Lexikon

Dachfonds

Dachfonds sind Fonds, die ihr Vermögen wiederum in andere Fonds investieren. Sie sind in Deutschland erst seit 1998 aufgrund des 3. Finanzmarktförderungsgesetzes erlaubt. Seit den siebziger Jahren waren sie verboten.

Dachfonds erleben eine Art Neuauflage in Deutschland. Es gab sie schon einmal in den sechziger Jahren. Doch die schlechten Erfahrungen mit dem „Finanzgaukler“ Bernie Cornfeld verspielten auf Jahrzehnte den Ruf dieses Anlageinstruments. Cornfeld hatte damals einen Fund of Funds (engl. Bezeichnung für Dachfonds) aufgelegt, den IOS-Fonds. Der investierte das Geld in andere Fonds. Mit der Zeit legte der Finanzjongleur das Anlegergeld aber in die eigenen Fonds ein und kassierte dabei kräftig Gebühren. Das Finanzimperium von Cornfeld brach nach einigen Jahren in sich zusammen. Neben einer Milliardenpleite und verprellten Anlegern blieb auch der zerstörte Ruf für Dachfonds-Konstruktionen zurück.

Die ersten deutschen Dachfonds kamen 1999 auf den Markt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAfin) erlaubt sie nur mit strengen Auflagen. Die Anlagevorschriften für Dachfonds sind im „Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften“ (KAGG) in den §§ 25k ff. geregelt:

  • Dachfonds dürfen nur in deutsche und ausländische Investmentfonds investieren, die in Deutschland zugelassen oder registriert sind.
  • Maximal 20 Prozent des Vermögens dürfen in einzelnen Unterfonds angelegt werden.
  • Ein Dachfonds darf umgekehrt höchstens zehn Prozent der Anteile eines Unterfonds besitzen.
  • Dachfonds müssen eine klare Gebührenstruktur nachweisen.
  • Doppelte Gebühr dürfen Dachfonds nur nehmen, wenn sie in fremde Fonds anlegen.
  • Dachfonds, die in eigene Fonds investieren, dürfen keine doppelte Gebühr berechnen.

Mittlerweile haben die Fondshäuser eine Vielzahl von Dachfonds mit Milliarden-Volumen im Angebot. Das Anleger-Publikum scheint darauf zu reagieren. Es ersetzt dem Privatinvestor das mühsame Herauspicken bestimmter Fonds und streut das Risiko somit noch weiter als ein herkömmlicher Fonds. Eine aussagekräftige Analyse der Performance kann noch nicht erstellt werden, da die Dachfonds dazu noch nicht lange genug auf dem Markt sind. Sie weisen dem unentschlossenen Anleger einen besonderen Ausweg aus der unübersichtlichen Fondsvielfalt. Dachfonds stellen den verunsicherten Anleger nicht länger vor die Qual der Wahl, welche Fondsmischung er zusammenstellen soll.

Hinter dem Dachfonds verbirgt sich im Grunde eine Familie von Aktien– und Rentenfonds, Immobilien- und Geldmarktfonds. Normale Fonds kaufen Aktien, Renten oder Immobilien. Die Dachfonds legen in eben diese Fonds an. Sie werben damit, dem Anleger die schwierige Entscheidung abzunehmen, unter Tausenden von Fonds zu unterscheiden und auszusuchen. Dafür ist der Kunde bereits ab monatlich 50 Euro dabei.

Die Investmentidee hinter den neuen Dachfonds soll vor allem defensive, konservative Sparer anlocken. Das Konzept lautet: Dachfonds kombinieren spekulative Anlagen mit weniger riskanten.

Dahinter steckt die klassische Investmentstrategie aus der finanzwissenschaftlichen Theorie: „Wähle zum jeweiligen Zeitpunkt, und zwar je nach Berücksichtigung der individuellen Lebensumstände und Zukunftsperspektiven, stets eine sinnvolle Mixtur aus Aktien und Anleihen als wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Geldanlage.“

Mögliche Verluste eines Investments sollen im Falle eines Falles so mit Gewinnen anderer Fonds ausgeglichen werden. Auf dem Markt sind verschiedene Varianten von Dachfonds, ausgerichtet je nach der persönlichen Risikoneigung des Anlegers. Die Anbieter werben mit verschiedenen Risikoklassen, mit „vorsichtigen“, „risikoneutralen“ und „wagemutigen“ Dachfonds, damit auch alle Arten von Anlegercharakteren sich angesprochen fühlen, vom konservativen Investor bis hin zum wagemutigen mit Börsentemperament.

Dachfonds sind nicht zu verwechseln mit Umbrella-Fonds. Umbrella-Fonds (Ursprungsland Großbritannien; Umbrella = Schirm) stellen ein übergeordnetes Fondskonzept dar, unter dessen Dach sich mehrere Subfonds (Unterfonds) befinden. Alle Fonds werden unter der Regie einer Investmentgesellschaft verwaltet, weisen aber unterschiedliche Anlageschwerpunkte auf. Unter dem Mantel des Umbrellas trifft der Anleger selbst die Entscheidung, welche der Subfonds er erwerben will. Bei Dachfonds aber wird die Fondsauswahl durch die Investmentgesellschaft getroffen.

Bei der Ausgabe von Anteilen an Dachfonds fallen Ausgabeaufschläge zwischen ein und fünf Prozent an. Bei der Rückgabe von Anteilscheinen unmittelbar an die Investment-Gesellschaft entstehen keine zusätzlichen Kosten. Werden Dachfonds-Anteile in einem Depot bei einer Bank, Sparkasse oder Investment-Gesellschaft verwahrt, so fallen in der Regel Depotgebühren an. Informationen hierzu können Sie sowohl den Verkaufsprospekten entnehmen als auch bei den Stellen erhalten, die Ihnen die Fondsanteile verkaufen. Bei Dachfonds ist auch eine Vergütung für die Verwaltung der im Sondervermögen enthaltenen Vermögensgegenstände zu zahlen. Über die jeweilige Höhe informiert auch der Verkaufsprospekt, der vor Erwerb dem Anleger zur Verfügung zu stellen ist.

Die Risiken der Anlage in Dachfonds sind noch schwerer abzuschätzen als bei anderen Fondsarten, da sie noch relativ neu am Markt sind. Das Attraktive liegt in der nochmaligen Risikostreuung, die bereits jeder Fonds schon an sich bietet. Dachfonds sind aber auch ein Produkt besonders kreativer Fondsanbieter. Vorsicht ist bei den Ausgabeaufschlägen und Gebühren angebracht. Die Gebühren schwanken je nach dem, ob der Dachfonds nur Produkte aus dem Haus des Anbieters oder auch Konkurrenzfonds aufnimmt. Im letzteren Fall verlangt er oft noch ein zusätzliches Aufgeld. Der Sparer sollte sich auch über die Unterfonds informieren. Die Summe ihrer Wertentwicklung ergibt nämlich abzüglich der Kosten den Gewinn eines Dachfonds. Wer die Unterfonds und ihre Wertenwicklung kennt, kann auch das veröffentlichte Ergebnis des Dachfonds einschätzen.