Lexikon

Forfaitierung

Forfaitierung ist der Ankauf von Forderungen aus Exportgeschäften, die erst zu einem späteren Zeitpunkt fällig werden. Der Rückgriff auf den Verkäufer der Forderung wird bei diesem Finanzierungsinstrument vertraglich ausgeschlossen. Das Risiko der Nichtbezahlung durch den Gläubiger liegt also beim Erwerber der Forderung. Als Käufer von Exportforderungen treten meist internationale Großbanken auf.

Die Forfaitierung ist ein Finanzinstrument, das speziell für die Außenhandelsfinanzierung entwickelt wurde und der Finanzierung von Exportgeschäften dient. Hintergrund dieser Finanztechnik ist, dass Exporteure häufig das Entgelt für ihre Leistung – also beispielsweise der Lieferung von Maschinen, Rohstoffen, Dienstleistungen – erst nach einer gewissen Zeit erhalten. Sie müssen also dem Käufer einen Kredit gewähren. Der Zeitraum zwischen Lieferung und Bezahlung der Ware kann dabei je nach Vertrag und Branche bis zu fünf Jahren betragen. Für den Exporteur bedeutet dies, dass er für den gesamten Zeitraum auf Liquidität in dieser Höhe verzichten muss. Dieses Geld könnte er ansonsten zur Bezahlung eigener Verpflichtungen (Löhne, Zulieferungen) oder zu Investitionszwecken nutzen. Oft muss der Exporteur selbst einen Kredit zur Gegenfinanzierung aufnehmen.

Zusätzlich trägt der Exporteur auch noch das Risiko, dass der Importeur seiner Zahlungsverpflichtung nicht nachkommen kann oder will. Durch die Forfaitierung kann der Exporteur sowohl die Finanzierung als auch das Risiko auf eine dritte Partei, meist eine Bank, übertragen. Denn bei der Forfaitierung verkauft der Exporteur seine Forderung gegen einen Importeur an den so genannten Forfaiteur und erhält dafür den Rechnungsbetrag, abzüglich eines Diskonts. Der Forfaiteur übernimmt dabei sowohl die Finanzierungsfunktion als auch das Risiko der Nichtbezahlung. Der Verkäufer der Forderung (Exporteur) behält allerdings weiterhin die Verpflichtung, das Grundgeschäft, also beispielsweise die Warenlieferung, ordnungsgemäß abzuwickeln. Das Risiko der Nichtannahme oder Reklamation der erbrachten Leistung bleibt ebenfalls beim Exporteur.

Die Kosten, die dem Exporteur aus der Forfaitierung erwachsen, setzen sich aus einer Bereitstellungsprovision und dem vereinbarten Diskont zusammen. Die Bereitstellungsprovision wird für den Zeitraum zwischen Exportvertragsabschluss und Lieferung der Ware vereinnahmt. Meist handelt es sich dabei um 1/1000 der Rechnungssumme pro Monat. Dieses Entgelt ist dafür zu zahlen, dass die Bank dem Exporteur die Kreditmittel zur Verfügung stellt, dieser sie aber nicht in Anspruch nimmt und daher auch keine Zinsen entrichtet. Die Bank kann diese Mittel während dieser Zeit nicht anderweitig einsetzen, erleidet also einen Einnahmeausfall, für den sie der Exporteur entschädigen muss.

Die Höhe des Diskonts richtet sich unter anderem nach der Bonität des Schuldners oder des Schuldnerlandes, der Laufzeit, der Höhe der Forderung, den Refinanzierungskosten und nicht zuletzt nach den Refinanzierungskosten der Bank.

Vorteile der Forfaitierung

Dem Exporteur bietet das Finanzinstrument der Forfaitierung neben der früheren Verfügbarkeit des Geldes und dem Wegfall des Risikos der Nichtzahlung noch weitere Vorteile. So unterliegt er keinem Währungsrisiko und kann daher auf Absicherungen des Wechselkurses (beispielsweise durch Devisenoptionen und Devisen-Futures) verzichten. Zudem entfallen für ihn kosten- und zeitaufwendige Arbeiten wie beispielsweise Forderungsüberwachung und Inkasso. Als einen weiteren Vorteil sehen viele Exporteure, dass die Forderung und die damit verbundene Gegenfinanzierung aus der Bilanz verschwindet. Das führt zu einer optischen Verbesserung der Bilanz.

Eine ähnliche Rolle wie das Forfaitering spielt das Factoring bei der Finanzierung von Geschäften, bei denen keine sofortige Zahlung üblich oder vereinbart ist.