Lexikon

Saurer Regen

Luftverschmutzung ist dafür verantwortlich, dass Regenwasser sauer wird. In den 80er Jahren soll sich die Säuremenge im Regenwasser durch die Luftverschmutzung mehr als verzehnfacht haben. Durch Maßnahmen der Abgasreinigung hat sich die Situation seither verbessert. Saurer Regen wird mit verantwortlich gemacht für das Waldsterben und für Schäden an Gebäudefassaden.

Abgase in der Luft reagieren mit Wasser zu Säuren. So ist die Art und Menge von Emissionen Ursache für den Sauren Regen. Dabei geht es vor allem um Schwefeldioxid und Stickstoffoxide. Schwefeldioxid entsteht bei der Verbrennung von schwefelhaltiger Kohle oder schwefelhaltigem Heizöl in Kraftwerken oder bei der Verhüttung schwefelhaltiger Metallerze. Zusammen mit der Luftfeuchtigkeit bilden sich schweflige Säure und Schwefelsäure. Stickstoffoxide sind vor allem in den Abgasen des Straßenverkehrs enthalten. Zusammen mit Wasser entsteht Salpetersäure. Durch diese chemischen Prozesse hat sich der pH-Wert des Regenwassers, der normalerweise bei 5 bis 6,5 liegen müsste, in Richtung saurer pH-Werte verschoben. Im Extremfall wurden vor Jahren Werte erreicht, die dem Säuregehalt von Zitronensäure nahe kamen. Diese von Stickstoffoxid und Schwefeloxid gebildeten Säuren gelangen dann als Immissionen in die Umwelt.

Der Saure Regen bleibt nicht ohne Folgen. Er ist verantwortlich für die schnelle Verwitterung von Gebäudefassaden. Beispiel dafür ist etwa der Kölner Dom. Für die Restauration seiner Skulpturen und Fassadenelemente müssen jedes Jahr hohe Summen aufgewendet werden. Ein weiteres Beispiel für die schädigenden Auswirkungen von Abgasen und das dadurch versauerte Regenwasser sind die Jahrtausende alten Gebäude Athens. Der Figurenschmuck der Akropolis wurde schon vor vielen Jahren entfernt und im Museum in Sicherheit gebracht. Viele Figuren waren durch die Umweltschäden schon bis zur Unkenntlichkeit entstellt, der Stein teilweise völlig zerstört. Nachbildungen haben heute den Platz der Originale im Freien eingenommen.

Der Saure Regen wird auch für das Waldsterben verantwortlich gemacht. Nachgewiesenermaßen schädigt er Nadeln und Blätter. Die Versauerung des Bodens schädigt außerdem die Wurzeln. Folgt auf den Sauren Regen dann auch noch Wassermangel, sind die Folgen für die Vegetation umso gravierender. Denn der Saure Regen kann Nährstoffe, die normalerweise im Boden gebunden sind, freisetzen und auswaschen. Er löst ebenso Metall-Ionen aus ihren Bindungen im Boden heraus. Dadurch können sie für Pflanzen zu gefährlichen Giften werden. Die Folge davon: Die geschwächte Vegetation wird anfällig gegenüber Infektionskrankheiten und Schädlingen.

Zu regelrechten „Säureschüben“ kommt es im Frühjahr: Während des Winters bleibt der Saure Regen als „Saurer Schnee“ liegen. Kommt es dann zur Schneeschmelze, wird innerhalb kurzer Zeit die gesamte Säurefracht freigesetzt. Bergbäche und Teiche können mit einem Mal so sauer werden, dass die Fischbrut abstirbt.

Durch das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) soll die Umwelt vor den Auswirkungen von Emissionen wie Schwefeldioxid oder Stickoxiden geschützt werden. Vorschriften – zum Beispiel für den Betrieb von Großfeuerungsanlagen – und Grenzwerte für Emissionen sind in der Technischen Anleitung Luft (TA-Luft) enthalten.

Schwefeldioxid und Stickoxide sind außerdem verantwortlich für die Bildung von Smog bei austauscharmen Wetterlagen. Im Sommer gelten Stickoxide als Vorläufersubstanzen für Ozon, das sich durch die Einwirkung der Sonnenenergie am Boden bildet.