Lexikon

Nettolohn / Nettoreallohn / Kaufkraft

Historisch bedingt gibt es zwei Begriffe für das Arbeitsentgelt, Lohn (Arbeiter) und Gehalt (Angestellte). Der Unterschied ergab sich früher aus dem festen monatlichen Salär für einen Angestellten und dem auf Stundenbasis berechneten Salär für einen Arbeiter. Die Vergütung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird frei festgelegt, soweit das Gesetz keinen Mindestlohn vorschreibt oder die Vereinbarung nicht sittenwidrig ist. Dieser hier vereinbarte Betrag stellt den sogenannten Bruttolohn dar.

Um von diesem Bruttolohn auf den Nettolohn zu kommen, also dem Betrag, den der Arbeitnehmer auf sein Konto überwiesen bekommt, sind folgende Beträge abzuziehen

Zu den Sozialabgaben zahlt auch der Arbeitgeber hälftig Beiträge. Sie werden gewöhnlich auf den Bruttolohn daraufgerechnet – insgesamt sind das in Deutschland meist noch 20-25 Prozent zusätzlich zum Bruttolohn. Es gibt aber auch Arbeitgeberleistungen, die der Arbeitnehmer nicht hälftig mitzahlen muss, die also auch nicht in den Unterschiedsbetrag zwischen Brutto- und Nettolohn mit einfließen, dazu gehören die

Das Arbeitsentgelt kann in Deutschland auf verschiedenen Wegen ausgezahlt werden (jährlich, monatlich etc.). Als Sonderbestandteile können noch Gratifikationen wie Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld, aber auch Zuschläge für Sonn- und Feiertagsbeschäftigung kommen. Eine Barzahlung ist mittlerweile unmöglich.

Nettoreallohn/Kaufkraft

Vorausgesetzt, ein Beschäftigter erhielte über Jahre hinweg denselben Nettolohn, so könnte er mit der Zeit von diesem Geld immer weniger gut leben, weil Produkte und Dienstleistungen durch die Inflation immer teurer werden. Den Vergleich, wie viel ein Nettolohn in der Vergangenheit verglichen mit dem Nettolohn heute noch wert ist, das bezeichnet der Nettoreallohn – es ist also der Nettolohn abzüglich Inflation.

Als Kaufkraft bezeichnet man entweder

  • den Wert einer Währung, gemessen an einer bestimmten Gütermenge (Warenkorb)
  • den Wert eines Nettogehaltes, gemessen an den Preisen für bestimmte Güter in einer Region oder einem Land

Die Kaufkraft eines privaten Haushalts ist definiert als der für Konsumzwecke zur Verfügung stehende Anteil des Nettolohnes, also Nettolohn abzüglich wiederkehrender Zahlungsverpflichtungen wie

  • Miete
  • Versicherungen
  • Kreditraten

In jedem Industrieland gibt es Kaufkraftunterschiede, weil die finanzielle Situation eines Haushaltes eben nicht nur an die Höhe der Nettolöhne, sondern auch an die lokalen Preise für ihren Konsum gekoppelt ist. Es ist sogar für die Industrie wichtig, weil sie sich in den einzelnen Regionen auf die unterschiedliche Kaufkraft einstellen muss. Also ist das Gleichsetzen von verfügbarem Einkommen und Kaufkraft falsch, weil – um nur ein berühmtes Beispiel zu nennen, die Mieten in München für vergleichbaren Wohnraum eben deutlich höher sind als in Erfurt.

Der Einzelhandel etwa errechnet in Deutschland die für ihn wichtige Kaufkraftkennziffer durch die lokale Kaufkraft (im Verhältnis zum Bundesdurchschnitt) in Abhängigkeit von der Umsatzkennziffer (der lokale Umsatz im Vergleich zum Bundesdurchschnitt). So bezeichnet man als Kaufkraftindex (oder Kaufkraftkennziffer) einer Region das Kaufkraftniveau einer regionalen Bezugsgröße (Bundesland/Gemeinde) im Vergleich zum nationalen Durchschnitt, der auf den Wert 100 gesetzt wird. Hat also eine Kleinstadt etwa den Kaufkraftindex 75, so haben alle Einwohner zusammengenommen für den privaten Konsum nur dreiviertel des Geldes zur Verfügung wie der Bundesdurchschnitt.