Lexikon

Testamentsvollstrecker

In der Regel tritt ein Testamentsvollstrecker dann in Aktion, wenn ein Bürger wünscht, dass sein Letzter Wille (Testament) von einer unabhängigen Person nach dem Tod durchgesetzt wird. Er wird also vom Erblasser bestellt. (§2197ff.) Dieser kann auch mehrere Testamentsvollstrecker gleichzeitig mit der Verwaltung des Nachlasses beauftragen. Es kann auch nur für Teile eines Erbes ein Testamentsvollstrecker eingesetzt werden. Eine Dauervollstreckung bis maximal 30 Jahre ist auch zulässig.

Der Gesetzgeber sieht auch vor, einen der Erben oder den überlebenden Ehegatten zum Testamentsvollstrecker zu ernennen. Das könnte allerdings bei den Miterben Konflikte provozieren. Die Arbeit des Testamentsvollstreckers kann nicht nur geteilt, sie kann auch beschränkt werden, so etwa auf einzelne Teile des Nachlasses oder auf das Erbe einzelner Erben. Der Erblasser kann auch eine Dauervollstreckung erlassen, die auf maximal 30 Jahre ausgedehnt werden kann, wenn es etwa um aufwändige Auflösungen von Firmenverflechtungen geht. Es dreht sich dann mehr um die Verwaltung des Nachlasses als um die Verteilung. Der Testamentsvollstrecker muss rechtlich voll geschäftsfähig sein. Zur Legitimation erhält er vom Nachlassgericht ein Testamentsvollstreckerzeugnis und seine Beauftragung wird im Erbschein schriftlich festgehalten. Er darf keine Geschäfte mit sich selbst durchführen (etwa Teile des Nachlasses selbst kaufen) und auch keine Schenkungen verteilen (sofern sie nicht angemessen erscheinen wie kleine Geburtstagsgeschenke). Selbstverständlich unterliegt seine Arbeit den Anforderungen einer ordnungsgemäßen Geschäftsführung.

Die Ausführung eines Testaments durch einen Testamentsvollstrecker wird vom Erblasser in der Regel in einem Testament oder in einem Erbvertrag fstgelegt. Sonderformen der Einsetzung eines Testamentsvollstreckers sind, dass ein Nachlassgericht ihn einsetzt oder er durch einen in einem Testament festgelegten Dritten bestimmt wird. (Etwa: „Hiermit verfüge ich als meinen letzten Willen, dass meine Tochter xy/das Nachlassgericht in xy einen Testamentsvollstrecker Ihrer /seiner Wahl bestimmt.“) Die Annahme oder Ablehnung des Amtes eines Testamentsvollstreckers muss beim Nachlassgericht schriftlich erklärt werden.

Ist ein Testamentsvollstrecker eingesetzt, so haben die Erben keine Verfügungsgewalt über das Erbe. Weder das Vermögen des Erblassers noch einzelne Gegenstände aus dem Nachlass stehen in der Zeit zur Verfügung. Denn der Testamentsvollstrecker nimmt den Nachlass zunächst in Besitz (nicht in sein Eigentum!), sodass auch mögliche Gläubiger eines Erben warten müssen.

Wofür braucht man einen Testamentsvollstrecker?

Die Einsetzung eines Vollstreckers ist nicht zwingend – auch nicht bei großem Vermögen. Sie bietet sich allerdings an, wenn der Erblasser befürchten muss, dass sich die Erben untereinander so zerstreiten, dass etwa Immobilien unter Wert (weil unter Zeitdruck) verkauft würden. Es bietet sich auch an bei Nachlässen, bei denen es um Firmen geht. Eine weitere Möglichkeit sind extrem „unterschiedliche“ Erben, etwa ein Kleinkind und ein Finanzmanager. Der Erblasser versucht sicherstellen, dass das Kind nicht übervorteilt wird.

Der Testamentsvollstrecker muss seine Arbeit nicht unentgeltlich leisten. Insbesondere, wenn er eine vergleichbare Tätigkeit als Hauptberuf (Steuerberater, Notar etc.) vorweisen kann, steht ihm eine Entlohnung zu, die meist schon im Testament festgelegt wird. Eine juristische oder finanzwissenschaftliche Ausbildung der Person ist nicht notwendig. Auch die Novelle des Rechtsdienstleistungsgesetzes sieht nichts anderes vor. Indirekt werden sogar nicht berufsmäßige Testamentsvollstrecker juristisch unterstützt, denn im Gegensatz zu Notaren, Rechtsanwälten oder Steuerberatern müssen Privatleute keine Vermögenshaftpflichtversicherung abschließen. Mittlerweile gibt es sogar Vereine, die zum (nicht geschützten Begriff) des Testamentsvollstreckers ausbilden.