Lexikon

IBIS

Das Inter-Banken-Informations-System IBIS war ein elektronisches Wertpapierhandelssystem, das von Kreditinstituten, Kursmaklern und freien Maklern angeboten wurde und den ganztägigen Handel mit den dreißig umsatzstärksten deutschen Aktien sowie mit rund zwanzig Emissionen der öffentlichen Hand ermöglichte. Es wurde 1997 vom elektronischen Handelssystem Xetra abgelöst.

IBIS wurde ursprünglich dafür konzipiert, den außerbörslichen Handel mit Aktien und Anleihen, übersichtlicher zu machen. Dabei ging es um vor- und nachbörslichen Handel zwischen Banken, Investmentfonds und Maklern, der außerhalb der Präsenzbörse stattfand. Die Marktteilnehmer konnten dabei zunächst aber nur ihre unverbindlichen Kauf- und Verkaufsangebote für mindestens tausend Aktien oder bei festverzinslichen Wertpapieren für mindestens eine Million DM Nennwert in das Computersystem eingeben. Sie konnten sich aber auch über die Angebote der anderen Marktteilnehmer informieren, ohne selber zu kaufen oder zu verkaufen. Der eigentliche Geschäftsabschluss musste aber telefonisch erfolgen. Nach Abschluss eines Geschäfts wurden Preis und Umsatz sofort in IBIS eingegeben, wodurch sich der Kurs ständig aktualisierte. IBIS war also ein reines Informationssystem.

1991 wurde „IBIS 2“ in Betrieb genommen. Es handelte sich dabei um ein vollelektronisches Handelsystem für die dreißig umsatzstärksten deutschen Aktien und für rund zwanzig Emissionen der öffentlichen Hand. Mit diesem System konnte von 8.30 – 17.00 Uhr in der ganzen Bundesrepublik gehandelt werden. Wertpapiergeschäfte, die vorher außerbörslich telefonisch getätigt wurden, konnten direkt über das Computernetz abgeschlossen werden. Die Händler gaben ihre verbindlichen Kauf- und Verkaufsangebote direkt über den Computer in IBIS ein. Der Handel über IBIS 2 stellte also im Gegensatz zum „Parketthandel“ eine reine Computerbörse dar. Ein Geschäft über das Inter-Banken-Informationssystem musste aber ein Mindestvolumen von fünfhundert Aktien oder von einer Million DM Nennwert bei festverzinslichen Wertpapieren haben. Kleinanleger konnten sich daher am Vor- oder Nachmittag nicht am Handel beteiligen. Ihre Aufträge konnten nur während der Präsenzbörse abgewickelt werden.

Da IBIS aber nicht nur den Handelspartnern sondern auch Informationsdiensten zur Verfügung stand, bot es dennoch auch für den Privatanleger Vorteile, weil er sich schon vor den eigentlichen Handelszeiten an der Börse (10.30 – 13.30 Uhr) ein Bild über die aktuelle Kursentwicklung machen konnte. Weil sich die IBIS-Kurse schon vor Beginn des Handels auf dem Börsenparkett bildeten und danach das Geschäft von den institutionellen Anlegern über IBIS fortgesetzt wurde, sprach man ähnlich wie beim primitiveren Telefonhandel unter den Banken auch von der „Vorbörse“ oder der „Nachbörse“. Diese Einteilung ist durch moderne, elektronische Handelssysteme wie Xetra unnötig geworden.