Während unter Shareholder Value oft nur eine kurzfristige Steigerung des Unternehmenswertes verstanden wird, orientiert sich Corporate Governance an einem langfristig angelegten, wertorientierten Management. Es geht um die Forderungen, die an die Leistung von Vorstand und Aufsichtsgremien gestellt werden und einen langfristigen Augleich zwischen den Interessen von Management und Anteilseignern. Weder riskante Investitionsentscheidungen, die einer kurzfristigen Gewinnmaximierung dienen, aber keinen dauerhaften Erfolg versprechen, noch eine Unternehmenspolitik, die auf eine angemessene Rendite keine Rücksicht nimmt, passen in dieses Konzept. Unternehmensaufkäufe, Fusionen oder Vorstoß in neue Geschäftsfelder, die bloß der „Intuition“ des Vorstandsvorsitzenden entspringen, aber denen keine strategische Planung zugrunde liegt, verstoßen fundamental gegen die Grundsätze von Corporate Governance. Durch geeignete Kontrollmechanismen muss verhindert werden, dass Konflikte auf der Führungsebene zum Schaden des Unternehmens und seiner Anteilseigner ausgefochten werden.

Während in Deutschland auch zu Beginn des neuen Jahrtausends erst wenige Fonds derartige Kriterien bei ihren Investitionsentscheidungen berücksichtigten, investieren in den USA die großen Pensionsfonds bereits seit langem nur noch in Unternehmen, die sich auf Corporate Governance verpflichtet haben. Unternehmen, in denen es Aktien mit Mehrfachstimmrecht gibt – wodurch einzelne Aktionäre begünstigt werden – oder die nicht monatlich oder zumindest vierteljährlich ihre Anteilseigner über alle wesentlichen Geschäftsvorfälle und die Gewinnaussichten unterrichten oder deren Management nicht zu einem maßgeblichen Teil erfolgsabhängig bezahlt werden, gehören nicht dazu. Umgekehrt dürfen auch keine Bonuszahlungen an Spitzenmanager vorgenommen werden, die nicht durch entsprechende außergewöhnliche Erfolge gerechtfertigt sind.

Langfristig orientierte Anleger sollten prüfen, ob Aktiengesellschaften, bei denen sie sich engagieren wollen, die Gewähr für eine Unternehmenspolitik bieten, die sich an den Grundsätzen der Corporate Governance orientiert. Investmentsparer sollten sich darüber informieren, ob die Fondsmanager bei ihren Investments darauf achten, wie weit die jeweiligen Unternehmen CG beachten.