Lexikon

Rückkaufswert

Das Versicherungsvertragsgesetz definiert den Rückkaufswert als den Geldbetrag, den das Versicherungsunternehmen bei vorzeitiger Kündigung oder Rücktritt vom Vertrag einer Lebensversicherung an den Versicherungsnehmer auszahlt.

Der Versicherungsnehmer (Kunde) schließt bei einer Lebensversicherung einen Vertrag mit einem Versicherungskonzern. Dieser Vertrag bindet beide Seiten für die im Vertrag verabredete Dauer. Der Rückkaufswert beinhaltet eine Kündigungsvergütung (zugunsten des Versicherungskonzerns) bei vorzeitiger Vertragsbeendigung. Er basiert deshalb nicht auf bereits gezahlten Beiträgen und kann im Extremfall, gerade am Beginn der Vertragslaufzeit auch deutlich unter den bislang geleisteten Prämien liegen, weil in der Monatsprämie auch neben den Aufwendungen für die Versicherung dessen Gewinn und dessen Verwaltungsaufwendungen enthalten sind. Das ist nach Ansicht des Gesetzes auch gerecht, da der Versicherungskonzern ab dem Tag des Vertragsabschlusses auch die volle Versicherungsleistung anbieten muss.

Allerdings ist es theoretisch möglich, wenn auch in der Praxis höchst selten, schon beim Vertragsabschluss einen erhöhten Rückkaufswert für die Anfangsjahre auszuhandeln. Das ist deshalb unwahrscheinlich, weil die Versicherer so hohe Rücklagen ansammeln müssten, wie theoretisch Kosten anfallen könnten, wenn alle ihre Kunden gleichzeitig alle Verträge kündigen würden. Nach EU-Richtlinien dürfen Gesetzgeber einen erhöhten Rückkaufswert nicht von Versicherungsunternehmen verlangen. Das Gegenteil zum Rückkaufswert wäre die Rückvergütung.

Gesetzlicher Mindest-Rückkaufswert

Der Gesetzgeber hat das Thema aber nicht den beiden Vertragsparteien alleine überlassen, sondern gewisse Mindeststandards bzw. Untergrenzen festgelegt (§176 Versicherungsvertragsgesetz/VVG). Nach dem Gesetz muss der Rückkaufswert mindestens so hoch sein wie er nach anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik ausfällt. Dabei wird den Versicherungskonzernen ausdrücklich zugestanden, dass ein vertraglich vereinbarter Stornoabzug (Rückkaufsabschlag) vom Rückkaufswert rechtens ist. Allerdings liegt in der Regel der von den Versicherern angebotene Rückkaufswert deutlich über dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestniveau.

In der Öffentlichkeit besteht oft große Verwunderung über das niedrige Niveau des Rückkaufswertes. Das liegt zum einen daran, dass Rückkaufswert und Rückvergütung gleichgesetzt werden, es liegt aber auch daran, weil die gültigen Rückkaufswerttabellen dem Kunden erst bei Kündigung zugesandt werden – bei Vertragsabschluss wären sie vermutlich nicht von Vorteil für die Konzerne. Grundsätzlich ist dabei die Auffassung des Gesetzgebers, der Kunde könnte mündig genug sein, ohne staatliche Regulierung selbst Lebensversicherungsverträge abzuschließen. Verbraucherschützer bestreiten diese Mündigkeit wegen immer komplexer werdender Verträge trotz der gesetzlich zugesicherten Widerspruchszeit (14 Tage nach Vertragszusendung §1 VVG).