Lexikon

Schuldenschnitt / Schuldenerlass

Wird bei einem Staat der Schuldenschnitt gemacht, bedeutet das für die Gläubiger, dass sie ganz oder zum Teil auf ihre Forderungen verzichten. Der betroffene Staat hat kein Mitspracherecht, da er zahlungsunfähig ist. Gläubiger können andere Staaten, aber auch Banken oder andere Investoren sein.

Er wird dann in Betracht gezogen, wenn davon auszugehen ist, dass ein Staat nicht aus eigener Kraft seinen Haushalt konsolidieren, also seine Schulden begleichen kann. Denn dann bleibt meist nur der unkontrollierte Bankrott, und gerade in wirtschaftlich voneinander abhängigen Staatengemeinschaften wie der EU wird diese Lösung nicht bevorzugt.

Die Idee hinter dem Schuldenschnitt: Dem Schuldner soll eine Möglichkeit gegeben werden, selbst einen Weg aus der finanziellen Krise zu finden. Ansonsten würde die bestehende Verschuldung immer weitere Neuverschuldungen nach sich ziehen. Der Vorteil des Schuldenschnitts ist, dass die Gläubiger immerhin einen Teil der Schulden sicher und sofort wiederbekommen.

Kritiker argumentieren jedoch, dass Schuldner aus dem Erlass nichts lernen und mit großer Wahrscheinlichkeit wieder auf die nächste Krise zusteuern. Sie plädieren eher für eine Umschuldung, das bedeutet, dem Schuldner mehr Zeit zur Begleichung seiner Schulden zu geben. Bei einer Umschuldung ist das Ausfallrisiko höher.

Keines der beiden Modelle garantiert jedoch, dass der Schuldner nicht doch am Ende bankrott geht.