Lexikon

Web-Konventionen

Ein Leben ohne Internet ist kaum noch vorstellbar. Damit es ausnahmslos funktioniert, sind allerdings Vereinbarungen über technische Standards nötig. Diese werden von Insitutionen oder großen Unternehmen geschaffen und durch umfangreiche Verwendung etabliert.

Damit das Internet funktioniert und leistungsfähiger wird, muss viel koordiniert werden: etwa die Ebenen der Protokolltechnik, die Internetadressen, die Seitenbeschreibungssprache HTML für das World-Wide-Web, die Zuteilung von Domain-Namen oder die Neuerstellung von Top-Level-Domains (Endungen wie .org, .info, .com).

Netzebene

Der Ausbau großer Computernetzwerke muss umfangreich geplant werden. Wichtigste Grundlage sind Protokolle, die den Austausch von Daten und das Verteilen der Datenpakete zwischen Absender und Zielcomputer regeln. Diese Protokolle werden von der Internet Engineering Task Force (IETF) weiterentwickelt und den modernen Anforderungen angepasst. Die IETF ist ein offener Zusammenschluss von Informatikern in der ganzen Welt. Ihre Empfehlungen werden oft zur Grundlage der Fortentwicklung des Web.

Eines der verwalteten Protokolle ist das HTTP (Hypertext Transfer Protocol) sowie dessen Weiterentwicklung, das HTTPS (Hypertext Transfer Protocol Secured). Hierin ist unter anderem festgelegt, welche Informationen der Server einer aufgerufenen Seite über den Link erhält, durch den der Nutzer die Webseite aufgerufen hat.

Auch das Internet-Protocol IP ist wichtig. Die IP-Adresse muss jeden Computer im Netz einwandfrei identifizierbar machen. Doch die Zahl der Computer und anderer Geräte im Internet hat so stark zugenommen, dass der bisher verwendete Adressenraum IPv4 nicht mehr ausreicht. Nicht allen Computern kann mehr eine einzelne unverwechselbare Adresse zugewiesen werden. Die Internet Assigned Numbes Authority (IANA) will deshalb den sogenannten IPv6-Standard etablieren.

Doch der Umstieg auf eine neue Nummerierung ist technisch aufwendig, da zeitweise beide Benennungsverfahren parallel betrieben werden müssen. Jeder Server muss nun identifizieren, nach welcher Adresse in welchem System ein Datenpaket weitergeleitet werden muss.

Auf netzwerktechnischer Ebene legt auch die International Telecommunication Union (ITU) Normen und Standards fest. Sie ist eine Organisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf, in der die 191 Mitgliedsländer der UN vertreten sind. Sie spricht Empfehlungen aus und legt verbindliche Standards fest.

Domain Namen

Aus den unleserlichen IP-Adressen werden durch das Domain Name System (DNS) Internetadressen, wie sie jeder Nutzer kennt. Für die Organisation ist die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) zuständig. Die nichtkomerzielle Stiftung mit Sitz in den USA wurde von Interessenverbänden aus Wirtschaft, Technik, Wissenschaft sowie Nutzergruppen gegründet. In einem Beirat haben Regierungsvertreter aus aller Welt ihren Sitz. Durch diese Anerkennung als Institution regelt ICANN eine Reihe von Fragen rund um das Internet.

World Wide Web

Das wichtigste Gremium zur Regelung von Konventionen im World-Wide-Web ist das W3C (World-Wide-Web-Consortium). Rund 350 Organisationen sind Mitglied des Konsortiums, darunter kommerzielle Branchenverbände, Regierungs- und Nichtregierungsorganisation sowie akademische Gruppen, Forschungseinrichtungen und Universitäten. Einzelne Unternehmen können nicht Mitglied werden. Hier wird über die Syntax der Webseiten-Auszeichnungssprache HTML entschieden, also festgelegt, wie Webseiten aufgebaut sein müssen, damit der Webbrowser auf dem Computer des Nutzers die Inhalte richtig darstellt.

In der Anfangszeit wurde vor allem Textdarstellung und das Verlinken von Webseiten geregelt, der Aufbau von Formularen und deren Anbindung an Datenbanken. In den letzten Jahren war es vor allem die in allen Browsern gleiche Darstellung von Multi-Media-Inhalten, die das Gremium beschäftigte.

In verschiedenen Diskussionsstufen werden Standards für die wichtigsten im Web gebräuchlichen Protokolle erarbeitet und dann als Empfehlungen veröffentlicht. Das W3C hat keinen offiziellen, durch internationale Verträge geregelten Auftrag, daher entsprechen die gemachten Vorgaben auch nicht dem Gewicht internationaler Normen, wie sie etwa die International Organisation for Standardisation (ISO) verbindlich vorschreiben kann. Allerdings beruhen eine Reihe von Internet-bezogenen ISO-Normen auf den Empfehlungen des W3C.

Ziel ist es, das auseinanderdriften des Webs durch Quasi-Standards, die kommerzielle Unternehmen setzen, zu verhindern. Eine entscheidende Rolle dabei spielt auch, dass die empfohlenen Techniken frei von patentrechtlichen Ansprüchen sein sollen, so dass sie jederman ohne zusätzliche Kosten einsetzen kann.

Allerdings hinkt das W3C technischen Entwicklungen häufig hinterher, da diese von den Technikentwicklern in Unternehmen und bei den Browser-Herstellern vorgedacht werden. 2010 arbeitet das W3C an einem Standard zur Wiedergabe von Mediendateien wie Filmen und Präsentationen, der die Vormachtstellung des Flash-Players von Adobe begrenzen soll. Die vorgeschlagenen Techniken sind lizenzfrei nutzbar und die Inhalte sollen zukünftig einfach durch den Browser genutzt werden, ohne die Notwendigkeit, ein kommerzielles Plug-In zu installieren.