Lexikon

Freiverkehr

Der Freiverkehr ist das am wenigsten geregelte Segment des deutschen Börsenwesens. Die Aufnahme von Aktien, Optionsscheinen und Rentenwerten in diesem Marktbereich ist im Vergleich zum geregelten Markt und dem amtlichen Handel von relativ wenigen Auflagen abhängig.

Der Handel im Freiverkehr erfolgt telefonisch. Die Kursfeststellung wird durch freie Makler übernommen. Damit es zu keinen Unregelmäßigkeiten kommt, unterliegt der Freiverkehr einer Missbrauchsaufsicht durch die Vorstände der jeweiligen Börsen.

Die deutschen Börsen bieten neben dem amtlichen Handel sowie dem geregelten Markt noch den so genannten Freiverkehr zum Handel mit Aktien, Renten und Optionsscheinen. Der Hauptunterschied zwischen diesen drei Marktsegmenten liegt in den unterschiedlich strengen gesetzlichen Auflagen denen die Handelsteilnehmer unterliegen. Die börsengesetzlichen Regelungen die für den amtlichen Handel und den geregelten Markt bestehen, gelten für den Freiverkehr nicht.

Die Kurse dürfen allerdings nur dann veröffentlicht werden, wenn ein ordnungsgemäßer Handel an der Börse gewährleistet ist, der angegebene Kurs sich also durch Angebot und Nachfrage ergeben hat. Es handelt sich also nicht um eine einseitige Preisfestsetzung durch den Makler.

Im Freiverkehr werden vor allem die Aktien und Anleihen kleinerer oder ausländischer Unternehmen gehandelt. Zur Aufnahme in den Freiverkehrshandel bedarf es lediglich des Antrags durch einen Freimakler, der begründet, dass ein Bedarf nach Handel in diesem Wert besteht. Das Unternehmen, dessen Aktien oder Anleihen in den Freiverkehr aufgenommen werden sollen, muss dem Handel nicht zustimmen. Der Handel mit den betreffenden Wertpapieren darf allerdings nicht aufgenommen werden, wenn das betreffende Unternehmen diesem ausdrücklich widerspricht.

Die Unternehmen, deren Wertpapiere im Freiverkehr gehandelt werden, unterliegen nicht der Prospektpflicht. Sie müssen auch keine Unternehmensberichte oder Zwischenberichte erstellen. Auch gelten keine Regelungen hinsichtlich der Mindestlebensdauer des Unternehmens sowie eines Mindestkapitals bei der Emission.

Der Freiverkehr bietet den Vorteil, dass auf Grund der geringen Kosten der Zulassung auch Papiere kleiner Unternehmen oder ausländischer Unternehmen, die keine Zulassung zum amtlichen Handel anstreben, gehandelt werden können. Für den Anleger bietet der Freiverkehr die Möglichkeit, auch in die Papiere weniger bekannter Unternehmen investieren zu können und so eine breitere Streuung seines angelegten Kapitals zu erreichen. Der Nachteil des Freiverkehrs besteht darin, dass es teilweise zu starken Kursschwankungen kommen kann, da einzelne Papiere in nur sehr geringer Stückzahl am Markt gehandelt werden. Teilweise sind die Umsätze bei einzelnen Papieren so gering, dass es zu keiner regelmäßigen Kursfeststellung kommt oder die Kurse durch die Makler geschätzt werden müssen.