Lexikon

Zillmerung

Die Zillmerung ist ein versicherungsmathematisches Verfahren, bei dem Abschlusskosten, Vertriebs- und Akquisitionsprovisionen bei Lebens- und Krankenversicherungen aus den ersten eingezahlten Monatsbeiträgen beglichen werden. Erst nach vollständiger Begleichung dieser Nebenkosten fängt die eigentliche Sparphase an.

Die Zillmerung wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom gleichnamigen preußischen Versicherungsmathematiker August Zillmer erfunden. Am besten lässt sie sich mit dem Wort Vorabprovisionierung umschreiben: Die Vertriebskosten einer Versicherung werden nicht direkt bei Vertragsabschluss vom Kunden gezahlt, sondern von seinen Prämien in den ersten Jahren der Laufzeit einbehalten.

Eine versteckte Gebührenerhebung also – mit dem Vorteil für die Versicherungskonzerne, dass der Kunde diese Summe nicht zusätzlich bezahlen muss und somit auch die Höhe nicht kennt. Der Vermittler hingegen kann seine Provision sofort in voller Höhe erhalten, sie wird dann von den Prämien abgestottert. Dank der Zillmerung fließen durchschnittlich etwa fünf Prozent der Versicherungssumme in die Taschen des Versicherungsvermittlers, ohne dass der Kunde ausdrücklich davon erfährt. Bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro sind das immerhin 5000 Euro.

Zillmerung bei Betriebsrenten

Nach einem Urteil des Landesarbeitsgerichts München aus dem Jahr 2007 haftet ein Arbeitgeber für Verluste, die seine Angestellten bei der Kündigung betrieblicher Lebensversicherungen erleiden. Eine Verkäuferin hatte monatlich 178 Euro angespart, insgesamt in knapp drei Jahren 6230 Euro. Wegen der Zillmerung wurde ihr ein Rückkaufswert bei Kündigung von nur 639 Euro errechnet, während 5591 Euro für Provisionen und Verwaltungskosten angefallen waren.

Das Gericht zwang den Arbeitgeber, der Arbeitnehmerin diese Differenz zuzüglich Zinsen zu ersetzen. Die Angestellte habe mit der Umwandlung ihres Gehaltes Anspruch auf eine „wertgleiche Anwartschaft auf Versorgungsleistungen“. Dies gelte übrigens auch, wenn der Arbeitgeber vor Vertragsabschluss seine Angestellten auf die Zillmerung hingewiesen habe. (Az. 4 Sa 1152/06)

Zillmerung außerhalb der Versicherungsbranche

Theoretisch gibt es die Zillmerung nicht nur bei Versicherungspolicen, sondern auch bei Fondssparplänen. Hierfür allerdings hat der Gesetzgeber in § 125 Investmentgesetz (InvG) geregelt, dass bei mehrjährigen in Deutschland aufgelegten Fondssparplänen höchsten ein Drittel der Einzahlungen des ersten Jahres „gezillmert“ werden darf. Die restlichen Kosten müssen gleichmäßig auf die gesamte Laufzeit verteilt werden.