Lexikon

Riester-Rente

Seit Januar 2002 gibt es eine staatlich geförderte Zusatzrente, nach dem damaligen Arbeitsminister Walter Riester auch „Riester-Rente“ genannt. Möglichst jedes Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung soll nach Ansicht des Gesetzgebers die staatlich geförderte Zusatzvorsorge nutzen. Doch einfach „Lossparen“ geht nicht – es dürfen nur Angebote gewählt werden, die zertifiziert sind. Um dieses Zertifikat zu erhalten müssen die Produkte bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Reicht die Rente im Alter?

Um im Alter sorgenfrei leben zu können, muss man rechtzeitig vorsorgen. Ein Teil dieser Vorsorge ist die gesetzliche Rente. Doch wer allein auf sie vertraut, wird nicht ausreichend versorgt sein. Dies hat sich Anfang des Jahres 2001 bestätigt. Im Rahmen der Rentenreform wurde eine Kürzung der gesetzlichen Renten beschlossen. Auch wenn sich eine durchschnittliche Kürzung von 70 Prozent auf 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens als nicht sonderlich dramatisch anhörte, so bezieht sich diese nur auf den theoretisch existierenden „Eckrenter“ – nämlich den, der 49 Jahre lang (!) volle Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt hat. Für den „normalen“ Arbeitnehmer wirkt sich die Reform wesentlich verheerender aus, da auch die Berechnungsgrundlagen geändert wurden!

Um die Rente auf dem bisherigen Niveau zu halten, wurde die Einführung einer freiwilligen privaten Zusatzrente beschlossen mit staatlicher Förderung als Motivationsanreiz. Doch ganz wichtig: Diese Zusatzrente („Riester-Rente“) dient nur dem Ausgleich der neuen Lücken durch die Rentenkürzung des Jahres 2001. Vorher schon vorhandene Lücken werden damit nicht geschlossen.

Die Riester-Rente

Grundlage der Riester-Rente ist ein Vertrag zwischen Sparer und Anbieter (Versicherung, Bank oder Fondsgesellschaft). Zunächst schließt der Sparer einen Altersvorsorgevertrag ab. Dabei sollte es möglich sein, die Beiträge variabel dem Bruttoeinkommen des Vorjahres anzupassen. Die Beiträge werden dann durch den Anbieter vom Girokonto des Sparers abgebucht. Um dem Sparer einen vollständigen Überblick zu gewährleisten, erhält dieser am Jahresende einen Kontoauszug. Mit diesem Kontoauszug wird ein Antrag auf Zulagengewährung verschickt. Diesen Zulagenantrag muss der Sparer vervollständigen und unterschrieben an den Anbieter zurückschicken. Mittlerweile kann man bei den Anbietern auch Dauerzulagenanträge stellen und sich damit den jährlichen Antrag sparen.

Anspruch auf staatliche Förderung haben alle Personen, die Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung leisten. Der Staat fördert die private Altersvorsorge einmal durch staatliche Zulagen oder mit einer steuerlichen Förderung. Die Sparer können sogar beide Fördermöglichkeiten „einstreichen“.

Zertifizierung

Damit ein Produkt „riesterfähig“, also für die Nutzung zur staatlich geförderten Zusatzrente geeignet ist, muss es einige Voraussetzungen erfüllen. Diese werden durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geprüft. Die Zertifizierung ist allerdings kein Qualitätsurteil. Sie bestätigt lediglich, dass folgende Kriterien eingehalten werden:

  • Mindestlaufzeit: Der Vertrag muss mindestens bis zum Alter von 60 Jahren laufen. In den Riester-Verträgen, die 2012 oder später abgeschlossen werden, stehen andere Altersgrenzen. Dann wird die Riester-Rente frühestens ab dem 62. Lebensjahr ausgezahlt, spätestens ab dem 67. Lebensjahr. Eine Beitragsfreistellung ist aber unschädlich.
  • Kapitalgarantie: Der Anbieter muss sicherstellen, dass zum Zeitpunkt des Rentenbeginns mindestens die eingezahlten Beiträge vorhanden sind. Gemeint sind damit die Bruttobeiträge vor Kosten – diese müssen also wieder erwirtschaftet worden sein.
  • Mindestbeitrag: Es müssen bestimmte Mindestbeiträge gespart werden, um überhaupt Anspruch auf die Förderung zu haben.
  • Kosten: Die Vertriebs- und Verwaltungskosten müssen dem Kunden gegenüber offengelegt werden, ebenso die Kosten bei einem Wechsel des Vertrages zu einem anderen Anbieter.
  • Informationspflichten: Bei Vertragsabschluss müssen die oben geschilderten Kosten offengelegt werden. Während der Vertragslaufzeit muss der Kunde regelmäßig über seinen Kontostand und die Verwendung der eingezahlten Beiträge, die einbehaltenen Kosten und die Erträge des Kapitals informiert werden.
  • Wechsel des Anbieters: Jeder Sparer hat das Recht, seinen Anbieter zu wechseln und den Vertrag mitzunehmen.

Drei verschiedene Produkte

Es gibt drei unterschiedliche Varianten der Riester-Rente: eine private Rentenversicherung, ein Banksparplan oder ein Fondssparplan. Die Varianten bieten unterschiedliche Vorteile und sind je nach Alter, Familienverhältnissen und Einkommen des Riester-Sparers besser geeignet. Außerdem kann ein Riester-Vertrag mit einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung kombiniert werden. Außerdem kann man mit der Riester-Rente sein Eigenheim mitfinanzieren: entweder mit einem geförderten Darlehensvertrag oder mit einem geförderten Baussparvertrag.

Im Todesfall kann die Riester-Rente vererbt werden, die bereits gewährten Zulagen oder Steuerersparnisse werden dann aber wieder abgezogen. Ein Ehepartner kann einen geerbten Riester-Vertrag auf den eigenen Riester-Vertrag übertragen lassen.