Lexikon

Rechtsanwalt

Der Rechtsanwalt ist die Berufsbezeichnung für einen Volljuristen, der im Namen seines Mandanten handelt und ihm zu seinem Recht verhelfen soll. Jeder Rechtssuchende darf seinen Anwalt frei wählen.

Rechtsanwalt kann nur werden, wer aufgrund zweier juristischer Staatsprüfungen die Befähigung zum Richteramt erworben hat oder als Angehöriger der Europäischen Gemeinschaft eine Eignungsprüfung bestanden hat. Die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft, mit der der Bewerber das Recht zur Führung der Berufsbezeichnung „Rechtsanwalt“ erwirbt, kann nicht für sich allein erteilt werden, sondern ist gleichzeitig mit der Zulassung bei einem Gericht verbunden. Die Zulassung erfolgt auf Antrag des Bewerbers durch die Landesjustizverwaltung oder durch die zuständige Rechtsanwaltskammer. Abgesehen von der speziellen Zulassungsvoraussetzung bei einem Oberlandesgericht oder dem Bundesgerichtshof ist der Rechtsanwalt grundsätzlich berechtigt, an sämtlichen Amts- und Landgerichten aufzutreten.

Rechte und Pflichten des Rechtsanwaltes

Die Rechte und Pflichten im Verhältnis von Rechtsanwalt und Mandant sind klar geregelt. So wendet sich der Mandant an einen Anwalt. Nur ausnahmsweise wird der Rechtsanwalt allein aufgrund gerichtlicher Bestellung tätig (Pflichtverteidiger). Der Mandant hat die Pflicht, dem Rechtsanwalt die erforderlichen Informationen zur Verfügung zu stellen und ihn nach Abschluss seiner Tätigkeit auch zu bezahlen. Bei Bedürftigen gibt es die Prozesskosten- und Beratungshilfe.

Die Vergütung ist in der Regel keine Verhandlungssache, sondern richtet sich nach den Vorschriften des Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RGV). Zulässig sind aber gesonderte Honorarvereinbarungen, soweit es sich nicht um Erfolgshonorare handelt. Üblich ist dies beispielsweise bei Anwaltsverträgen mit erfahrenen Spezialisten bestimmter Rechtsgebiete.

Der Rechtsanwalt ist verpflichtet, den vom Mandanten geschilderten Sachverhalt aufzuklären, umfassend rechtlich zu prüfen und den Mandanten eingehend über die rechtliche Situation zu beraten und zu belehren. Der Mandant kann dem Rechtsanwalt im Rahmen des Mandatsverhältnisses schließlich Weisungen erteilen und mit Prozessvollmacht ausstatten. Besteht vor einem Gericht Anwaltszwang, wie beispielsweise am Familiengericht oder den Landgerichten, muss der Mandant sich im Prozess von einem Rechtsanwalt vertreten lassen. Kommt es zu anwaltlichen Fehlern in der Beratung oder Prozessführung, haftet der Rechtsanwalt für die daraus resultierenden Schäden. Schadensersatzansprüche gegen den Rechtsanwalt verjähren in drei Jahren. Zur Begrenzung des Haftungsrisikos muss der Rechtsanwalt eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen. Üblicherweise endet das Mandatsverhältnis aufgrund der Erledigung des Auftrages. Dem Mandanten steht es aber ebenso wie dem Rechtsanwalt frei, den Anwaltsvertrag vorzeitig durch Kündigung zu beenden. Grundsätzlich sind hierbei keine Kündigungsfristen einzuhalten.

Rechte und Berufspflichten

Mit der Zulassung erwirbt der Rechtsanwalt das Recht, als Berater und Vertreter in allen Rechtsangelegenheiten tätig zu sein und in dieser Eigenschaft vor Gerichten, Schiedsgerichten oder Behörden aufzutreten. Zu den Grundpflichten zählen unter anderem die Pflicht zur Wahrung seiner beruflichen Unabhängigkeit, zur Verschwiegenheit, zur Sachlichkeit, das Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen, die Pflicht zum sorgfältigen Umgang mit fremden Vermögen sowie die Pflicht zur Fortbildung. Im Zusammenhang mit der Verschwiegenheitspflicht steht dem Rechtsanwalt ähnlich wie Geistlichen oder Ärzten ein Zeugnisverweigerungsrecht zu.

Bis in die jüngere Vergangenheit bestand für Rechtsanwälte ein generelles Werbeverbot. Dies ist abgelöst worden durch ein Werberecht, das dem Rechtsanwalt Werbung erlaubt, soweit sie über die berufliche Tätigkeit in Form und Inhalt sachlich unterrichtet und nicht auf die Erteilung eines Auftrages im Einzelfall gerichtet ist.

Rechtsanwaltskammern, Anwaltsgerichtsbarkeit und Rechtsanwaltsversorgung

Die Rechtsanwälte jedes Oberlandesgerichtsbezirks bilden je eine Rechtsanwaltskammer, die ihren Sitz am Ort des Oberlandesgerichtes hat. Die einzelnen Rechtsanwaltskammern sind zu einer Bundesrechtsanwaltkammer zusammengeschlossen. Sämtliche Kammern sind Körperschaften des öffentlichen Rechts, die nur einer beschränkten Staatsaufsicht unterliegen. Die Aufgabe der Rechtsanwaltskammern besteht im Wesentlichen in der Selbstverwaltung der Standesangelegenheiten. Weiter überwacht die Kammer die Pflichtenerfüllung ihrer Mitglieder. Neben dem Zusammenschluss in Rechtsanwaltskammern sind zahlreiche Rechtsanwälte Mitglied in freiwilligen Anwaltsvereinigungen. Am ältesten und einflussreichsten ist in diesem Zusammenhang der 1871 gegründete Deutsche Anwaltsverein. Ihm gehören etwa die Hälfte der zugelassenen Rechtsanwälte an.

Information