Lexikon

Weichmacher

Wie der Begriff schon sagt, sind das Stoffe, die Materialien weich und biegsam werden lassen. Aufgrund dieser Merkmale sind sie in Kunststoffen, Lacken, Anstrich- und Beschichtungsmitteln, Dichtungsmassen, Kautschuk- und Gummi-Artikeln sowie in Klebstoffen zu finden. Auch bei der Textilherstellung werden sie verwendet. Hier sorgen sie dafür, dass sich Stoffe geschmeidiger und griffiger anfühlen. Doch weichmachende Stoffe haben nicht nur nutzbringende Eigenschaften: In Tierversuchen wurde für einige von ihnen eine entwicklungsschädigende Wirkung nachgewiesen.

Bei der Stoffgruppe, die in diesem Zusammenhang oft genannt wird, handelt es sich um die Phthalate. Die fünf am häufigsten verwendeten Phthalate sind DIDP (Diisodecylphthalat), DINP (Diisononylphthalat), DEHP (Di(2-ethylhexyl)phthalat), DBP (Dibutylphthalat) und BBP (Benzylbutylphthalat).

Der Mensch kommt in seinem Alltag ständig mit Phthalaten in Berührung. Ob Bodenbeläge, Tapeten oder Lebensmittelverpackungen, selbst in Medizinprodukten wie Infusionsschläuchen und Magensonden finden sich Weichmacher. Problematisch dabei ist, dass die Stoffe nicht allzu fest im Material gebunden sind und in die Umgebungsluft übergehen. Hier werden sie vom Menschen eingeatmet und gelangen – sofern sie nur langsam abgebaut werden – auch in die Nahrungskette.

Einige der Stoffe stehen seit einigen Jahren unter strenger Beobachtung: DEHP, DBP und BBP wurden von den Mitgliedstaaten der Europäischen Union als fortpflanzungsgefährdend eingestuft. Zurückzuführen ist das darauf, dass diese Stoffe ähnlich wie Hormone wirken und damit fähig sind, die körperliche Entwicklung des Menschen zu beeinflussen. DBP steht beispielsweise im Verdacht, bei männlichen Föten Missbildungen der Sexualorgane zu verursachen.

Angeführte Substanzen dürfen bei der Herstellung von Babyartikeln und Kinderspielzeug nicht mehr verwendet werden. Hier hat die EU-Kommission ein Anwendungsverbot verhängt. Stattdessen greift die Industrie nun auf DIDP und DINP zurück. Beide wurden bisher als nicht gefährliche Stoffe eingestuft. Jedoch besteht aus Vorsicht auch hier ein Verbot für Babyspielzeug, das in den Mund genommen wird.