Lexikon

Freistellungsauftrag

Ein Freistellungsauftrag ist ein vom Sparer der Bank oder Sparkasse erteilter Auftrag, ihn im Rahmen der zulässigen Grenzen von der direkten Abführung der Körperschaftssteuer sowie der Kapitalertragssteuer durch das Kreditinstitut an das Finanzamt freizustellen. Nur wenn der Bank ein solcher formeller Auftrag vorliegt, ist sie berechtigt, dem Kunden den vollen Betrag seiner Zins- oder Dividendeneinkünfte zu überweisen. Wird ein solcher Auftrag nicht erteilt oder der jeweils geltende Freibetrag überschritten, kann der Empfänger von Zinszahlungen die im Quellenabzug vorab gezahlten Steuern erst später im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung geltend machen.

Seit dem 1. Januar 1993 werden in Deutschland (wie auch in vielen anderen Ländern) alle Erträge aus Kapitalvermögen unmittelbar an der Quelle besteuert. Das gilt grundsätzlich für alle Zinseinnahmen, unabhängig davon, ob es sich um die Erträge von Sparbüchern oder die Zinsen auf Anleihen und Pfandbriefe, von Null-Kupon-Anleihen und Optionsanleihen, Index- oder Fremdwährungsanleihen, Investmentfonds, Bundesschatzbriefe, Dividenden aus Aktien oder ähnlichen Wertpapieren handelt. Anfallende Steuern auf Zinseinnahmen werden grundsätzlich sofort an das Finanzamt überwiesen. Dies geschah zunächst anonym, also ohne dass die Bank oder Sparkasse die Namen der Steuerpflichtigen der Behörde mitteilt. Doch die Auskunftspflichten der Banken gegenüber dem Finanzamt wurden verschärft, um Steuerhinterziehern auf die Spur zu kommen. Missbräuchliche Freistellungsbescheinigungen bei mehreren Banken oder Sparkassen, mit denen die insgesamt höchstzulässige Summe überschritten wird, sollen so verhindert werden.

Die Kapitalerträge werden in der steuerlich jeweils zulässigen Höhe ohne Abzug gutgeschrieben oder auf Wunsch bar ausgezahlt. Voraussetzung ist aber immer, dass die Freigrenzen nicht überschritten werden und ein entsprechender Freistellungsauftrag vorliegt.

Erteilung von mehreren Freistellungsaufträgen

Sparer, die bei mehreren Kreditinstituten Konten oder Wertpapierdepots unterhalten, können die Gesamtsumme der ihnen zustehenden Freibeträge auf mehrere Banken, Sparkassen, Investmentfonds usw. verteilen und mehrfach Freistellungsaufträge erteilen. Die insgesamt beantragte Freistellungssumme darf aber die jeweils geltenden Obergrenzen für Ledige/Verheiratete nicht überschreiten. Ist das doch der Fall, gilt dies als Versuch der Steuerhinterziehung. Kapitalbesitzer müssen deshalb bei der Erteilung mehrerer Freistellungsaufträge genau rechnen. Denn die Kreditinstitute müssen dem Fiskus auf Verlangen Auskunft über vorliegende Freistellungsaufträge geben. Damit soll verhindert werden, dass Steuerpflichtige sich höhere Freibeträge erschleichen, indem sie bei mehreren Banken Freistellungsaufträge in voller Höhe einreichen.