Lexikon

Wärme-Contracting

Elf Tonnen Kohlendioxid erzeugt jeder Bürger im Jahr, ein Viertel davon durch Wärme- und Warmwassererzeugung zu Hause. Viele Heizungsanlagen sind veraltet und entsprechen nicht mehr den Anforderungen umweltfreundlicher Wärmeversorgung. Das Problem ist oft, neue moderne Heizanlagen sind teuer. Seit einigen Jahren gibt es eine Alternative: das Wärme-Contracting. Hier investiert der Besitzer eines Hauses nicht selbst in die Anlage, sondern überträgt die Wärmeversorgung einer externen Firma.

Der Hausbesitzer schließt dazu mit der Firma einen Vertrag, englisch „Contract“. Der „Contractor“ mietet oder kauft einen Raum in dem Gebäude und plant, baut und finanziert eine Heizungsanlage. Der Gebäudeeigentümer kauft dann nur noch die erzeugte Wärme.

Das spricht dafür

Das hat Vorteile: Der Eigentümer muss sich in Sachen Heizung um nichts mehr kümmern. So muss er keinen Brennstoff wie Öl oder Gas mehr einkaufen und muss sich auch keine Gedanken über hohe Brennstoff-Preise machen. Außerdem betreibt der Dienstleister die Heizung möglichst effizient, damit er seine eigenen Kosten so niedrig wie möglich hält und damit einen höheren Gewinn macht. Das führt oft zu einem deutlich niedrigeren Brennstoffverbrauch und hält damit die Ausgaben für Brennstoff und die Umweltbelastung niedrig.

Contracting ist in zwei Fällen relevant: Entweder suchen Sie für Ihr Eigenheim eine Möglichkeit, Ihre Heizung zu modernisieren, oder Sie wohnen zur Miete und Ihr Vermieter will eine neue Heizanlage einbauen lassen.

Gut zu wissen für Eigentümer

Zum ersten Fall: Zumeist bieten die regionalen Energieversorger, also beispielsweise die Stadtwerke, entsprechende Leistungen an. In der Praxis sieht das dann so aus, dass die Anbieter bei Ihnen zu Hause eine neue Heizanlage installieren und Sie dann, ähnlich wie beim Leasing, monatliche Raten bezahlen. Dafür bekommen Sie eine neue, oft sparsamere Heizanlage, die Lieferung des Brennstoffes, die nötigen Service-Leistungen und einen 24-Stunden-Entstörungsdienst.

Die Anlage selbst bleibt Eigentum des Anbieters. Sie als Hauseigentümer müssen nur den Heizraum zur Verfügung stellen. Die Sache hat aber auch einige Haken. Zunächst können sie oft nicht selbst aussuchen, wie die neue Heizung beschaffen sein soll, etwa was den verwendeten Brennstoff angeht.

Kritisch wird es bei den Kosten: Zusammengerechnet kann Wärme-Contracting unterm Strich teurer werden als eine selbst installierte Heizungsanlage, die beispielsweise durch eines der von der Bundesregierung aufgelegten Finanzierungsprogramme mitgefördert wurde. Informationen dazu gibt es bei der KfW-Förderbank. Das liegt daran, dass der Contractor auch Kosten seiner unternehmerischen Tätigkeit in Rechnung stellt, etwa für die Abschreibung der Anlage und die Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Ein weiteres Problem: Es gibt bisher nur relativ wenig Anbieter – meist nur die regionalen Stadtwerke, deren Kostenaufstellungen und Verträge oft nicht transparent sind.

Gut zu wissen für Mieter

Zum zweiten Fall: Bei Mietshäusern mit mehreren Wohnungen funktioniert das Wärme-Contracting ganz ähnlich. Allerdings bringt es für die Mieter oft Nachteile. Zunächst einmal ist die Materie für Laien extrem kompliziert. Wenn der Vermieter den Wechsel zu einem Wärmevertrag ankündigt, dann sollten sich die Bewohner sofort Rat bei Verbraucherschützern wie etwa einem Mieterverein holen. Sonst könnten bis zu 40 Prozent Mehrkosten auf den Mieter zukommen, so der Deutsche Mieterbund.

Der Grund: Der Mieter wird oft doppelt zur Kasse gebeten. In der Kaltmiete ist in der Regel auch ein Anteil für die Heizanlage enthalten. Bei den Betriebskosten zahlt der Mieter normalerweise abhängig vom Verbrauch für die Wärme. Wenn der Mieter direkt an einen Wärme-Contractor zahlt, sind darin auch Kosten für Investitionen und Betrieb der Heizung enthalten – der Mieter zahlt also für dieselbe Leistung doppelt.

Einige Vermieter senken daraufhin die Kaltmiete – aber längst nicht alle. Vorgeschrieben ist, dass ein Vermieter seine Mieter rechtzeitig darüber informiert, dass er einen Vertrag mit einem Wärme-Contractor abschließen will. Er braucht dann auch die Zustimmung aller Mieter, zumindest, wenn diese nach Abschluss des Vertrags mehr zahlen sollen als vorher. Nur wenn im Mietvertrag eine Umstellung schon vorgesehen war, braucht der Vermieter kein Einverständnis der Bewohner.

Der Hauseigentümer muss bei einer Umstellung auf Wärme-Contracting außerdem das Wirtschaftlichkeitsgebot einhalten. Wenn die Mieter über Gebühr belastet werden, müssen sie die überhöhten Kosten nicht zahlen.