Lexikon

Tender

Tender sind ein Teil der Notenbankpolitik. Notenbanken können entweder Geld knapp machen oder dem Markt Geld zur Verfügung stellen, indem sie den Zinssatz, für den sich die Geschäftsbanken bei ihnen Geld leihen, heben oder senken. Man unterscheidet Mengentender und Zinstender.

Die amerikanische Immobilienkrise im Jahr 2007 hatte auch Auswirkungen auf die Zinspolitik. Jede Bank misstraute der anderen und nahm immer höhere Zinsen für die wechselseitige Geldleihe. Die Banken – nicht nur in den USA – wurden geradezu panisch, die Geschäfte der Banken liefen, weil das Geld immer knapper wurde, noch schlechter als durch die Krise und die dadurch ausfallenden Kredittilgungen ohnehin schon. Da griffen die Zentralbanken ein und machten „Geld billig“ – sie boten den Banken Geld zu günstigen Zinssätzen an, um gegen die Knappheit vorzugehen.

Mengentender

Die Europäische Zentralbank steuert über Mengentender Knappheit und Verfügbarkeit von Geld auf den Märkten. Bei einer Krise bietet sie den Geschäftsbanken zu relativ günstigen Konditionen (niedrigen Zinsen) Geld an, was diese dann wieder weiter verleihen konnten, um so den Markt am Laufen zu halten. Bei einer galoppierenden Inflation wäre es genau andersherum. In einem solchen Fall würde die EZB den Banken Geld nur noch für hohe Zinsen leihen, damit die Geldmenge insgesamt abnimmt, weil die Banken dann nämlich zwangsläufig auch höhere Zinsen von ihren Kunden verlangen müssten, und die daraufhin weniger Kredite nehmen würden. Die Mengentender haben aber auch ein grundsätzliches Problem: Wird Geld von den Zentralbanken billig gemacht, greifen die Geschäftsbanken auch häufig zu, ohne das Geld direkt weiter zu verleihen. Deshalb hat mehr und mehr das Zinstenderverfahren den Vorzug erhalten.

Zinstender

Im Gegensatz zum Mengentender gibt die EZB hierbei keinen festen Zinssatz vor (kann aber einen Mindestzinssatz angeben). Die Geschäftsbanken erklären, zu welchem Zinssatz sie wie viel Geld leihen würden. Die Zuteilung erfolgt dann nach Gebotsende nach holländischem oder amerikanischem Verfahren.

Holländisches Verfahren: Alle Banken werden zum niedrigsten abgegeben Zinssatz (marginalen Zins) bedient. Das führte in der Vergangenheit oft zu Marktverfälschungen, weil die Banken marktferne Zinssätze angeben konnten in dem Wissen, ohnehin zum günstigsten Zinssatz bedient zu werden.

Amerikanisches Verfahren: Die Banken werden in dem Maße bedient, je höher ihre Gebote sind (Repartierung). Das hat zur Folge, dass die Banken, die Kredite am dringlichsten benötigen, das meiste Geld erhalten, weil sie in der Regel auch die höchsten Gebote abgegeben haben.

Geldmarktsteuerung

Das zweite Unterscheidungskriterium der Tender ist die Zeit, in der dem Markt Geld zur Verfügung gestellt wird. Und bei der Zeitkomponente spielt sowohl die Laufzeit des Kredites als auch die Schnelligkeit des Angebotes der Zentralbank eine Rolle:

Haupttender: jede Woche mit einer Woche Laufzeit (Sie regeln etwa 75 Prozent des Geldbedarfs der Geschäftsbanken. Durchgeführt werden sie dezentral, von den nationalen Zentralbanken.)

Basistender: jeden Monat mit einer Laufzeit von drei Monaten (Sie machen das letzte Viertel aus. Ähnlich wie der Haupttender in einem im Voraus einsehbaren Tenderkalender. Sie werden ebenfalls dezentral, von den nationalen Zentralbanken durchgeführt.)

Schnelltender: innerhalb von einer Stunde wird Geld ausgeschrieben und zur Verfügung gestellt. Dieses Instrument wählten die Zentralbanken während der Immobilienkrise 2007, um dem Markt ganz schnell Geld zuzuführen, als die Börsenkurse dramatisch ins trudeln kamen. (Schnelltender werden kurzfristig angesetzt. Die Laufzeit kann stark schwanken. Die Geschäftspartner können von den Zentralbanken bewusst ausgesucht werden.)