Lexikon

Termingeschäft

Ein Termingeschäft bezeichnet ein Geschäft, bei dem Vertragsabschluss und Vertragserfüllung zeitlich auseinander liegen. Üblicherweise beträgt der Zeitraum mehr als zwei Tage. Darunter spricht man von einem Kassageschäft, einem Geschäft, das direkt nach Vertragsabschluss erfüllt werden muss.

Entscheidend bei Termingeschäften ist, dass die Bedingungen schon bei Abschluss festgelegt werden. Dazu zählen

  • der Basiswert, also der Gegenstand des Handels wie z. B. Wertpapiere, Zinsen, Währungen, Metalle oder Agrarprodukte,
  • der zu zahlende Basispreis und
  • der Erfüllungszeitpunkt.

Ursprünglich dienten Termingeschäfte der Absicherung. Schon im 17. Jahrhundert wurden auf der osakischen Reisbörse derartige Handel abgeschlossen, von denen sowohl Reisbauern als auch Mühlenbesitzer profitierten. Während sich die Bauern festgelegte Absatzmengen und Preise sicherten, schützten sich die Abnehmer vor steigenden Preisen durch unvorhersehbare Ereignisse wie Missernten.

Heutzutage überwiegt meist der Spekulationsgedanke. Der Käufer hofft auf steigendes Kaufbegehren und einen Weiterverkauf der Ware zu einem höheren Preis am Tag der Vertragserfüllung. Der Verkäufer hingegen setzt auf sinkende Nachfrage und versucht, die Ware während der Laufzeit zu einem günstigeren Preis zu beschaffen.

Bedingte Termingeschäfte

Unterschieden wird in bedingte und unbedingte Termingeschäfte. Beim bedingten Termingeschäft wird einer Partei das Recht eingeräumt, erst in der Zukunft zu entscheiden, ob sie das Geschäft vollziehen will oder nicht.

Die klassische Variante unbedingter Termingeschäfte sind Optionsscheine, auch warrants genannt. Sie verbriefen das Recht, nicht jedoch die Pflicht, eine bestimmte Menge eines Basiswerts zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).

Bei amerikanischen Optionen kann das Recht während der kompletten Laufzeit, bei Optionsscheinen europäischen Typs nur zum Laufzeitende ausgeübt werden. Für dieses Recht muss der Käufer eine Prämie, den Optionspreis, an den Stillhalter (Verkäufer) zahlen. Der Optionspreis ist kursabhängig, errechnet sich aus innerem Wert und Zeitwert.

Das Verlustrisiko des Käufers beschränkt sich somit auf die Prämie. Sein Gewinnpotential dagegen ist nahezu unbegrenzt. Für den Stillhalter verhält es sich genau umgekehrt: Bei hohem Verlustpotential begrenzt sich sein Gewinn auf die Prämie.

Unbedingte Termingeschäfte

Die Rechte und Pflichten bei unbedingten Termingeschäften sind gleichermaßen verteilt. Sowohl Käufer als auch Verkäufer müssen den Vertrag auf jeden Fall erfüllen. Dementsprechend fällt keine Prämie an. Erst bei Vertragserfüllung wird die Ware entweder effektiv geliefert, oder es findet ein Barausgleich statt.

Außerbörslich gehandelte unbedingte Termingeschäfte nennt man Forwards. Bei Forwards werden alle Bedingungen individuell zwischen den Geschäftspartnern ausgehandelt. Diese Komplexität macht sie schwer handelbar. Außerdem tragen die Geschäftspartner das volle Risiko selbst.

Die börsengehandelte Version der Forwards sind Futures. Bei Futures können einzelne Parameter nicht verhandelt, sondern nur homogene Serien gekauft werden. Sie sind standardisiert. Dafür tragen sie mehr Sicherheit, da sie über die Clearingstelle der Börse ausgetauscht werden. Diese garantiert die Ausführung der getätigten Geschäfte durch Kontrolle bestimmter Anforderungen. Die Marktteilnehmer müssen genügend Liquidität nachweisen und die ordnungsgemäße Orderweiterleitung gewährleisten. Unter anderem muss eine geringe Sicherheitsleistung, die Einschussmargin oder Initial Margin gezahlt werden, die in der Regel einem Prozentsatz des Kontraktwerts entspricht. Zusätzlich wird während der Laufzeit des Vertrags periodisch eine Nachschussmarge, die Variation Margin, erhoben. Sie ergibt sich aus dem Buchgewinn bzw. -verlust.