Lexikon

Nachfrage-Inflation

Steigen die Preise, dann spricht man von Inflation. Diese kann entweder von der Angebots- oder von der Nachfrageseite ausgelöst werden. Von Nachfragesog-Inflation spricht man, wenn eine starke Steigerung der Nachfrage zu höheren Preisen führt.

Zu einer solchen Situation kann es kommen, wenn die Unternehmen einer Volkswirtschaft an ihrer Kapazitätsgrenze produzieren. Ihre Produktion kann also kurzfristig nicht mehr erhöht werden. Dann konkurrieren die Nachfrager um das zu geringe Angebot. Das führt zu Preissteigerungen. Die Preiserhöhungen enden erst dann, wenn zu einem bestimmten Preis ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage entsteht.

Je größer jedoch die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage ist, desto größer ist also die „inflatorische Lücke“. Damit werden die Preissteigerungen umso stärker ausfallen. Zu einer Nachfragesog-Inflation kann es also nur dann kommen, wenn es keine Anbieter gibt, die die zusätzliche Nachfrage durch erhöhte Produktion befriedigen.

Eine solchen Situation entsteht klassischerweise, wenn sich die Volkswirtschaft in der konjunkturellen Phase des Booms befindet, in der alle Produktionskapazitäten vollständig ausgelastet sind. Hier ist es den Unternehmern kurzfristig nicht möglich die Produktion von Gütern und Leistungen zu steigern. Eine Befriedigung der Nachfrage kann dann allenfalls mittel- bis langfristig erfolgen, wenn die Unternehmen ihre Kapazitäten ausweiten, also neue Fabriken bauen und zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Zu einer solchen Kapazitätserweiterung kommt es aber nur, wenn die Unternehmen die zusätzliche Nachfrage als dauerhaft einschätzen.

Die Auslöser für eine Nachfrage-Inflation können vielfältig sein. Einer kann darin bestehen, dass die Unternehmen infolge guter Konjunktur ihre Investitionen erhöhen. Die Industrie sieht sich dann veranlasst, zusätzliche Arbeitnehmer einzustellen, um die verstärkte Nachfrage zu befriedigen. Durch die erhöhte Beschäftigung in der Industrie kommt es zu einer Erhöhung der verfügbaren Einkommen der Arbeitnehmer. Wenn nun alle mehr verdienen, können auch alle mehr ausgeben und so steigt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Wenn die Hersteller zu diesem Zeitpunkt schon an ihrer Kapazitätsgrenze produzieren, können sie ihre Produktion nicht stärker ausweiten und die Nachfrage nicht bedienen, da die Erweiterungsinvestitionen erst mit einer gewissen Verzögerung zur Steigerung der Produktion führen. Der Bau neuer Fabriken benötigt Zeit, die Einkommen hingegen steigen sofort. Diese Art der Inflation ist daher vor allem in Zeiten starken wirtschaftlichen Wachstums zu beobachten.