Lexikon

Mikrokredit

Ein Mikrokredit ist ein Kleinstkredit, der meist in Entwicklungsländern vergeben wird. Die Kreditsummen betragen nicht mehr als 2000 Dollar, meist weniger. Vergeben werden diese Mikrokredite von spezialisierten Finanzdienstleistern und nichtstaatlichen Organisationen (NGO) zur Förderung der Entwicklung, denn normale Großbanken würden diesen Kunden keine Kredite geben. Viele der Kreditnehmer wohnen weit abgelegen und haben weder Telefon noch Auto. Deshalb müssen die Kreditgeber oft durch das ganze Land zu den Kunden reisen.

Mikrokredite sind in den Fokus der Öffentlichkeit geraten als Muhammad Yunus aus Bangladesch im Jahr 2006 den Friedensnobelpreis erhielt. Yunus gründete 1976 eine Bank, die auf dem Selbsthilfe- und Solidaritätsprinzip in Bangladesch Mikrokredite vergab. Das System funktionierte und die Bank existiert bis heute. Das Prinzip ist allerdings nicht neu, es entspricht dem Raiffeisen-Modell, wie es sich etwa Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland entwickelte. Die wirtschaftlichen Bedingungen waren schwierig, es gab Hungersnöte. Friedrich Wilhelm Raiffeisen gründete zunächst einen „Verein für Selbstbeschaffung von Brot und Früchten“. Später wurde daraus ein Darlehensverein als Selbsthilfeorganisation. Das Beispiel machte Schule und auf den Dörfern schlossen sich immer mehr Bauern und Handwerker zu kooperativen Vereinigungen zusammen. Die ladwirtschaftliche Genossenschaftsbewegung in Deutschland war geboren. Eine solidarische Haftung erhöhte die Kreditwürdigkeit der Mitglieder. Sie hatten wieder Zugang zu Geld und konnten Futtermittel, Dünger, Vieh oder anderes Material kaufen. Genau nach diesem Prinzip arbeiten heute auch viele Mikrofinanzinstitute in den Entwicklungsländern.

Die über 3.000 Mikrofinanzinstitute weltweit werden auch durch Spenden von großen Organisationen finanziert, nach dem Motto Hilfe zur Selbsthilfe. Die Rückzahlungsquote der Mikrokredite liegt bei mehr als 95 Prozent, obwohl die Kunden bei einer „normalen“ Bank als nicht Kreditwürdig gelten. Die meisten Kreditnehmer sind Frauen, die versuchen durch ein kreditfinanziertes Kleingewerbe ihre Familie zu ernähren. Es sind auch oftmals Gemeinschaften von Frauen, die gemeinsam etwas aufbauen. Dieses soziale Umfeld macht sie zu sehr zuverlässigen Schuldnern.