Lexikon

HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband Television)

Der Standard HbbTV legt fest, auf welche Weise Fernsehsender bei der digitalen Ausstrahlung ihrer Programme Zusatzinformationen senden können. Diese kommen teilweise zusammen mit dem digitalen Fernsehprogramm, zum anderen über eine Breitband-Internetanbindung.

Beim analogen Fernsehen brachte der Videotext Zusatzinformationen auf den Fernseher. Aktuelle Nachrichten und den Wetterbericht unabhängig vom laufenden Programm, dazu Informationen zu laufenden und künftigen Sendungen und vieles mehr, landete in wenig ansprechender Klötzchenschrift auf dem Gerät. 2009 entwickelte ein europäisches Firmen- und Senderkonsortium den Standard HbbTV. Unter anderem das Institut für Rundfunktechnik, das die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz tragen. Weitere Mitglieder sind die französischen Fernsehsender Canal+, France Television und TF1 sowie der Satellitenbetreiber Astra CES. Im Laufe der Jahre haben sich zahlreiche weitere Unternehmen angeschlossen.

Ziel von HbbTV ist es, Zusatzinformationen zum laufenden Fernsehprogramm auf den Fernsehbildschirm zu bringen – auf dem Weg der digitalen Verbreitung und durch eine Internetverbindung. Die Anzahl der möglichen Zusatzinformationen erhöht sich zum Videotext. Bilder und Grafiken werden integriert und vor allem gestaltet man die Angebote interaktiv aus.

Seit 2011 bieten nahezu alle öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Fernsehsender HbbTV-Zusatzinformationen auf den digitalen Verbreitungswegen per Satellit (DVB-S), Kabel (DVB-C) und teilweise auch über die Fernsehantenne (DVB-T) an. Im Mittelpunkt stehen noch Text-Zusatzinformationen zu laufenden Sendungen und vor allem die Abrufvideos (Video-On-Demand). Zuschauer können die Mediatheken von ARD und ZDF über HbbTV aufrufen und verpasste Sendungen nachträglich ansehen. Auch interaktive Anwendungen nehmen zu. Etwa das Abstimmen bei Castingshows direkt über den Fernseher oder Bestellen bei Homeshopping-Kanälen.

Mit dem digitalen Fernsehsignal wird ein Teil der HbbTV-Zusatzinformationen übertragen und, vergleichbar einer Webseite, auf dem Fernseher dargestellt. Dazu wird eine abgespeckte Version der Seitenbeschreibungssprache HTML genutzt. Vor allem der Elektronische Programmführer (EPG, Electronic Programme Guide) macht sich das zunutze. Das Gros der Informationen kommt aber über eine separate Internetverbindung, für die eine Geschwindigkeit von DSL-2000 als Minimum empfohlen wird und eine Flatrate. Die Daten aus dem digitalen Fernsehsignal verweisen damit auf bestimmte Webseiten der Rundfunkanbieter und ermöglichen dann interaktive Anwendungen.

Zur Nutzung von HbbTV ist also sowohl ein entsprechender Breitband-Internetzugang notwendig als auch ein entsprechend ausgerüsteter Fernseher. Nach anfänglichem Zögern bieten inzwischen nahezu alle Hersteller entsprechende Modelle in allen Preisklassen an, besondere Werbung für die Funktion wird aber kaum gemacht, sodass sich die explizite Nachfrage im Fachhandel lohnt.

Ein Merkmal von HbbTV-Geräten ist der spezielle „Rote Knopf“ (Red Button) auf der Fernbedienung, ein von der BBC übernommenes Feature, das HbbTV aktiviert. Im laufenden Programm soll ein roter Punkt auf dem Bildschirm darauf aufmerksam machen, dass zu den ausgestrahlten Inhalten Zusatzinformationen per HbbTV verfügbar sind.