9. Juli 2016

Routenplaner fürs Fahrrad

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© SFIO CRACHO/Shutterstock.com
Sommerzeit gleich Fahrradzeit. Selten bietet sich die Gelegenheit so oft wie bei gutem Wetter, mit dem Rad ein paar schöne Ausflüge zu machen. Wer neue Ziele entdecken und dabei ohne Überraschungen auf der Strecke ankommen will, nutzt dafür am besten einen Streckenplan. Aber nicht wie früher in Form eines riesigen Faltplans, sondern mit einer App auf dem Smartphone oder einem eigenständigen Radnavi.

Der Weg ist das Ziel, sagt der Volksmund. Nur welcher Weg direkt ans Ziel führt, ist meist ein Problem. Gut, wenn man dabei Unterstützung hat, bei Radtouren zum Beispiel und dann am besten in digitaler Form. Sowohl für das Smartphone-Betriebssystem Android als auch für Apples iPhone gibt es zahlreiche Programme. Das ZDF-Verbrauchermagazin WISO hat die Apps Komoot und Naviki, die in der Grundversion kostenlos sind, sowie das kostenfreie Google Maps getestet. Der Gegenkandidat war das eigenständige Navigationsgerät Garmin Edge Touring für rund 170 Euro. Welches System findet die fahrradfreundlichsten Routen?

Durch die Stadt

Zunächst geht es durch die Frankfurter Innenstadt. Jedes System darf sich auf dem Weg durch die Metropole am Main beweisen. Google Maps ist recht flink, zeigt den direkten Weg, schickt aber oft auf die Straße, obwohl es einen Radweg gibt. Genauer ist Komoot, es kennt mehr Radwege und führt präzise zum Ziel. Naviki ist dagegen kein Stadtfreund und schickt den Benutzer direkt durch die Fußgängerzone. Das heißt mit dem Rad natürlich schieben. Google Maps und Komoot sind flexibler und haben stets eine Parallelstraße angezeigt. Garmins System funktioniert einwandfrei. Leider ist die Zieleingabe auf dem Display anstrengend und langwierig, die Routensuche dauert auch recht lang.


Leihräder

Wer spontan ein Rad braucht, kann sich in vielen Großstädten eines ausleihen. Etwa 1 Euro kosten 30 Minuten. Anbieter sind zum Beispiel Nextbike und Call a Bike oder lokale Anbieter. Hier ist ein Navi in der Tasche natürlich Gold wert: Mit Smartphone und Universalhalterung navigiert man sich ganz einfach durch die fremde Stadt.


Bevor es zum nächsten Test geht, wird ein Problem mit den Apps deutlich: der Akku der Smartphones. Bereits nach einer Stunde Fahrt ist der Akku nur noch halbvoll. Jede App saugt Leistung, Navigationsapps besonders – erstens, weil der Standortdienst GPS ständig aktiviert ist, und zweitens, weil das Display permanent angeschaltet ist.


verbrauchertipp: Nehmen Sie für Radtouren immer einen Ersatzakku oder eine sogenannte Powerbank mit, die per USB-Kabel ans Smartphone angeschlossen werden kann.


Aufs Land

Für die Tour ins Grüne geht’s auf eine 24 Kilometer lange Rundreise um den Frankfurter Lohrberg. Komoot und Naviki wie auch Garmin bieten dafür eigenständige Touren. Mit diesem Angebot kann Google Maps nicht glänzen. Zur Auswahl steht lediglich der direkte Weg. Und darin unterscheiden sich Komoot, Naviki und Google Maps stärker als erwartet.


verbrauchertipp: Ob Smartphoneapp oder Profinavigationsgerät, wer auf der Radtour bequem fahren und navigieren will, braucht eine Halterung. Fürs Garmin kostet sie etwa 40 Euro. Beim Smartphone gibt es sie für jedes Modell schon für etwa 20 Euro oder universell, unter anderem bei Finn für ungefähr 15 Euro.


Während Naviki den Nutzer über eine Treppe führt, kennen die anderen Systeme bereits die naheliegende Unterführung. Auf den Berg hinauf finden dann alle. Hinauf kommen muss man allerdings schon noch selbst – leider, diese Strapaze nimmt einem kein Navi ab. Fazit für die Landpartie: Komoot hat wie in der Stadt auch bei der Fahrt ins Grüne am besten abgeschnitten. Naviki führte gelegentlich auf Umwege. Die Streckenempfehlungen von Garmin waren gut. Nur das Display ist für die Praxis viel zu klein.

Fazit

Zurück in der Stadt schaut Paul Fremer, Planer für Verkehrskonzepte, die gefahrene Strecke auf allen Systemen an. Am meisten hat Komoot überzeugt. Es bietet die besten Routen zu festen Zielen, Tourenempfehlungen waren aber eher durchwachsen. Eine Karte für eine Region ist kostenlos, alle Karten zusammen kosten 30 Euro. Gute Touren bietet auch Naviki. Nur bei den direkten Wegen zum Ziel lieferte die App manchmal umständliche Empfehlungen zum Weg. Weitere Extras kosten einmalig 10 Euro. Google Maps ist gratis, bietet direkte Routen, empfiehlt aber keine Touren. Das Garmin Edge Touring punktet voll bei Routen und Touren, kostet aber ordentlich mit 170 Euro und hat ein recht kleines Display. Diese Anschaffung lohnt sich nur für Vielfahrer.

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