Lexikon

Umwelt-Kompensation

Das ist der Ausgleich von Umweltbelastungen, die an einer Stelle auftreten durch ökologische Schutzmaßnahmen an einer anderen Stelle.

Diese räumliche oder auch sachliche Trennung kann national wie international vorgenommen werden. Gründe dafür können sein, dass am Ort der Investition die Umweltbelastung unvermeidlich ist; andererseits kann der Wirkungsgrad der kompensatorischen Maßnahme an anderer Stelle deutlich höher sein.

Wird zum Beispiel Wald abgeholzt, um Platz für eine Wohnsiedlung, eine Verkehrs- oder Industrieanlage zu schaffen, dann kann dieser Eingriff in das ökologische Gleichgewicht nicht am gleichen Ort ausgeglichen werden. Es ist aber möglich, an anderer Stelle eine ebenso große Waldfläche durch Aufforstung neu zu schaffen.

Diese Überlegung beruht auf dem ökonomischen Grundsatz, knappes Kapital möglichst dort einzusetzen, wo es den höchsten Nutzen bringt. Da in den wirtschaftlich und technisch hoch entwickelten Ländern die Umweltbelastung im Verhältnis zur gesamtwirtschaftlichen Leistung in vielen Bereichen deutlich gesenkt werden konnte, hat sich die Qualität von Boden, Luft und Wasser deutlich verbessert.

In den meisten Ländern der Dritten Welt und in den ehemals sozialistischen Staaten ist der Umweltschutz aus Mangel an finanziellen Mitteln dagegen häufig noch wenig entwickelt. Da Umweltschutz aber ein globales Problem ist und ein hoher Schadstoffausstoß in Asien oder Afrika letztlich auch das Klima und die Menschen in den hoch entwickelten Ländern bedroht, erscheint es sinnvoll, die ökologischen Investitionen möglichst da vorzunehmen, wo die eingesetzten Mittel den höchsten Wirkungsgrad erzielen.

Deshalb wird nun diskutiert, ob nicht Unternehmen in den hoch industrialisierten Ländern die Möglichkeit bekommen, kompensatorische Umweltinvestitionen in dritten Staaten vorzunehmen. Statt zum Beispiel die Anforderungen an den Reinheitsgrad von Abwasser und Abluft immer höher zu schrauben, wird nach diesem Konzept westlichen Industrieunternehmen erlaubt, Umweltschutz-Vorhaben in Ländern der Dritten Welt zu finanzieren. Neben dem Klimaschutz bieten sich vor allem Kompensations-Projekte beim Gewässerschutz, der Luftreinhaltung und Abfallentsorgung an. Ökologische Maßnahmen dort müssen ihnen dann auf inländische Verpflichtungen angerechnet werden.

Um ökologische Kompensationen weltweit steuern zu können und ihnen nicht nur eine Alibifunktion zu geben, müssen dafür klare Standards geschaffen werden. Dazu gehören:
Ausreichende Möglichkeiten, Kosten und Nutzen von Umweltinvestitionen zu messen;
Die Wirksamkeit der Maßnahmen muss wissenschaftlich anerkannt und der Erfolg dauerhaft kontrollierbar sein.