16. Februar 2018

Riestern mit Bio-Siegel

Nachhaltige Finanzprodukte liegen im Trend. Immer mehr Menschen machen sich Gedanken, was mit ihrem Geld passiert. Gleichzeitig wird die private Altersvorsorge angesichts der sinkenden gesetzlichen Rente immer wichtiger. Gibt es Produkte, die beide Aspekte in sich vereinen, die Nachhaltigkeit und Altersvorsorge zusammenbringen?

Grundsätzlich sind Anbieter von Riester-Produkten bei der Verwendung der Kundenbeiträge völlig frei. Es ist also möglich, dass mit dem Geld von Riester-Sparern und den Zuschüssen vom Staat Unternehmen finanziert werden, die für Menschenrechtsverletzungen oder Umweltzerstörung verantwortlich sind oder mit Waffen Geld verdienen. Allerdings wächst der Druck auf Investoren, ihre Anlagestrategien nachhaltiger auszurichten. Auch einige Versicherungen und Fondsgesellschaften arbeiten mit ethisch-ökologischen Ausschlusskriterien, um die Finanzierung kontroverser Geschäftspraktiken ganz oder teilweise zu vermeiden.

Die Verbraucherzentrale Bremen hat sich das Produktsegment Riester-Rente näher angeschaut. Gemeinsam mit der Stiftung Warentest untersuchte sie, ob Riester-Produkte ethisch und ökologisch umstrittene Geschäfte bei ihren Investitionen meiden. Dabei wurden Fondssparpläne, Fondspolicen sowie Rentenversicherungen unter die Lupe genommen.

Wenige Produkte konsequent nachhaltig
Das Ergebnis fiel sehr unterschiedlich aus. Immerhin: Einige Anbieter schließen Investitionen in Landminen oder Streumunition aus. Dies sollte eigentlich selbstverständlich sein, doch für einige Anbieter sind selbst diese international geächteten Waffen kein Tabuthema. Die Auswahl an konsequent nachhaltigen Riester-Produkten ist überschaubar. Die meisten Ausschlusskriterien gibt es bei der „Förderrente Futur“ der Concordia Oeco, einer Riester-Rentenversicherung. Sie verzichtet auch auf Investitionen in Atomkraft, fossile Brennstoffe, Glückspiel und Pornographie. Bei den Riester-Fondssparplänen bietet nur ein Produkt, der „Deka Zukunftsplan Select“, nachhaltige Investmentfonds zur Auswahl an.

Vielen Anbietern fehlt es an Transparenz
Ein weiteres Problem: Konkrete Informationen zu den Nachhaltigkeitsstandards der Riester-Produkte sind oftmals nur schwer zu bekommen. Viele Anbieter lassen sich in Sachen Nachhaltigkeit nicht in die Karten schauen. Mehrere Versicherungen teilten mit, dass sie überhaupt keine ethisch-ökologischen Ausschlusskriterien berücksichtigen oder lieferten für die Untersuchung keine konkreten Informationen. Um für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit zu sorgen, sollten für staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte ethisch-ökologische Mindeststandards eingeführt werden. Der Gesetzgeber würde durch Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien für staatlich geförderte Finanzprodukte den Markt positiv beeinflussen und seine eigenen Nachhaltigkeits-Ziele unterstützen.

Die Untersuchungsergebnisse und Tipps zur ethisch-ökologischen Geldanlage gibt es beim Portal GELD BEWEGT. Wer konkret wissen möchte, ob sein Riester-Produkt nachhaltig ist, kann nach seiner Altersvorsorge bei FAIRE RENTE schauen.

 

Annabel Oelmann - verbraucherblick Dr. Annabel Oelmann ist seit April 2016 Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. Zuvor leitete sie sieben Jahre lang u.a. die Gruppe Finanzen und Versicherungen der VZ Nordrhein-Westfalen. Ihre Themenschwerpunkte sind Geldanlage, Kredite, Versicherungen und Altersvorsorge.

 

 

 

 

 

 

 

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