21. Februar 2017

Lohnen sich Versicherungs-Apps?

© GaudiLab/Shutterstock.com
Manches Risiko wird einem erst bewusst, wenn man kurz davor steht: Beim Skifahren am Hang oder bei einer Probefahrt, wenn der Testwagen nur haarscharf wieder unter Kontrolle zu bringen war. Wer sich dann denkt „Jetzt eine Versicherung“, der kann aufatmen. Dank Smartphone und speziellen Apps gibt es Versicherungsschutz kurzfristig und tageweise. Das hat allerdings seinen Preis. Lohnen sich Versicherungs-Apps trotzdem? 

Ohne Versicherungsschutz kann es im Schadensfall schnell sehr teuer werden. Dagegen wirken die jährlichen Beiträge vergleichsweise niedrig. Allein die Schaden- und Unfallversicherer zahlten hierzulande im vergangenen Jahr 48,1 Milliarden Euro an ihre Kunden aus. Die durchschnittlichen Ausgaben der Deutschen für Versicherungen sind in den vergangenen Jahren leicht angestiegen: 2371 Euro hat ein Deutscher im Jahr 2015 für Policen ausgegeben. Rund 1000 Euro mehr als noch vor 20 Jahren, sagt der Gesamtverband Deutscher Versicherer (GDV). Den größten Anteil daran machen demnach Lebensversicherungen aus, mit im Schnitt 1133 Euro pro Kopf – ein Plus von 100 Prozent seit 1995. Danach kommen 788 Euro für Schadens- beziehungsweise Unfallversicherungen und rund 450 Euro für Private Kranken- und Krankenzusatzversicherungen.

Bislang war der Weg zu einer Versicherung meist der gleiche. Wer eine Police braucht, wendet sich entweder an einen Berater oder versichert sich direkt online. In der Regel mit einer Mindestvertragslaufzeit von einem Jahr. Doch die Zeiten sind vorbei. Wer spontan eine Versicherung braucht, kann sich heutzutage tageweise versichern – auch noch Last-Minute, per Versicherungs-App auf dem Smartphone.

Warum eigentlich nicht?

Solche Spontan-Versicherungen gibt es zahlreich, etwa für Schäden durch Schlägereien im Fußballstadion, Verletzungen beim Kita-Ausflug oder beim Skifahren im Ausland. Eine Umfrage des ZDF-Verbrauchermagazins WISO am Stubaier Gletscher in Österreich hat ergeben, dass die Idee gut ankommt. „Ich würde mir auf jeden Fall vorher die Konditionen durchlesen und dann spricht eigentlich nix dagegen“, sagt Winterurlauber David Herzig. Andere ziehen die Papierform vor, dennoch zeigt sich Benedikt Vohs aufgeschlossen: „Wenn die Versicherungs-App genug Informationen liefert, was alles inbegriffen ist, würde ich auch eine Versicherung per App abschließen.“

Das geht beispielsweise über die App „AppSichern”, ganz papierlos und ohne Unterschrift. Einfach gewünschte Versicherung auswählen, persönliche Daten eingegeben, Versicherungszeitraum wählen und bezahlen. Das geht etwa über Dienste wie PayPal oder mit Kreditkarte. Die Bestätigungsmail kommt sofort. Ab 1,49 Euro gibt es diesen Versicherungsschutz – bei einer Laufzeit ab 24 Stunden. Versicherungsbeginn: sofort.

Versicherungs-Apps als Makler und Verwalter

Das breite Angebot an Kurzzeitversicherungen macht „AppSichern“ derzeit einzigartig. Andere Anbieter wie beispielsweise die Allianz haben zwischenzeitlich nur Reiseversicherungen via Smartphone angeboten und diese „Reiseversicherung to go“-App gibt es mittlerweile nicht mehr. Stattdessen bieten die großen Gesellschaften aber Versicherungs-Apps an, um Schadensfälle zu melden oder Rechnungen einzureichen, zum Beispiel die „Rundum gesund“-App der Versicherungskammer Bayern. Fast jeder Versicherer hat mittlerweile eigene Apps dafür auf dem Markt. Das Angebot reicht von der Allianz, über Ergo, Barmenia und HUK, um nur einige zu nennen.

