Lexikon

Functional Food

Unter Functional Food versteht man eine Art besseres Essen oder Mehrwertessen. Gemeint sind damit Lebensmittel, die einen gesundheitlichen Präventivcharakter haben. Dabei geht es nicht um genmanipulierte Nahrung.

Functional Food ist kein Medikament, das zur Heilung von Krankheiten eingesetzt werden könnte. Die Philosophie von Functional Food ist, besseres Essen herzustellen, und damit vorbeugend zu handeln. Dabei sollte jedes Lebensmittel, das unter dieser Bezeichnung läuft, in einer Studie seinen Nutzen nachweisen können. Mit Functional Food möchte die Ernährungsindustrie Wohlstandskrankheiten wie Diabetes, Herz- oder Magenkrankheiten, Übergewicht oder Osteoporose vorbeugen.

Die Functional Food-Experten sitzen in Schweden, Finnland und Kanada. Ihre Märkte sind ihre Heimatländer, aber auch zunehmend Großbritannien und die USA. Dänemark und Deutschland sind zurückhaltender, was Mehrwert-Nahrung anbelangt. Ein Grund dafür könnte sein, dass es hier eine lange Bio- und Öko-Lebensmittel-Tradition gibt. Denn wer sich ausgewogen ernährt und genügend bewegt, benötigt keine Mehrwert-Produkte. Ein anderer Grund sind die gesellschaftlichen Verhältnisse: Gerade Familien mit zwei Ernährern haben zunehmend weniger Zeit zu kochen. Da es in Deutschland aber noch immer viele Ein-Ernährerfamilien gibt, in denen die Frau sich täglich um das Essen kümmert, ist hier die Nachfrage noch nicht so groß.

In Familien, in denen wenig gekocht wird, soll Ernährung einfach und bequem sein. Die Leute essen häufig Fertiggerichte und Konserven und treiben wenig Sport. Das ist ein Nährboden für Wohlstandskrankheiten. Hier setzt Funtional Food an. Beispiele: Von Becel gibt es eine Margarine, die den Cholesterinwert senken soll. Danone und Nestlé haben Joghurt auf den Markt gebracht, das die Bakterie Lactobacillus in großen Mengen erhält. Lactobacillus ist auf natürliche Weise auch in Joghurt, Käse, Oliven, Sauerkraut oder Salami enthalten, aber nur in kleinen Mengen. Der tägliche Verzehr des Joghurts soll die Darmflora verbessern. In Schweden gibt es bereits Fruchtsäfte und Eiskrem mit Lactobacillus. Das Motto ist: Wenn ich schon Eis oder Saft zu mir nehme, dann sollte es möglichst gesund sein. Beide Produkte sind auch zuckerreduziert.

Functional Food kann aber auch Hafermilch sein: Wie Sojamilch ist sie für Laktose- und Glutenallergiker geeignet, denn sie sieht zwar aus wie Milch, enthält aber keine. Es werden statt dessen Haferflocken und Wasser zu weißer Flüssigkeit verarbeitet und mit Öl verfeinert. Der Cholesterin- und der Blutzuckerspiegel bleiben dabei ausgeglichen.

Neue Nahrungsmittelergänzungsstoffe

Zu Functional Food werden auch Nahrungsmittelergänzungsstoffe gerechnet. Das sind Vitamin- oder Mineralzusätze, die ebenfalls vorbeugend wirken sollen und im Supermarkt angeboten werden. Ein Beispiel: Erwachsene brauchen in etwa 15 Milligramm Zink pro Tag. Dazu müsste man täglich 300 Gramm Rinderleber, 500 Gramm Käse oder fünf Kilogramm Gemüse essen. Die Zinkaufnahme geht einfacher in Form einer Tablette oder Pille.

Menschen benötigen in unterschiedlichen Situationen verschiedene Mengen an Vitaminen oder Mineralien. Die Industrie richtet sich darum immer genauer auf die Verbraucher aus. Das heißt, es gibt nun erste Anbieter wie ASL+Medika, die speziell Präparate für Männer und Frauen ab jeweils 45 Jahren entwickeln. In dem einen Produkt ist zum Beispiel Nachtkerzenöl für geschmeidige Haut enthalten, im anderen Kürbiskernöl, um die Prostata-Funktion zu unterstützen. Biolabor, ein anderer deutscher Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln, bringt gezielt Produkte für Kinder ab vier Jahren und für Freizeitsportler auf den Markt.

Der effektive Nutzen aber auch die Risiken von Functional Food sind noch immer umstritten. Es gibt bisher keine Langzeitstudien.