Lexikon

Volkszählung / Zensus

Volkszählungen gibt es seit Tausenden von Jahren. Spätestens bei der Weihnachtsgeschichte fällt auf, dass es schon sehr lange Volkszählungen geben muss. In Ägypten sind sie seit 3000 vor Christus belegt, später gab es sie in Griechenland oder dem Römischen Reich. Wichtige Dinge, wie Steuerkraft und Wehrfähigkeit wurden so festgelegt. Aber auch die Moderne kommt nicht ohne Volkszählung aus. Das Deutsche Reich ließ zu seiner Gründung 1871 eine Volkszählung vornehmen. Die Bundesrepublik zählte ihre Bürger mehrfach, zuletzt 1987 mit Auseinandersetzungen bis vor das Bundesverfassungsgericht. In der DDR wurde 1981 gezählt.

Es ist schwierig für einen Staat, ohne genaue Bevölkerungszahlen auszukommen. In Deutschland sind sie beispielsweise wichtig für den Länder-Finanzausgleich, die Einteilung der Bundestagswahlkreise, für Planungen von Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäusern oder Seniorenheimen. Die derzeit verwendeten Zahlen beruhen auf der Fortschreibung der vergangenen Volkszählungen. Durch Stichproben werden die bestehenden Daten fortgeschrieben, aber die Ungenauigkeiten nehmen mit jedem Jahr zu. Besonders problematisch ist es, dass in Deutschland die Wiedervereinigung nach der letzten Volkszählung, sowohl west wie auch ost, liegt. Nach der Wende gab es starke Bevölkerungsbewegungen.

Die EU plant nun einen unionsweiten Zensus für das Jahr 2011. Deutschland will sich beteiligen. Es soll keine Befragungen an der Haustüre geben, sondern eine registriergestützte Datenerhebung, zu der die Melderegister, Daten der Bundesanstalt für Arbeit und Daten zum Personalbestand der öffentlichen Hand herangezogen werden. Nur in Ausnahmefällen soll an der Haustüre befragt werden. Das minimiert die Ausgaben.

Im Zuge der letzten Volkszählung in Westdeutschland hatte es heftige Kritik von Datenschützern geben, die 1983 in einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts endete. Damals ging es darum, den Schutz des Grundrechts auf informelle Selbstbestimmung zu erhalten, also eine strikte Trennung von Statistik und Verwaltung. Die für statistische Zwecke erhobenen Daten dürften nicht für Verwaltungszwecke genutzt werden. Das heißt, Melderegister dürfen ihren Datenbestand nicht anhand von Volkszählungsdaten aktualisieren. Heute ist der Bundesbürger aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung und Vernetzung von Daten ohnehin bereits sehr gläsern – mit oder ohne Volkszählung.