Wer Versicherungen via Handy abschließen lassen will, kann auf Apps wie „GetSafe Versicherungsmanager“, „volders – Digitaler Vertragsassistent“ oder „Knip digitaler Versicherungsmakler“ zurückgreifen. Damit lassen sich auch bestehende Versicherungen verwalten, prüfen und etwaige Veränderungen vornehmen – etwa die Deckungssummen anpassen oder neue Policen abschließen. Allerdings muss solchen Apps das Maklermandat vom bisherigen Versicherungsberater übertragen werden. Die persönliche Beratung durch einen Ansprechpartner vor Ort entfällt für den Versicherungsnehmer dann.

AppSchichern

Über die App von AppSichern ist es möglich, eine Reihe von Versicherungen direkt per Smartphone abzuschließen. Das Unternehmen kooperiert mit verschiedenen großen Versicherern wie Würzburger, Arag oder die Bayerische. Die App bietet sofortigen Versicherungsschutz an. Direkt nach dem Abschluss erhält der Kunde die Bestätigung via E-Mail.

Pro und Contra

“Kurzzeitversicherungen können durchaus sinnvoll sein”, sagt Julika Unger von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Beispielsweise der Krankenversicherungsschutz für ein bestimmtes Reiseziel für eine bestimmte Zeit. “Allerdings muss man in den meisten Bereichen fragen, ob der Risikoschutz überhaupt wichtig ist?“ Falls ja, dann stelle sich die Frage, ob er nur für diese kurze Zeit wichtig sei oder ob es nicht vielleicht besser wäre, insgesamt abgesichert zu sein – wie etwa bei der Unfallversicherung. Auch der GDV mahnt vor falscher Sicherheit: „Die Versicherungssummen sind in vielen Fällen ungenügend. Bei einer Unfallversicherung ist mit 50.000 Euro der Schutz viel zu gering, falls wirklich was passieren sollte. So werden Verbraucher in Sicherheit gewogen, obwohl keine Sicherheit besteht.“


verbrauchertipp: Wie bei jeder Versicherung sollten Sie auch bei Abschlüssen über das Smartphone die Versicherungssummen und die versicherten Leistungen vergleichen. Gerade weil Versicherungs-Apps durch ihre unkomplizierte Installation zum schnellen Abschluss verleiten, sollten Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) genau studieren.


Die Vor- und Nachtteile der Versicherungs-App im Überblick: Die Policen sind schnell und einfach zu buchen, haben eine individuelle Laufzeit ab 24 Stunden, der Versicherungsschutz greift sofort und dazu gibt es keine Kündigungsfristen. Dem stehen niedrige Deckungssummen und viele Haftungsausschlüsse entgegen und im Vergleich zu Jahrespolicen ein vergleichsweise hoher Preis. Denn rechnet man die Policen aufs Jahr hoch, sind sie deutlich teurer. „AppSichern“-Anbieter SituatiVe begründet das wie folgt: „Prozesskosten pro Transaktion fallen leider auch bei geringen Zeiträumen an und müssen entsprechend refinanziert werden.“

Versicherungs-Apps im Praxistest

Im Alltag dürften die auf den ersten Blick niedrigen Beiträge zu so manchem spontanen Abschluss via Handy führen. Aber lässt sich wirklich innerhalb einer Gondelfahrt eine Reiseversicherung buchen? Dank Internetverbindung des Smartphones klappt das auch in 3000 Meter Höhe. Die Fahrt reicht, um persönlichen Daten, den Versicherungszeitraum und die Kreditkarteninformationen einzugeben und auf Absenden zu klicken.

Die Tester sind im Großen und Ganzen angetan: Eva Gasser zeigt sich zufrieden. „Es ging alles total schnell. Die Daten, die man eingeben musste, waren im Vergleich zu dem, was man sonst so für Formulare hat, ziemlich wenig.” Auch Thorsten Kröll ist vom vergleichsweise unkomplizierten Abschluss begeistert: „Bisher musste ich jede Versicherung mit einer Unterschrift unterschreiben. Und hier ging es jetzt ganz einfach.“ Allerdings: „Wenn Sie mich jetzt fragen würden, für was ich alles versichert bin, könnte ich keine Auskunft geben“, merkt Bernhard Zingele an.

Fazit: Solche Last-Minute-Reiseversicherungen können sinnvoll sein, sind aber teuer. Und nur in wenigen Fällen ist die angebotene Police wirklich notwendig, sagen Experten.

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