Lexikon

Corporate Responsibility

Der Begriff der Corporate Responsibility lässt sich im Deutschen am besten mit „unternehmerischer Verantwortung“ übersetzen. Es ist somit fast der Gegensatz zu Shareholder Value, einer Unternehmensphilosophie, die allein den Börsenwert als höchstes unternehmerisches Kriterium setzt. Wobei seit einigen Jahren festzustellen ist, dass auch die Aktienbesitzer es schätzen, wenn ein Unternehmen Verantwortung in anderen Bereichen übernimmt (weil das unter Umständen teure Folgekosten wie etwa staatliche Strafen wegen Umweltverschmutzung etc. verhindern kann).

Corporate Responsibility ist also der Grad an unternehmerischer Verantwortung für Bereiche außerhalb des Kerngeschäftes, an vorderer Stelle meist

  • für die eigenen Mitarbeiter (Pensionskassen etc.)
  • für die Gesellschaft (keine ethisch unakzeptablen Produkte, Beispiel „Kinderarbeit“)
  • für die Umwelt

Corporate Responsibility ist schwierig zu messen, es wird aber deutlich dadurch, wie offen ein Unternehmen mit diesen oben genannten Themen umgeht. Veröffentlicht es etwa die Schadstoffemissionen der Firmenwagen, macht es die Firmenphilosophie öffentlich und stellt es Mindeststandards an das Verhalten der eigenen Mitarbeiter? Im Gegensatz zur ausschließlichen Ausrichtung auf den monetären Gewinn und damit die Ausrichtung auf die Anteilseigner (Shareholder-Value), stellt Corporate Responsibility weitere vom Unternehmen betroffene Personengruppen (Stakeholder) in den Mittelpunkt. Das können außer den Aktionären und den eigenen Mitarbeitern auch die Geschäftspartner, die Kunden oder Lieferanten sein. Die gesamte Wertschöpfungskette (Supply Chain) vom Rohstoff (Umwelt) über alle beteiligten Lieferanten, Zulieferer, Verkäufer bis hin zum Endkunden sowie eine ökonomisch, ökologische und soziale Gesamtverantwortung treten in den Fokus des Unternehmens.

Unter Wirtschaftsexperten wird der Begriff Corporate Responsibility als Überbegriff für die Teilbereiche Corporate Social Responsibility (ökologische und wirtschaftliche Aspekte der unternehmerischen Nachhaltigkeit), Corporate Governance (Unternehmenskontrolle) und Corporate Citizenship (bürgerschaftliches Unternehmensengagement).

Das prominenteste Beispiel eines Verstoßes gegen Corporate Responsibility war die Affäre von Shell bezüglich Brent Spar. Das mangelnde Umweltbewusstsein des Konzerns in diesem Bereich führte durch die große Publizität durch Organisationen wie Greanpeace zu einem Boykott der Produkte des Konzerns, so dass sich mangelndes Umweltbewusstsein zum einen negativ mit dem Firmenimage koppelte und zum anderen wahrscheinlich erstmals auch konkrete monetäre Defizite in der Konzernbilanz hinterließ. Am Ende musste sich der Konzern dem öffentlichen Druck beugen und die ausgesonderte Bohrinsel umweltgerecht entsorgen. Hätte er das von Anfang an ohne öffentlichen Druck im Sinne der CR gemacht, wären ihm die Kosten durch den Kundenboykott und die realen Kosten durch den Imageverlust erspart geblieben.