Lexikon

Effektivzins

Der Effektivzins gibt den realen Ertrag eines Investments oder die Gesamtkosten eines Kredits in Prozent unter Berücksichtigung aller Nebenkosten und Gebühren an.

Er soll dem Verbraucher helfen, verschiedene Finanzprodukte zu vergleichen. Denn selbst bei gleichen Sollzinsen können sich die Angebote durch die sonstigen Kosten deutlich unterscheiden. Alle Geldinstitute sind deshalb nach der Preisangabenverordnung (PAngV) verpflichtet, bei Abschluss eines Vertrages den Effektivzins auszuweisen.

In der Preisangabenverordnung sind auch die Faktoren zur Berechnung des Effektivzinses geregelt. So fließen neben dem Sollzins auch Disagio (Ausgabeabschlag), Agio (Ausgabeaufschlag), der Tilgungssatz (bei Krediten) und alle Abschluss-, Bearbeitungs- und Vermittlungsgebühren ein.

Seit Einführung der neuen EU-Verbraucherkreditrichtlinie am 11. Juni 2010 muss bei Krediten außerdem die Prämie für eine Restschuldversicherung berücksichtigt werden, sofern diese Voraussetzung für die Kreditvergabe ist. Dem voraus ging eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 15. Dezember 2009 (AZ: XI ZR 45/09), dass es sich in diesem Fall um ein verbundenes Geschäft handelt. Sind die Kosten der Restschuldversicherung nicht im effektiven Jahreszins enthalten, liegt die Beweislast für den freiwilligen Abschluss der Versicherung beim Kreditvermittler.

Gestrichen wurde durch die Novelle der Begriff „anfänglicher effektiver Jahreszins“. Banken müssen nun den Effektivzins für die gesamte Laufzeit des Darlehens nennen. Dieser kann aber nach Ablauf der Zinsbindung fiktiv gewählt werden. Bei langen Laufzeiten, etwa bei Immobilienkrediten, kann die Berechnung somit von der Realität abweichen. In Extremfällen führt das dazu, dass der so ermittelte Effektivzins unter dem Sollzins liegt.