Lexikon

Rentenversicherung, gesetzliche

Die gesetzliche Rentenversicherung ist ein zentrales Element des deutschen Sozialsystems. Sie soll vor allem den Unterhalt der Versicherten im Alter sicherstellen. Außerdem zahlt die gesetzliche Rentenversicherung Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten. Arbeitnehmer und Arbeitgeber leisten zu gleichen Teilen Beiträge. Der Staat deckt darüber hinaus mit dem Bundeszuschuss rund ein Drittel der Kosten.

Der Begriff Rente bezeichnet eine regelmäßige Geldzahlung, ohne dass unmittelbar eine Gegenleistung erbracht wird. Die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland zahlt in erster Linie Renten wegen Alters, aber auch wegen Erwerbsminderung und Todes. Nachdem ein Versicherter im Alter aus dem Erwerbsleben ausgeschieden ist, soll er mit der Altersrente seinen Lebensunterhalt zum Teil oder ganz bestreiten. Auf die Regelaltersrente haben Versicherte ab dem 65. Lebensjahr Anspruch – voraugesetzt sie wurden vor dem Jahr 1947 geboren. Für später Geborene erhöht sich das Renteneintrittsalter linear. Bis einschließlich dem Geburtsjahr 1958 verzögerte sich das Eintrittsalter pro Jahr, das der Arbeitnehmer später geboren wurde, um einen Monat. Ab dem Jahr 1959 sind es zwei Monte, die der Versicherte pro später geborenes Jahr später in Rente geht. Ab dem Geburtsjahr 1965 ist dann das Renteneintrittsalter von 67 erreicht. Zudem muss man mindestens fünf Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben.

Wer mindestens 45 Jahre lang Pflichtbeiträge gezahlt hat, kann mit 65 Jahren in Rente gehen, ohne Abzüge zu fürchten. Pflichtbeiträge aufgrund von Arbeitslosengeld I oder II, Versorgungsausgleich oder Rentensplitting zählen nicht dazu, ebenso wenig wie freiwillige Beitragszahlungen.

Versicherte, die mindestens 35 Jahre einzahlten, können in Frührente gehen. Dann gibt es jedoch Abschläge: Die Rentenzahlung wird um 0,3 Prozent gekürzt – und zwar pro Monat, der bis zum eigentlichen Rentenalter fehlt.

Ab einer Behinderung von 50 Prozent und Beitragszahlungen von mindestens 35 Jahren, kann der Versicherte vorzeitig und abzugsfrei in Rente gehen. Wer vor dem Jahr 1952 geboren wurde, ab 63 Jahren. Ab dem Geburtsjahr 1952 steigt es wieder linear an, bis zur Grenze von 65 Jahren.

Auslaufmodelle sind die Altersrente für Frauen sowie die Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeit. Beide sind nur noch Optionen für Versicherte, die vor 1952 geboren wurden. Aber auch hier gibt es Voraussetzungen. Eine davon: Beide Versicherungstypen müssen mindesten 15 Jahre versichert gewesen sein.

Halbe Erwerbsminderungsrenten ergänzen als Zuschuss das Einkommen, wenn ein Versicherter eingeschränkt arbeitsfähig ist. Volle Erwerbsminderungsrenten ersetzen einen größeren Teil des Arbeitseinkommens. Sie werden an Versicherte gezahlt, die dauerhaft völlig arbeitsunfähig sind. Renten wegen Todes sollen den Angehörigen eines verstorbenen Versicherten dessen Unterhaltsleistungen ausgleichen. Das sind die große Witwen- und Witwerrente, die kleine Witwen- und Witwerrente, und die (Halb-)waisenrente.

In der gesetzlichen Rentenversicherung ist jeder pflichtversichert, der gegen Arbeitsentgelt, das heißt unselbstständig, oder zur Berufsausbildung beschäftigt ist. Bestimmte Berufsgruppen, wie Lehrer, Erzieher oder arbeitnehmerähnliche Selbstständige sind auch dann versicherungspflichtig, wenn sie selbstständig arbeiten. Arbeitnehmer, die im Monat nicht mehr als 400 Euro verdienen, bleiben unter der Geringfügigkeitsgrenze (Minijob). Ab dem Jahr 2013 wird diese Grenze auf 450 Euro aufgestockt. Für diese Arbeitnehmer muss der Arbeitgeber pauschal 15 Prozent des Arbeitsentgelts über die Minijob-Zentrale bei der Bundesknappschaft an die Rentenversicherung abführen. Arbeitet der Minijobber in einem Privathaushalt, zahlt der Arbeitgeber fünf Prozent. Freiwillig versichern kann sich, abgesehen von Beamten, jeder der älter als 16 Jahre ist und seinen Wohnsitz in Deutschland hat. Deutsche Staatsangehörige oder EU-Ausländer können sich auch vom Ausland aus freiwillig versichern.

Der Versicherte und sein Arbeitgeber zahlen je zur Hälfte den Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung. Die Höhe des Beitrags richtet sich nach der Höhe des Verdienstes. Beitrag ist aber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze fällig. Für den Teil des Einkommens, der oberhalb der Beitragsbemessungsgrundlage liegt, wird kein Rentenbeitrag erhoben. Neben den Beiträgen der Versicherten und deren Arbeitgebern wird die gesetzliche Rente durch den Bundeszuschuss finanziert. Das heißt, der Staat bezuschusst die Rentenversicherung für Leistungen, denen keine Beiträge gegenüberstehen, wie etwa Fremdrentenleistungen, die Anrechnung von Kindererziehungszeiten oder Kriegsfolgelasten.

Die Höhe der individuellen Rente errechnet sich aus der Rentenformel:

Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor = monatliche Bruttorente

Entgeltpunkte setzen das Entgelt eines Arbeitnehmers ins Verhältnis zum durchschnittlichen Gehalt aller Arbeitnehmer. Verdienen Sie beispielsweise die Hälfte des Durchschnittsentgeltes, beträgt Ihr Entgeltpunkt 0,5.

Über den Zugangsfaktor fließen Zu- und Abschläge in die Rechnung ein. Abschläge gibt es, wenn man vorzeitig in Rente geht. Zuschläge warten, wenn man trotz Altersgrenze zunächst auf Rentenzahlungen verzichtet.

Der aktuelle Rentenwert entspricht der monatlichen Rente für einen Entgeltpunkt. Er gilt für alle gleichermaßen.

Durch den Rentenartfaktor wird berücksichtig, welche Rente ein Versicherter erhält. Bei Altersrente beträgt er beispielsweise eins, bei Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung 0,5.