Lexikon

Die neue Zahlungsbilanzstatistik

Die frühere Zielsetzung der Leistungsbilanz, alle Veränderungen des Auslandsvermögens (netto) zu registrieren, wurde aufgegeben. Nach dem mit den übrigen Mitgliedern des Internationalen Währungsfonds abgestimmten Konzept enthält die Leistungsbilanz neben den Waren- und Dienstleistungen sowie den Erwerbs- und Vermögenseinkommen nur noch die „laufenden Übertragungen“.

Die früher dort ebenfalls registrierten Vermögensübertragungen wie beispielsweise Schuldenerlasse wurden ausgegliedert. Der Saldo der Leistungsbilanz stellt also nur noch die Differenz aus inländischer Ersparnis und Nettoinvestition dar. Sie führt entweder dazu, dass Geld aus dem Ausland zum Ausgleich „importiert“ wurde oder an Ausländer verliehen werden konnte.

Einkommen aus unselbstständiger Arbeit und Kapitalerträge sind nicht mehr in der Dienstleistungsbilanz enthalten. Sie werden als eigenständige Leistungsbilanz-Kategorie unter der Überschrift „Erwerbs- und Vermögenseinkommen“ erfasst.

In der Dienstleistungsbilanz sind die grenzüberschreitenden Leistungen der Versicherer nur mit ihrer jeweiligen Wertschöpfung enthalten. Risikoprämien, Entschädigungszahlungen und Rückvergütungen werden unter den laufenden Übertragungen verbucht.

Die als Dienstleistung geltende Lohnveredelung wurde dem Warenverkehr zugeordnet. Auch bestimmte Reparatur-Arbeiten sowie die Lieferung von Schiffs- und Flugzeugbedarf fallen unter Warenlieferungen. Der Transithandel wurde aus dem Warenverkehr herausgenommen und den Dienstleistungen zugerechnet.

Beim Kapitalverkehr wird nicht mehr zwischen lang- und kurzfristigen Transaktionen unterschieden. Die Kapitalbewegungen werden überdies in drei Hauptgruppen unterteilt:

  • Direktinvestitionen,
  • Wertpapieranlagen und
  • Kreditverkehr.

Zinserträge werden gemäß der jeweiligen Entstehung verbucht. Entscheidend ist nicht mehr der Zeitpunkt der Zahlung, sondern der Zeitabschnitt, für den die Zinserträge gezahlt werden. Direktinvestitionen werden anders abgegrenzt. Neben den Beteiligungen und langfristigen Darlehen gelten auch die kurzfristigen Finanzbeziehungen miteinander verbundener Unternehmen als Teil der Direktinvestitionen. Der grenzüberschreitende Kauf oder Verkauf von Immobilien wird unter den Direktinvestitionen erfasst.

Wertpapieranlagen sind umfassender definiert als früher, weil andernfalls die rasante Entwicklung auf dem Gebiet der Derivate nicht ausreichend berücksichtigt werden kann. Deshalb werden auch Anteile an Geldmarktfonds, Geldmarktpapiere sowie Finanzderivate einbezogen.