Lexikon

Langzeitarbeitslose

Als Langzeitarbeitslose gelten im allgemeinen Arbeitnehmer, die beim Arbeitsamt als beschäftigungslos gemeldet sind und ein Jahr oder länger nicht vermittelt werden konnten. Allerdings endet die so genannte Kurzarbeitslosigkeit schon nach vier Monaten. Unter bestimmten Gesichtspunkten gelten Betroffene bereits nach Ablauf dieser Frist als Langzeitarbeitslose. Das hat für sie wichtige rechtliche Folgen.

Vier Monaten lang gelten Versicherte, die ihre bis dahin ausgeübte Beschäftigung verloren haben, als Kurzarbeitslose. Nach Ablauf dieser Zeit werden sie unter Umständen bereits zu den Langzeitarbeitslosen gerechnet. Dies hängt davon ab, ob sie in den letzten acht Jahren vor Eintritt der Arbeitslosigkeit mindestens sechs Jahre in der Qualifikationsstufe beschäftigt waren, in der sie zum Zeitpunkt der Kündigung gearbeitet haben. Dabei unterscheidet das Arbeitsförderungsgesetz fünf Stufen:

  • Hochschul- und Fachhochschulausbildung
  • Fachschulausbildung
  • Abschluss in einem Ausbildungsberuf
  • Angelernter Beruf
  • Ungelernte

Kann der Arbeitslose die erforderliche Beschäftigungsdauer in der jeweiligen Qualifikationsstufe nachweisen, gilt er erst nach sechs Monaten als Dauerarbeitsloser. Die Ausbildungszeiten, die zur Erreichung der jeweiligen Qualifikationsstufe erforderlich waren, werden auf die sechs Jahre angerechnet. Umgekehrt kann die Frist von vier Monaten verkürzt werden, wenn sich der Arbeitslose ohne triftigen Grund weigert, an einer Beratung durch das Arbeitsamt mitzuwirken und zu den ihm genannten Terminen nicht erscheint.

Diese Einstufung als Kurz- oder Langzeitarbeitsloser ist deshalb wichtig, weil Langzeitarbeitslose nach der Zumutbarkeitsregelung auch Arbeitsplatzangebote annehmen müssen, die unter ihrer bisherigen Qualifikationsstufe liegen. Sie haben dann unter Umständen auch einen niedrigeren Verdienst, längere Wege und Fahrzeiten, längere und ungünstigere Arbeitszeiten oder in anderer Hinsicht ungünstigere Bedingungen hinzunehmen als an ihrem früheren Arbeitsplatz. Lehnen sie die angebotene Beschäftigung dennoch ohne triftigen Grund ab, kann eine Sperrzeit, also ein zeitweiliger Stopp der finanziellen Unterstützung durch das Amt verfügt werden.

Wenn unter wirtschafts- und sozialpolitischen Aspekten von Langzeitarbeitslosen gesprochen wird, sind meist diejenigen gemeint, die bereits ein Jahr oder länger ohne Arbeit sind. Vielfach handelt es sich bei den Männern und Frauen, die über einen längeren Zeitraum keine neue Beschäftigung finden, um ältere, gesundheitlich beeinträchtigte und / oder wenig qualifizierte Arbeitnehmer. Doch selbst wenn diese Merkmale nicht zutreffen, scheuen sich viele Unternehmen, Arbeitslose einzustellen, die über einen längeren Zeitraum nicht am Berufsleben teilgenommen haben. Auch die Betroffenen selber haben oft Schwierigkeiten, sich wieder an einem Arbeitsplatz zu Recht zu finden. Deshalb gibt es für die Gruppe derjenigen, die bereits ein Jahr und länger ohne Beschäftigung sind, eine Reihe besonderer Fördermaßnahmen.