17. März 2020

Vermögensbildung nur mit Risiko?

Wenn Konsum, Immobilienpreise und Blasen wachsen

Zumindest für Kleinanleger ist der Weg, risikoarm ein zusätzliches Vermögen oder zumindest eine gewisse Altersvorsorge aufzubauen, seit Jahren sehr steinig geworden. Anfang der 1990er Jahre ging eine Goldgräberstimmung durch die ostdeutschen Bundesländer. Versicherungen, Altersvorsorgeverträge, Bausparverträge mit Prämien und Sparzinsen jenseits von Gut und Böse. Das lief erst mal gut und wer einen Job hatte, legte anfänglich mal kühn 50 DM monatlich an.

Aber dann kam die Finanzkrise 2008 mit all ihren Folgen: Die Zinsen fielen in den Keller. Nur die Altkredit-Häuslebauer konnten in die Hände klatschen. Aus 8 Prozent Zinsbelastung wurden nach der Umschuldung oft nur noch 3 Prozent. Nun sind bald 12 Jahre ins Land gegangen und der Begriff Zinsen ist beinahe zum Fremdwort mutiert. Auch sind einige Kreditinstitute dazu übergegangen, ältere Prämiensparverträge mit einem guten Zinsniveau zu kündigen oder einfach die anfallenden Zinsen zu kürzen.

Alternative Geldanlagen wie Riesterverträge, Schatzbriefe, Tagesgeld, Gold, Lebensversicherungen – Fehlanzeige? Das Geldvermögen der Haushalte in Deutschland hat ein historisches Hoch erreicht. Die Kauflaune der Verbraucher ist ungebrochen, teure Pauschalreisen oder Kreuzfahrten werden gebucht und natürlich ist das neue Auto größer. Die Wirtschaft profitiert, ist stabil und die Steuern fließen. Eine niedrige Inflationsrate bzw. kaum ein Anstieg bei den Lebenshaltungskosten eröffnen Handlungsspielräume.

Aber auch der hohe Konsum ändert nichts an der ungeheuren Kaufkraft. Viel Kapital, zum Teil gebündelt in Fonds und bei Investoren, fließt seit Jahren in den Immobilienmarkt, der Markt, der als einziger Wachstum und Rendite sichert, oder? Ob es das Eigenheim ist, das man trotz steigender Grundstückspreise noch gut finanzieren kann, oder ob es um den Bau von Miet- oder Eigentumswohnungen geht – hier boomt es vor allem in den großen Städten und den touristischen Zentren. Hohe Verkaufserlöse und ständig steigende Mieten bei Neuimmobilien versprechen sichere Renditen. Und alles findet (noch) ungebrochen Käufer oder Mieter. Da ist aber auch ein wenig Spekulation dabei. An der Ostseeküste wird es langsam sichtbar. Leere Eigentumswohnungen stehen in der Landschaft, eine Vermietung an Feriengäste gelingt teilweise nur noch in der Hauptsaison, auch weil die Infrastruktur nicht so schnell mitgewachsen ist. Baut sich da eine Immobilienblase auf?

Nichts ist heute ohne Risiko. Wer Geld anlegt, muss es in dem Umfang tun, dass er bei Verlusten nicht in seiner Existenz gefährdet ist. Und immer schön die weitere Zinsentwicklung im Auge haben.

Jürgen Fischer - verbraucherblickDr. Jürgen Fischer

Seit August 2004 ist er geschäftsführender Vorstand der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Rostock. Schwerpunkte des Juristen sind Mietrecht und Energie, speziell das Thema Heizkosten.

Mehr lesen Sie in verbraucherblick 03/2020.

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