Lexikon

Fondsgebundene Lebensversicherungen

Fondsgebundene Lebensversicherungen sind eine Spezialform der Lebensversicherung. Sie legen Teile der von ihren Kunden eingezahlten Gelder in Investmentfonds an, wobei der Kunde aus einer Palette unterschiedlicher Fonds wählen kann. Die von dieser Form der Lebensversicherung erwirtschafteten Rendite liegt meist deutlich über der Rendite, die sich mit klassischen Lebensversicherungen erzielen lässt, birgt aber auch das Risiko einer unterdurchschnittlichen Rendite bei entsprechend schlechter Wertentwicklung der Fonds. Diese Form der Lebensversicherung gewann in Deutschland erst in den neunziger Jahren eine größere Bedeutung.

Fondsgebundene Lebensversicherungen sind eine Form der Lebensversicherung, die sich vor allem an den renditeorientierten Anleger richtet, der eine finanzielle Absicherung seiner Angehörigen bei gleichzeitig möglichst optimaler Kapitalanlage sucht. Fondsgebundene Lebensversicherungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen Teil der von ihren Kunden eingezahlten Mittel in Fondsanteile investieren, während der restliche Teil der Beiträge ähnlich wie bei der Anlage in einer klassischen Lebensversicherung verwendet werden.

Insgesamt erfolgt eine Aufteilung der von den Kunden der Versicherung eingezahlten Beiträge auf folgende drei Bereiche:

  • Ein Teil der Versicherungsbeiträge wird zur Absicherung des Todesfallrisikos verwendet. Dieser Teil der Versicherungsbeiträge soll dazu dienen, die vom Versicherungsnehmer genannten Begünstigten im Falle seines Ablebens finanziell zu versorgen.
  • Ein Teil der Versicherungsbeiträge wird zur Begleichung der Verwaltungskosten der Versicherungsgesellschaft sowie der an den Vermittler gezahlten Prämien verwendet.
  • Der sogenannte Sparteil, wird in einen oder mehrere Investmentfonds investiert.

Somit verbinden diese Formen der Lebensversicherung sowohl Risikoabsicherung als auch langfristige Kapitalbildung.

Im Gegensatz zu den Fondsgebundenen Lebensversicherungen sind die Anbieter klassischer Lebensversicherungen im Hinblick auf die Anlage des „Sparteils“ an strenge gesetzliche Rahmenbedingungen gebunden. So müssen alle Anlagen dem Kriterium der Deckungsstockfähigkeit genügen. Somit ist es den Anbietern klassischer Lebensversicherungen meistens verboten die ihnen anvertrauten Mittel in sogenannte Finanzinnovationen zu investieren. Aus dieser sehr konservativen Anlagepolitik, verbunden mit hohen Kosten für Verwaltung und Vermittlung der Versicherungen resultieren dann auch in der Regel eher unterdurchschnittliche Anlageergebnisse. Daraus resultiert dann eine relativ geringe Ablaufleistung.

Die Ablaufleistung von Fondsgebundenen Lebensversicherungen liegt in der Regel deutlich höher als bei klassischen Lebensversicherungen, kann aber – und hier liegt das Risiko – je nach Art des gewählten Fonds und der Situation am Kapitalmarkt bei Ablauf der Versicherung, deutlich schwanken. Im Einzelfall kann daher die Ablaufleistung einer Fondsgebundenen Lebensversicherung auch unter dem Ergebnis einer klassischen Lebensversicherung liegen. Die Höhe der Ablaufleistung ist also wesentlich schwerer zu prognostizieren als die Höhe der Ablaufleistung einer klassischen Lebensversicherung.

Um das Risiko zu minimieren, dass die Fondsanteile mit Verlust oder geringer Rendite verkauft werden müssen, weil das Versicherungsende in eine ungünstige Kapitalmarktsituation fällt, bieten die Versicherungsgesellschaften häufig eine oder mehrere der folgenden Optionsrechte an:

  • die Laufzeit der Versicherung kann auf Wunsch des Versicherungsnehmers um bis zu fünf Jahre verlängert werden,
  • der Versicherungsnehmer hat die Wahl, sich entweder den Gegenwert der Investmentzertifikate zum Zeitpunkt der Fälligkeit der Versicherung auszahlen oder aber sich die Zertifikate selbst übertragen zu lassen, so dass er auf einen günstigen Zeitpunkt zum Verkauf warten kann,
  • der Versicherungsnehmer hat nicht nur die Möglichkeit zwischen verschiedenen Investmentfonds zu wählen, sondern kann diese auch zwischendurch verkaufen und dafür andere erwerben. So können in guten Börsenjahren Gewinne realisiert und in weniger kursreagible Fonds investiert werden.

Die im Vergleich zu klassischen Lebensversicherung wesentlich größere Entscheidungsfreiheit und Mitwirkungsmöglichkeit des Versicherten macht die Anlage in Fondsgebundene Lebensversicherungen sehr viel transparenter und nachvollziehbarer für den Versicherten. Der Versicherte hat mehr Möglichkeiten auf das Verhältnis zwischen Chance und Risiko Einfluss zu nehmen und die Versicherung so an seine Bedürfnisse anzupassen.

Hinsichtlich der Investmentfonds, in die die Gesellschaft den Sparanteil der Versicherung investiert, hat der Anleger in der Regel eine breite Auswahl von Aktienfonds, Rentenfonds und Immobilienfonds. Daneben werden teilweise auch einige Spezialitätenfonds angeboten, wie beispielsweise Länder- und Regionalfonds, oder Branchenfonds. Die Auswahl ist aber meist auf weniger volatile Fonds beschränkt. Das unterstreicht den langfristigen und eher konservativen Charakter einer Lebensversicherung als Anlageinstrument.

Ein weiterer Unterschied zwischen diesen beiden Formen der Lebensversicherung liegt darin, dass den Versicherten einer klassischen Lebensversicherung die Kosten für Abschluss und Verwaltung in der Regel vollständig am Anfang belastet werden. Das bedeutet, dass die ersten Beiträge hauptsächlich zur Begleichung dieser Kosten verwendet werden. Dies zeigt sich auch darin, dass der „Rückkaufswert“ einer klassischen Lebensversicherung im ersten Jahr meist bei Null liegt und sich dann über die Laufzeit immer mehr den getätigten Einzahlungen zuzüglich des Gewinnanteils annähert. Bei Fondsgebundenen Lebensversicherungen werden die Kosten dagegen gleichmäßig über die Laufzeit der Versicherung verteilt, so dass hier der Rückkaufswert in den ersten Jahren (auch ohne Gewinnanteil) über dem einer gleich hohen klassischen Lebensversicherung liegt. Im Zeitablauf nähern sich dann die Rückkaufswert einer klassischen Lebensversicherung und einer Fondsgebundenen Lebensversicherung an.

Daneben unterscheiden sich die beiden Lebensversicherungsvarianten auch hinsichtlich ihrer Behandlung im Rahmen der Einkommensteuer. Hier hat die klassische Lebensversicherung einen Vorteil gegenüber der Fondsgebundenen Lebensversicherung, da die gezahlten Beiträge innerhalb bestimmter Grenzen als Sonderausgaben von dem zu versteuernden Einkommen abgezogen werden können. Beide Varianten der Lebensversicherung genießen aber das einkommensteuerliche Privileg, dass die erzielten Erträge bei Versicherungsende bei einer Mindestlaufzeit von 12 Jahren zur Hälfte einkommensteuerfrei bleiben.